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Werner knallhart

Lebkuchen im September: Stellt euch nicht so an

Jedes Jahr im Spätsommer die gleiche kollektive Empörung: Im Supermarkt liegen ja schon wieder Weihnachtsplätzchen! Tun das die Supermärkte, weil die Marktleiter die Kunden hassen? Oder gar, weil die Kunden das Zeug kaufen? Ein Zwiegespräch.

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Schon jetzt stehen die ersten Lebkuchen in den Supermarktregalen. Quelle: dpa

Neulich kam es zwischen einem befreundeten Kollegen und mir bei einem zur Jahreszeit passenden leichten Weißwein zu folgendem Dialog:

"Gestern war ich Essen einkaufen, da stehen wieder überall Lebkuchen und diese klebrigen Klötzchen. Wie heißen die nochmal?", fragte er.
"Dominosteine", antwortete ich.

Es ist soweit: Das Lebkuchen-im-Sommer-Gemoser geht wieder los. Im Büro, in der Kneipe, bei Fernsehumfragen. Das hat ja mittlerweile einen festen Platz im Spätsommer - so wie das Gejammer über ausgefallene weiße Weihnachten im Dezember, obwohl in Deutschland nun mal Januar und Februar die Schneemonate sind. Menschen, die sich über Lebkuchen im Supermarkt aufregen, lästern auch über Tomatensaft im Flugzeug.

Mein Kollege war empört. "Idas nicht ein Witz? Wollen die uns Weihnachten versauen?"
Ich sehe das anders. Ich habe zum Beispiel keinen Hund. Und rege mich trotzdem nicht auf.

Das verstand mein Kollege überhaupt nicht. Also versuchte ich mich an einer Erklärung.


Wenn ich in den Supermarkt gehe, komme ich regelmäßig am Gang mit dem Tierfutter vorbei. Obwohl ich kein Hundenassfutter, Katzenklogranulat oder Hamsterstreu brauche. Ich mag auch keinen Schmierkäse mit Schinkengeschmack, Schaumwein mit Pfirsicharoma, Kartoffelsalat aus dem Eimer, Luftschokolade oder Mett. Den Geschäftsführer würde ich trotzdem nicht rufen. Stattdessen kaufe ich es einfach nicht. Zigaretten, Nagellackentferner, Tampons - lasse ich alles links liegen, ohne zu maulen.

"Aber Lebkuchen heißt Weihnachten", meinte mein Kollege, "und Weihnachten ist im Dezember. Das ist doch Tradition."

Tradition. Ich spürte, wie mir langsam der Ruhepuls entglitt: Überließ mein Kollege Aldi die Pflege unserer Traditionen? Prägte Rewe sein Weltbild?
"Ich möchte nicht, dass ein Supermarkt mein Tagesgefühl konterkariert. Das ist einfach ein blödes Einkaufserlebnis."
"Dann bestell dein Essen halt im Internet."

Lebkuchen am Strand

"Aha, jetzt kommst du ins Rudern. Denn Recht braucht Unrecht nicht zu weichen. Müssen sie uns den ganzen Kram denn wirklich auf Paletten brusthoch in den Weg stellen? Stell dir mal vor: mitten im Gang tonnenweise Mett!"
"Lebkuchen sind Saisonware. Kein Platz im Lager. Da muss ein großer Teil direkt auf die Verkaufsfläche. Statt Grillkohle und den Sixpacks mit Feige-Litschi-Birne-Radler.

