Werner knallhart

dm: Hui! Rossmann: Pfui!

Seit der Schrottladen Schlecker tot ist, läuft das Rennen zwischen dm und Rossmann. Für unseren Kolumnisten ist der Ausgang klar. Denn dm kriegt auch die Männer.

In Ausgabe 36 seiner Kolumne erklärt Marcus Werner, warum dm das Rennen der Drogeriemärkte macht. Quelle: PR

"Ich hasse dm!" Das habe ich am vergangenen Samstag tatsächlich zu hören bekommen. Von einer jungen Frau, als sie fast zeitgleich mit mir einen dm-Laden in Berlin betrat - dem neben der S-Bahn-Station Alexanderplatz. Und ich spürte in mir zu meiner eigenen Überraschung ein schmerzendes Gefühl von: Kränkung.

Wie bitte schön kann man dm hassen? Ich suchte mir festen Halt, atmete tief durch und sah mich um. Was war hier anders? Was war hier hassenswert? Und plötzlich entfuhr es mir: "Grundgütiger Gott! Das sieht hier ja aus wie bei Rossmann."

Über Jahre hinweg gab es in Deutschland das Drei-Stufen-Modell. Auf ganz unterster Stufe stand Schlecker. Die Unverschämtheit unter den Drogeriemärkten. Ich wohnte sieben Jahre lang rund drei Gehminuten von einem Schlecker entfernt und habe ihn in all der Zeit nur einmal betreten. Weil ich vergessen hatte, Deo aufzutragen und dringend zum Hauptbahnhof musste. Sonst wäre ich wie immer zehn Minuten zu dm gelaufen. Schlecker wirkte von außen immer schon so widerlich. Wie eine Spielhalle.

Was Kunden an dm schätzen

Wer da drin war, tat mir leid. Und dann schließlich noch: "For you. Vor Ort". Da war dann allen klar: Es geht zu Ende.

Bald wird Schlecker, dieses Überbleibsel aus dem dunklen Mittelalter des Einzelhandels, völlig in Vergessenheit geraten sein. Und das ist gefährlich für Rossmann. Die standen bislang auf Stufe zwei im Drei-Stufen-Modell. Und jetzt ist Stufe zwei die unterste. Rossmann ist so gesehen das Schlecker der Neuzeit. Und dm ist eindeutig Stufe eins. An dieser Stelle dulde ich keinen Widerspruch!

Der Erfolg der beiden Unternehmen gibt mir an dieser Stelle ja recht. dm ist Marktführer in Deutschland.

Die wertvollsten europäischen Einzelhändler
Bereits zum vierten Mal veröffentlicht Interbrand die Studie Best Retail Brands, die sich dem Einzelhandelssektor widmet. Der Report listet die wertvollsten europäischen Retail-Marken auf. Es folgen die zehn ersten Plätze des Rankings. Platz 10: SephoraDas französische Unternehmen Sephora schafft es mit einem Marktwert von 2,1 Milliarden US-Dollar auf den zehnten Platz im Ranking. Der 1970 gegründete Kosmetikkonzern verkauft über 100 verschiedene Marken. Seit 1998 erobert er auch den amerikanischen Markt. Quelle: imago
Platz 9: AldiDer einzige deutsche Einzelhändler in den Top Ten ist Aldi. Die Einzelhandelskette konnte ihren Markenwert nach den hohen Markenwertverlusten der letzten Jahre wieder leicht steigern und rangiert mit 2,9 Milliarden US-Dollar auf Platz neun. Quelle: dpa
Platz 8: BootsMit einem Marktwert von 3,3 Milliarden US-Dollar schafft es Boots auf den achten Platz. Der Konzern ist einer der bedeutendsten Pharmagroßhändler Europas. In Großbritannien ist er der größte Konzern, der Pharmazieprodukte verkauft. Quelle: dapd
Platz 7: AuchanAuchan belegt den siebten Platz mit einem Marktwert von 3,6 Milliarden US-Dollar. Die Warenhauskette aus Frankreich ist noch in 13 weiteren Ländern vertreten. Auchan ist in Frankreich mit seinem Drive-Through-Format sehr erfolgreich. Und um noch näher am Kunden sein zu können, haben in den letzten Jahren Anbieter wie Rewe oder die Hypermarktanbieter Carrefour, Auchan und Casino zudem kleinere Stores meist in zentraler Lage eröffnet – meist in zentraler Lage. Der Trend geht zu „Markenshops“, die das Unternehmen selbst zelebrieren. Auch gemischte Konzepte wie etwa ein Laden inklusive eines Cafés entstehen vermehrt. Quelle: rtr
Platz 6: Marks & SpencerDie Supermarktkette Marks & Spencer rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Marktwert von 5,6 Milliarden US-Dollar. In ganz Großbritannien betreibt das Einzelhandelsunternehmen mehr als 375 Einkaufsläden. Quelle: dapd
Platz 5: TescoRund neun Milliarden US-Dollar ist Tesco wert. Die britische Supermarktkette ist mittlerweile weltweit vertreten und beschäftigt insgesamt mehr als 530.000 Mitarbeiter. Außerhalb des Landes sind Tesco-Märkte unter anderem in Polen, Irland, Tschechien, USA und der Türkei zu finden. Quelle: dpa
Platz 4: CarrefourDer Marktwert von Carrefour beträgt 10,2 Milliarden Euro, was dem Einzelhändler den vierten Platz im Ranking beschert. Das französische Unternehmen ist Europas größtes Einzelhandelsunternehmen und nach Wal-Mart das zweitgrößte der Welt. In zahlreichen Ländern betreibt der Konzern insgesamt knapp 15.000 Filialen. Quelle: REUTERS

Und dm ist der einzige mir bekannte Laden, den Frauen und Männer gemeinsam betreten können, ohne dass sich eines der Geschlechter als Anhängsel fühlt. Da wird nicht gequengelt und nicht gemurrt. dm passt schon. Obwohl es dort Parfüm gibt und Raumdüfte und Wände voller Make-up, sagen selbst verkrampfte Hetero-Machos freimütig: "Ich geh noch eben zu dm." Die gehen da bummeln. Echt!

Wieso ist das so? Das lässt sich zum einen gut beantworten, wenn man sich die dm-Filiale an der S-Bahn Alexanderplatz anguckt. Denn das ist nicht dm. Verklebte Fenster, verwinkelter Grundriss, hohe, dicht zusammengedrängte Regale, zwischen denen man in düsteren Gängen mit dem Rucksack auf dem Buckel mal eben meterweise Nudelsoßen aus der Auslage reißt. Der Laden wirkt, als hätte er eine große Duschgel-Ecke und eine große Putzmittel-Ecke. Dazwischen was zu futtern. Und am Eingang Paletten mit Getränken. Für die durstige Laufkundschaft. Dazu passt tatsächlich der Claim: "Ich hasse dm." Dort geht man halt hin, weil man muss. Was haben sich die Leute in der Karlsruher Zentrale bloß dabei gedacht? Wahrscheinlich war das ein Schachzug, um Rossmann das Ladenlokal wegzunehmen. Für Rossmann hätte es gereicht. Im Untergeschoss derselben S-Bahn-Station wirkt Rossmann noch gedrängter und bis unter die Decke vollgestopft. Das sollte dm auf keinen Fall nachmachen.

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