Werner knallhart

Flat White und Aeropress: Der neue Kaffee-Schnickschnack

Nach mehr als einer Dekade mit Caffè Latte und Latte Macchiato musste ja mal was Neues her. Der Flat White und die Aero Press sind jetzt die neuen Hipster-Knaller. Was Besseres ist denen leider nicht eingefallen.

Zehn Dinge, die Sie noch nicht über Kaffee wussten
Brasiliens Anbaufläche ist geschrumpft. Von 2 402 993 Hektar im Jahr 1970 auf 2 148 775 Hektar 2011. Dennoch ist es auch weiterhin mit großem Abstand der nach Fläche größte Produzent von Rohkaffee weltweit, es folgten 2011 mit 1293000 Hektar Indonesien und Kolumbien schon nur noch mit weniger als einem Drittel der Fläche Brasiliens, 739 413 Hektar. Quelle: AP
Trinken Sie Ihren Kaffee. Warmhalten ist nämlich schlecht. Der PH-Wert von Kaffee sinkt kontinuierlich. Beträgt er laut eines Versuchs des Westdeutschen Rundfunks zu Beginn noch 5,28, sinkt er nach einer Stunde auf 4,93 und nach drei Stunden auf der Warmhalteplatte nur noch 4,90. Unklar ist, ob das für Röstkaffee ebenso gilt wie für löslichen – fest steht aber, dass aus 100 Kilogramm Kaffeefrüchten 14 Kilo Röstkaffee produziert werden, aber nur neun Kilogramm löslicher Kaffee. Quelle: ZBSP
Eine Tasse Kaffee hat etwa 0,18 Liter Inhalt. Um eine Tasse Kaffee zu produzieren, sind bis zu dem Moment, in dem er getrunken wird, 140 Liter virtuelles Wasser nötig. Der weltweite Kaffeekonsum benötigt eine Wassermenge, die 1,5 mal so hoch ist, wie die Menge, die jährlich den Rhein hinabfließt: 120 Billionen Liter. Wer noch Milch dazu tut: Ein Liter Milch verbraucht 1000 Liter Wasser laut Vereinigung deutscher Gewässerschutz und ein Kilo Zucker 1500 Liter. Quelle: dpa
Reden wir über Geld. Arabica gilt gemeinhin als die wertvollere Sorte im Vergleich zu Robusta. Im Kilo kostet er konventionell und gewaschen mindestens 2,34, Bio-Kaffe hingegen 2,84. Robusta hingegen konventionell 1,76 das Kilo und Bio 2,26. Wer den Robusta jedoch vorschnell als Billigsorte abtut, ignoriert, dass ein Großteil der Espressomischungen für italienische Bars einen guten Prozentsatz Robusta enthält, auch, weil er dann zuverlässiger gelingt. Quelle: dpa
Wer ist Barista-Weltmeister? Welches Land stellt Ende 2013 die durch die „Specialty Coffee Association of Europe“ meisten Barista, die eine Prüfung mit Kaffeewissen und Anwendung ablegen müssen? Richtig. Südkorea. Mit 58. Ach, nicht Italien? Nein, nur 19, da hat Deutschland mit 27 mehr! Platz drei nach Deutschland geht übrigens in die Schweiz mit 24 zertifizierten Baristas. Die USA hat einen – gut, ist ja auch nicht Europa. Quelle: dpa
Dass die Kaffeekultur in den USA nicht allein durch Starbucks geprägt wird, ist jedem Reisenden mit offenen Augen klar. Sie trinken in absoluter Menge auch den meisten. 22 238 000 Säcke a 60 Kilogramm Rohkaffee haben die USA 2012 verbraucht, die Brasilianer kaum weniger mit 20 330 000. Doch dann auf Platz drei: Die Deutschen mit 8 830 Säcken a 60 Kilo. Was aber auch immer auf Madagaskar los ist: Die haben mit 425 Prozent den höchsten Anstieg im Kaffeekonsum zwischen 2000 bis 2012. Quelle: AP
Wer sind diese Menschen? Wo wohnen sie, was tun sie? 0,3 Prozent der Deutschen trinken ein mal pro Monat Kaffee. Ein Prozent immerhin einmal die Woche. Doch die größte Gruppe mit 50,3 sind diejenigen, die täglich mehrfach Kaffee trinken. Quelle: dpa
Wenn die Kinder aus dem Hause sind und die Karriere gemacht ist, dann schmeckt Kaffee wohl am leckersten. In der Phase „Etabliert“, die auf Familienphase, Gründerphase und zu Beginn Einsteigerphase folgt, trinken 64 Prozent mehrmals täglich Kaffee. Die Kaffeetanten in deutschen Konditoreien können es nicht rausreißen – sie landen auf Platz 3. Weit vorne ist diese Gruppe allerdings beim Konsum der Sorten magenfreundlich und koffeeinfrei. Quelle: dpa
Es ist nicht so lange her, dass Italiens Strandbars warben mit „Deutsche Filterkaffee“. Das hat sich geändert. Koffeeinkulturell sind wir inzwischen Kosmopoliten, nur die wenigsten ordern noch Expressi. Gleichwohl: Zum Filterkaffee stehen wir. Und zwar über alle Generationen weg erfährt diese Zubereitungsmethode bei mehr als 80 Prozent der Deutschen hohe Anerkennung. Aber wir belassen es nicht mehr dabei. Caffè Crema, Milchkaffe, Latte Macchiato, Cappuccino – auch diese sind mit hohen Werten des Verbrauchs in unserem Leben fest verankert. Und obwohl über all in den Städten die Becher in den Mülleimern liegen – nur fünf Prozent konsumieren ihren Kaffee to go. Quelle: dpa
Sowohl die präferierte Art des Urlaubens von Pauschalreise über Wandern bis cluborientiertem Familienurlauben sagt kaum etwas aus über die Häufigkeit, mit der wir Kaffee trinken. Ebenso wenig, ob wir in der Stadt wohnen, in städtischen Randlagen oder Feriengebieten, ja selbst in Gewerbegebieten heißt es: mehr als 60 Prozent nutzen eine Filterkaffeemaschine, es folgen Kaffeepadmaschinen mit rund neun Prozent je nach Wohnlage und Espressomaschinen mit integriertem Mahlwerk mit rund acht Prozent, so die Analyse von Statista. Quelle: dpa/dpaweb