Hinter welchen Deklarationen sich Zucker verbirgt
Süße Lebkuchen, kandierte Nüsse, Plätzchen mit Zuckerguss, leckere Stollen: In der Weihnachtszeit wird gerne und viel genascht. Gerade über die Feiertage essen die meisten mehr als sie eigentlich wollen und kämpfen dann mit Magenproblemen und Hüftgold. Wer unnötigem Zucker aus dem Weg gehen möchte, sollte allerdings genau hinsehen. Der kann sich nämlich hinter zahlreichen Begriffen verbergen. Quelle: dpa/dpaweb
Der für häufigste Zucker ist der Haushaltszucker oder Saccharose. Ihn gibt es in braun und weiß, als Puderzucker, Hagelzucker, Kandis, Gelierzucker oder Vollrohrzucker, Puderzucker. Gewonnen werden all diese Arten aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr. Quelle: dapd
Im Haushaltszucker stecken zwei Zuckerarten drin, zum einen Fruchtzucker (Fructose), zum anderen aus Glukose beziehungsweise Traubenzucker (Dextrose). Laut der Foodwatch-Ernährungsexpertin Astrid Gerstemeier können sich der Zucker deshalb auch als "Glukose-Fruktose-Sirup" oder "Invertzucker" tarnen. Quelle: dpa
Auch in Milch- und Milchprodukten ist eine Zuckerart enthalten. Der Milchzucker Laktose ist eine Verbindung aus Glukose und Galaktose. Quelle: dpa/dpaweb
Hinter dem Begriff "Maltose" verbirgt sich ebenfalls ein Zucker. Der Malzzucker ist eine Glukose-Verbindung. Quelle: AP
Zuckeraustauschstoffe und Süßungsmittel, die hauptsächlich in Light- oder zuckerfreien Produkten vorkommen, sind ausnahmslos deklarationspflichtig und somit beim Einkauf erkennbar. Zu ihnen gehören unter anderem Aspartam, Cyclamat, lsomalt (E 953), Laktit (E 966), Malit (E 965), Mannit (E421), Saccharin Sorbit (E 420) und Xylit (E 967). Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe sind allerdings nicht dasselbe: Die Austauschstoffe sind süß schmeckende, zahnfreundliche Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel kaum belasten, dafür aber Kalorien liefern. Süßstoffe sind Ersatzstoffe für Zucker, die sehr wenige Kalorien liefern, dafür aber süßer sind als Zucker. Quelle: AP

Lebkuchen im September ist eben was für Genießer. Jetzt ist das Weihnachtsgebäck noch richtig frisch. Und stell jetzt mal eine große Platte mit Lebkuchen ins Großraumbüro. Die erste Reaktion: Was, jetzt schon? Zweite Reaktion: Naja, aber wenn die Dinger einen so anlachen. Und in einer halben Stunde ist der Weihnachts-Teller ratzeputz leergefuttert, als wäre die komplette Belegschaft aus der Kirche ausgetreten. Aber mein Freund fand was pervers.

"Verstanden. Planst du mal wieder Urlaub?"
"Jepp, Ende November. Zwei Wochen Thailand. Schön ins Warme. Der Kälte entfliehen."
"Pervers."
"Wie bitte?"
"Ist Winter nicht die kalte Jahreszeit und sollte es auch bleiben? Mit Bratäpfeln, Kuscheln auf dem Sofa, Kamin an, ein gutes Buch? Ist im Meer zu baden im November nicht irgendwie verkehrte Welt?"
"Du warst doch selber im letzten Januar in Thailand."

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"Stimmt. Und weißt du, was wir in Tegel am Flughafen gekauft haben? Eine Dose mit feinsten Elisenlebkuchen. Fünfzig Prozent reduziert, weil Saison vorbei. Und die dann schön am Strand bei 32 Grad. Weich und klebrig von der Hitze. Wie frisch gebacken."

Mein Kollege wollte es nicht zugeben, aber er war den kurzen Rest des Abends doch ziemlich schlecht gelaunt. Weil er mich nun nicht nur für pervers, sondern auch noch für einen Lügner hielt. Dabei ist die Geschichte wirklich wahr.

Mit einer Einschränkung: Wir haben die Elisenlebkuchen nicht alleine aufgegessen, sondern haben sie geteilt. Mit dem Personal an der Hotelrezeption. Die waren hin und weg. Solch einen leckeren Kuchen bekommen ideologisch unbelastete Buddhisten problemlos ganzjährig runter. Das fehlt ja noch, dass die mit Lebkuchen bis Weihnachten warten.

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