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Werner knallhart

Black Friday und Cyber Monday sind schlecht fürs Herz

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Oberste Regel: Nicht mit der unverbindlichen Preisempfehlung vergleichen

Verbraucherschützer kritisieren vor allem einen Rabatttrick. Den unsäglichen Vergleich mit der „unverbindlichen Preisempfehlung“ (UVP). Der ist nicht nur unfair, der geht auch auf die Pumpe.
Beispiel: WMF Classic Line Messerblock als „Angebot des Tages“ in der Cyber-Monday-Woche für 44 Euro 99. Amazon gibt an: 68 Prozent Rabatt. Wow! Wann gibt es schon mal knapp 70 Prozent?
Aber: Durchatmen! Amazon legt hier unfreundlicherweise die unverbindliche Preisempfehlung zugrunde. 139 Euro!

Ich habe mal geguckt: Außer dem Hersteller WMF selbst ruft kein Händler diesen, ja, krassen Preis auf. Auf gut einem Dutzend Seiten von Online-Shops war der Messerblock zu Preisen zwischen 60 und 90 Euro zu haben. Damit wäre der Messerblock bei Amazon zwischen 25 und 50 Prozent billiger. Amazons Preis ist also immer noch unschlagbar. Aber eben kein Wahnsinns-Rabatt von 68 Prozent zum sonst üblichen Preis, sondern zu einem völlig unüblichen Preis, dieser fiesen Augenwischerei namens „unverbindliche Preisempfehlung“, die aus Stuhl gefühlt Gold macht. Mittlerweile ist besagtes Cyber-Monday-Wochen-Angebot bei Amazon abgelaufen. Nun kostet der Messerblock 74 Euro 09. Und eben nicht 139 Euro. Zu den jetzt 74 Euro bedeuteten die 45 Euro einen Rabatt von gerade mal 39 Prozent. Was für eine Adrenalinverschwendung!

Rabattvergleiche mit der UVP sind also kundenunfreundliche Schnäppchenkosmetik. Das passt nicht zu Unternehmen, die bei Kundenfreundlichkeit punkten wollen. Weder online noch in der Fußgängerzone. Aufschlussreich ist allein der Vergleich mit
a. dem eigenen sonst verlangten Preis oder
b. dem marktüblichen Preis bei der Konkurrenz.

Wer also wirklich wissen will, wie viel er bei Amazon spart, der gehe etwa auf Seiten wie den Preis-Tracker camelcamelcamel.com. Der Service vergleicht Amazons Angebote mit den Preisen der Konkurrenz. Der Clou der Site ist aber der Vergleich mit dem vorher bei Amazon üblichen Preis, obwohl Amazon den bei seinen Rabattaktionen selbst verbirgt. So sagt die Website etwa, besagter Messerblock habe vor der Rabatt-Aktion sogar nur knapp sechzig Euro gekostet.

Noch schwieriger für aufgepeitschte Schnäppchenjäger wird es bei durchgestrichenen Preisen im Laden auf der Straße. Die Rotstiftpreise, die oftmals auch an der UVP ansetzen. Wenn dann tief im Bauch der Warenhäuser noch nicht einmal Handyempfang ist, wie soll man da vergleichen? Da wird einem doch der Rücken nass.

Aber es geht auch nervenschonend. Beispiel Wormland (sprich tatsächlich Wormland, und nicht etwa Wörmländ, denn der Klamottenhändler für Männer kommt aus Hannover): Wormland schwingt im Laden nicht den roten Edding, sondern gibt drei Rabattgutscheine zwischen zehn und 20 Prozent aus, die während der Black-Friday-Saison für alle Artikel gelten. Sogar für bereits reduzierte Kleidungsstücke. Das sind zwar keine schillernden 68 Prozent, aber es ist fair und transparent.

Übrigens: Während ich das hier schreibe, läuft bei Amazon der Countdown auf null - für ein Superknaller-Angebot für ein Santoku-Messer. UVP: 129 Euro 99. Cyber-Monday-Wochen-Preis: 16 Euro 99. Ersparnis nach Amazon-Logik: unfassbare 87 Prozent. Wird es das in diesem Leben nochmal geben??? Leute!
Zack, vorbei. Und schon steht da der neue Dauerpreis ohne Cyber: 29 Euro 99. Meine Nerven! Für was, für was?

Es gibt eine Gegenbewegung zu Black-Cyber-Schnäppchen: Den Kauf-nix-Tag. Der fällt nicht zufällig auf den Black Friday. Und ich bin mir nicht sicher, ob er von Konsumverweigerern ins Leben gerufen wurde oder von Herzspezialisten.

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