Junge Menschen in kleinen Städten schöpfen sehr viel Lokalpatriotismus daraus, dass sich Geschäfte und Gastronomie mit bekannten Namen in ihren niedlichen Städtchen ansiedeln. "Ey! Bei uns gibt es jetzt auch ein Vapiano." Motto: Unser Kaff gehört jetzt mit dazu. Endlich kann man wieder ein bisschen mehr von dem konsumieren, was man bislang nur aus Werbespots auf Pro Sieben oder aus der Shopping Mall im nächstgelegenen Oberzentrum kannte. Für viele Kleinstädter ist ein eigenes McDonald's im Ort das kribbeligste Weltstadt-Lebensgefühl ever.

Die Bevölkerung in der Provinz sollte ihre Lage weniger unterwürfig betrachten. Zumindest in zwei Punkten leben sie besser als die Großstädter:

1. Stichwort frische Luft

2. und das ist der Punkt, auf den ich hinaus will: Die Provinz erreichen nur die wirklich bewährten Moden.

Was Sie noch nicht über Kaffeetrinker wussten
Signature-Latte-Art-Kaffe Quelle: dpa
Im Jahr 2011 lag der Pro-Kopf-Verbrauch nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes bei 149 Litern. Und die Aral Kaffee-Studie zeigt, dass in den vergangenen zwölf Monaten die Lust auf die aromatischen Bohnen weiter gestiegen ist. 75 Prozent aller Befragten gönnen sich täglich Kaffee – 2 Prozentpunkte mehr als 2011. Quelle: dpa
Noch immer die klare Nummer eins, aber der Vorsprung bröckelt: Bevorzugt kochen Deutsche den Muntermacher mit einer klassischen Kaffeemaschine. Allerdings schrumpfte der Anteil von 40 auf nun 37 Prozent. Damit setzt sich der Wandel bei der Zubereitung des Kaffees in den eigenen vier Wänden fort, denn nach Erhebungen des Deutschen Kaffeeverbandes sank 2011 der Verbrauch von klassischem Filterkaffee um 1,1 Prozent. Nutznießer dieser Entwicklung sind laut der neuen Aral Studie Pad-Maschinen. Ihr Anteil stieg um 4 Prozentpunkte von 19 auf 23 Prozent. Sie versprechen im Vergleich zur konventionellen Kaffeemaschine eine größere Auswahl an Geschmacksrichtungen, mehr Frische und Bequemlichkeit. Die Marktanteile verschieben sich fast nur zwischen Pad-Systemen und der klassischen Kaffeemaschine. Quelle: dpa
Im Geschlechtervergleich liegen die Männer (74 Prozent tägliche Kaffeetrinker) leicht hinter den Frauen (77 Prozent). In den verschiedenen Alterssegmenten zeigen sich gravierende Unterschiede. 85 Prozent aller Befragten in der ältesten Gruppe ab 46 Jahren trinken täglich Kaffee, in der mittleren Altersgruppe zwischen 36 und 45 Jahren 81 Prozent. In der jüngsten Vergleichsgruppe im Alter von 18 bis 35 Jahren sind es nur noch 63 Prozent. Quelle: obs
Eindeutige Unterschiede zeigen sich im Vergleich zwischen dem Kaffee in den eigenen vier Wänden und dem Coffee-to-go: Kaffeespezialitäten wie Cappuccino, Milchkaffee, Latte Macchiato oder Espresso spielen bei der häuslichen Zubereitung mit 7 Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Beim Coffee-to-go schnellt dieser Anteil auf 21 Prozent hoch – Platz zwei hinter Kaffee mit Milch und Zucker (29 Prozent). Vor allem Frauen gönnen sich beim Coffee-to-go den besonderen Genuss. 28 Prozent entscheiden sich bevorzugt für eine Spezialität, bei den Männern nur 12 Prozent. Quelle: dapd
Ein größerer Komfort animierte in der Vergangenheit auch immer mehr Kunden zum Kauf eines Vollautomaten, doch scheint der Markt gesättigt zu sein: Die technisch anspruchsvollen und vergleichsweise teuren Maschinen verlieren unter den Studienteilnehmern einen Prozentpunkt von 18 auf 17 Prozent. Alle anderen Zubereitungsarten in den eigenen vier Wänden stagnieren auf niedrigem Niveau: Sowohl Kapsel- Maschinen (8 Prozent), löslicher Kaffee (7 Prozent) oder die Handbrühung (4 Prozent) haben zwar eine treue Anhängerschaft, können aber keine Marktanteile hinzugewinnen. Quelle: dapd
„Black is beautiful“ gilt nur noch für jeden fünften Kaffeetrinker: Nur 21 Prozent der Befragten bevorzugen ihren Kaffee zu Hause schwarz. Das Alter beeinflusst, wie oft die Standardvariante getrunken wird. Nur noch 17 Prozent der 18- bis 35-Jährigen greifen zum schwarzen Kaffee, bei den über 46-Jährigen sind es 27 Prozent. Bei  ihnen steht die unkomplizierte Variante sogar ganz oben auf der Beliebtheitsskala, während die Jüngsten einen Kaffee mit Milch und Zucker (37 Prozent) bevorzugen. Schwarzer Kaffee ist eher ein Getränk von Männern (24 Prozent) als von Frauen (19 Prozent). Über alle Vergleichsgruppen hinweg ist der Kaffee mit Milch und Zucker (28 Prozent) das beliebteste Getränk. Quelle: dpa
Nichts ist schlimmer als kalter Kaffee? Doch – seit Stunden warmgehaltener Kaffee toppt dieses Geschmackserlebnis mühelos. Ob zu Hause oder beim Coffee-to-go: Frische ist ein wichtiges Argument für die Kaufentscheidung, beim Außer-Haus-Getränk schauen die Deutschen sogar stärker auf die Qualität als auf den Preis. Quelle: AP
Kaffee gehört für viele Deutsche so selbstverständlich zum Arbeitsalltag wie der Computer zum Büroangestellten oder die Kelle zum Maurer. Für 30 Prozent der Studienteilnehmer gilt das nicht nur für die Arbeitszeit, sondern auch für die beruflich bedingten Fahrten. Sie kaufen sich auf der Fahrt zur Arbeit oder auf dem Weg in den Feierabend einen Coffee-to-go. Mit 36 Prozent liegen Männer dabei eindeutig vor den Frauen (26 Prozent). Quelle: Fotolia
Nur 3 Prozent aller in Deutschland verkauften Kaffeebohnen stammen aus nachhaltiger Produktion. Der Deutsche Kaffeeverband verzeichnete im Jahr 2011 ein Wachstum um knapp einen Prozentpunkt. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass Nachhaltigkeit beim Gesamtverbrauch an Bedeutung gewinnen dürfte. Immerhin 22 Prozent der Befragten geben an, dass sie auch zu Hause nachhaltigen Kaffee verwenden (plus 2 Prozentpunkte gegenüber 2011). Der Wissensstand hat sich in den vergangenen zwölf Monaten nicht verändert: 80 Prozent der Befragten kannten mindestens ein Siegel für nachhaltigen Kaffee. Quelle: AP
Die Zahl der Kaffee-Abstinenzler hat sich minimal erhöht: 7 Prozent der Befragten trinken nie Kaffee. Vor einem Jahr waren es noch 6 Prozent. Quelle: Fotolia

Viele Trends schaffen es nicht bis in die Provinz

In Dorfstädten wie Ottersweier, Eckernförde oder Hückeswagen wird man mitunter für immer von so manchem neuen Trend verschont, der gerade noch aus New York oder Tokio nach Europa geschwappt ist. Zum Glück! Denn oft ist dieser Trend zu Recht schon tot, bevor er es aus den Metropolen wie Berlin und Hamburg über die mittelgroßen Städte wie Göttingen, Karlsruhe und Erfurt bis in die kleinen Nester schafft.

Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist der Bubble Tea. Beim besten Willen! Glitschige Geleebällchen in Neonfarben durch einen Strohhalm in den Hals saugen, dass man bei jedem zweiten Schluck fast brechen muss. Diese infantile Kariessuppe MUSSTE hier floppen. Dennoch schossen Bubble Tea Shops in den deutschen Metropolen aus dem Boden wie nichts Gutes. Und machten teilweise so schnell wieder pleite, dass zwischendrin kaum einmal feucht durchgewischt werden musste.

Auf dem Lande bekamen viele von diesem weltweiten Brimborium gar nichts mit. Die deutsche Provinz steht eben komfortabel am Ende einer langen Filterkette.

Apropos Filter: Nun kommen die neuen Kaffeetrends und die Versuchskaninchen sind wieder die in den Metropolen.

Cappuccino mit weniger Luft im Schaum

Der neueste Schrei: der Flat White. Auf der anderen Seite der Welt trinkt man ihn schon seit Jahrzehnten. In Australien ist er ein wirklich alter Hut. Hier bei uns nun MUSS er auf die Karte, sonst gucken die Hipster blöd.

Ein Flat White ist eigentlich der stärkere, flache (flat) Bruder des Cappuccinos (der mit der über den Tassenrand ragenden Milch-Kaputze). Denn die Milch wird beim Cappuccino mit viel mehr Luft aufgeschäumt. Und viel Luft im Schaum ist - das schreiben wir uns am besten alle hinter die Ohren, wenn wir uns in Berlin nicht lächerlich machen wollen - viel Luft ist OUT. Viel Luft im Schaum, das ist sowas von 2014. Altbackener geht es nimmer! Außer in Bielefeld. Dort fragte mich jüngst eine Kellnerin: "Den Cappuccino mit Milchschaum oder Schlagsahne?" Geil! Da gab es ihn noch: den deutschen Cappuccino. Wie damals im alten Jahrtausend. Mann, wie die Zeit im Kaffeebusiness vergeht. Naja.

Der Flat White wird bleiben

Der Flat White ist also ein kräftiger Cappuccino mit fast flüssigem Schaum. Und in unseren Metropolen wird der sogar schon in Privathaushalten stolz serviert: "Hier. Extra feinporiger Schaum." Wenn Sie nicht wissen, was Sie dem Gastgeber darauf antworten sollen, lobhudeln Sie einfach: "Kompliment! Grandiose Textur." Dann sind Sie im Boot.

Gestatten Sie mir die Prognose: Der Flat White wird noch dieses Jahr sämtliche deutsche Städte bis runter auf 200.000 Einwohner erreichen und wird spätestens 2016 die Provinz vollends durchdringen. Wir werden ihn das kommende Jahrzehnt über auf allen Karten über den Köpfen der Kaffee-Kassiererinnen finden. Der Flat White ist gesetzt.

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