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Werner knallhart

Silvester und Neujahr: Die 48 Stunden des Party-Grauens

"Was macht ihr an Silvester?" Allein schon diese Frage macht einen ab Ende November nervös. Aber der Erfolgs-Druck, ausgerechnet an diesem letzten Abend des Jahres irgendetwas Besonderes zu erleben, ist nichts gegen die dösige Tristesse zu Beginn des neuen Jahres.

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großes Feuerwerk in Frankfurt am Main (Hessen) auf dem Holbeinsteg Quelle: dpa

Angefangen hat damals alles im Partykeller der Nachbarn - mit der Bar aus Kiefernholz, Doppeldeck-Radiorekorder im Regal hinterm Tresen, in die Arbeitsplatte eingelassene Zapfanlage mit HSV-Wimpel, Spülbecken mit Bierglasbürste und Kühlschrank mit Pril-Blumen. In den 80er-Jahren. Alles voller Luftschlangen.

Damals lernten wir Kinder, wie Fröhlichkeit nach Zeitplan funktioniert. Um 19 Uhr kamen wir mit der ganzen Familie an und bekamen prompt jeder einen Partyhut zugesteckt, den wir uns alle mit dem Gummizug auf den Schädel spannten. Wir Kinder durften dann bis zum gemeinsamen Abendessen mit diesen Tröten spielen, deren eingerollter Vorbau aus Papier sich beim Hineinblasen nach vorne entfaltet und aufbläht. Aber nach rund zwanzig Minuten war das Papier an der Falz zwischen Plastiktröte und Rolle schon derart durchgesabbert, dass die Dinger in der Ecke landeten.

Gegen 20 Uhr gab es Abendessen: Party-Frikadellen, Party-Würstchen, Party-Gürkchen, Mixed Pickles, Käseigel, Eiersalat mit Presskochschinken-Würfeln und Dosenmandarinen, Ketchup aus der großen Partyflasche, Chips ungarischer Art aus der Partytrommel, Toffifee, Treets und Tortenboden belegt mit Bananenscheiben und Schattenmorellen aus dem Glas.

Die häufigsten Verletzungen mit Feuerwerkskörpern

Silvester - das ist Druckbetankung und Böllerterror

Danach bis 22 Uhr lustiges Beisammensein. Von der Kassette krachte "Gib mir bitte einen Kuss" von Helga Feddersen , "Der Nippel" von Mike Krüger und "Polonaise Blankenese" von Gottlieb Wendehals. Für die Erwachsenen dabei Druckbetankung mit Bier, Korn und Faber Sekt, für die Kinder Druckbetankung mit Orangenlimo und ausnahmsweise River Cola, weil wir ja lange aufbleiben durften.

Dann Bleigießen. Ich weiß nur noch, dass ich damals was hatte mit einem langen Hals oder Ast oder so. Die Erwachsenen lachten sehr.

Ab rund 23 Uhr Kampf gegen den Schlaf, 23 Uhr 55 hektisches Sektglasverteilen unter den Großen. Ab 0 Uhr draußen Böllerterror mit Ohren zuhalten, bis die Arme schmerzten, dann nochmal rein, im Halbschlaf rumlungern bis halb zwei und ab nach Hause. Hach! Für uns Kinder war das damals einfach ein wunderbarer Rutsch ins nächste Jahr! Unsere erste richtige Party! Ein schöner Traum.

Die beliebtesten Sektmarken der Deutschen
Die Sektbranche wird derzeit kräftig von Mixgetränken à la Hugo, Spritz und Co. aufgemischt. Die prickelnden, oft etwas süßeren und leichteren Varianten haben dem Klassiker 2014 Konkurrenz gemacht. „Wir hatten bei den schäumenden Getränken eine kleine Delle nach oben, der klassische Sekt hatte eine kleine Delle nach unten“, resümiert der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Sektkellereien, Ralf Peter Müller, mit Blick auf die Zahlen bis Oktober. Die umsatzstärksten Monate sind demnach in dieser Rechnung noch nicht enthalten. Darüber hinaus sollten die Trendgetränke der Beliebtheit verschiedener Sektmarken keinen Abbruch tun können. Das Ifak Institut hat im Rahmen der Verbrauchs- und Mediaanalyse VuMA 2014 "Was konsumierst Du?" die beliebtesten Marken ermittelt... Quelle: dpa
Platz 10Auf Platz zehn liegt Jules Mumm. Die Godefroy H. von Mumm & Co. Sektkellereien GmbH gehört seit 2002 zur den Rotkäppchen Sektkellereien. Die Marke entstand 1852 durch die Aufspaltung des Unternehmens Champagnerkellerei P.A. Mumm in G.H. Mumm und Jules Mumm. Quelle: Screenshot
Fürst von Metternich Quelle: dpa
Platz 8/7Die verschiedenen Sekt-Sorten, die unter dem Namen Faber-Sekt verkauft werden, stammen aus dem Schloss Wachenheim Konzern. Das Unternehmen, das 1888 gegründet wurde, hat seinen Stammsitz in der pfälzischen Stadt Wachenheim an der Weinstraße, die Konzernzentrale und Hauptproduktionsstätte befindet sich in Trier. Das heutige Unternehmen entstand 1996 durch die Verschmelzung der Sektkellerei Schloss Wachenheim AG mit der Trierer Sektkellerei Faber GmbH & Co. KG. Quelle: Pressebild
Henkell Trocken Quelle: dpa
Platz 6Die Sektkellerei Söhnlein gibt es seit 1864 - gegründet wurde sie von Johann Jakob Söhnlein. Heute gibt es Söhnlein als Medium Dry, Rosé , Alkoholfrei und auch Rosé Alkoholfrei. Den Kunden schmeckt der Klassiker Söhnlein Brillant allerdings am besten - er schafft es auf den sechsten Platz der Beliebtheitsskala. Quelle: Screenshot
Platz 5Den fünften Platz beim Beliebtheitsranking nimmt der Sekt von Aldi ein. Sekt und Champagner aus Discountern haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass sie bei Tests gut abschneiden. Besonders das Preis-Leistungsverhältnis stimmt bei den oft unbekannteren Marken aus den Discountern. Quelle: dapd

Silvester ist auch nicht mehr, was es mal war

Heute weiß ich: Ich kann dieses fantastische Silvestergefühl seitdem nicht mehr herstellen. Es klappt einfach nicht. Ich habe als Erwachsener alles versucht, es zu erzwingen:

1. Während des Studiums gemeinsame Druckbetankung in der WG-Küche. An Neujahr dann Fernsehen mit Schüttelfrost und mit Eimer neben dem Sessel.

2. Luftschlangen, Bleigießen, Polonaise bei Bekannten. Der Blick in den Badezimmerspiegel war so demütigend: Dieser verdammte Partyhut mit Gummizug!

3. Silvester in der Disco: Wie hatten die den Sekt bloß so warm gekriegt?

Arbeiten statt unproduktiver Rückzug

4. Gemeinsam gemütlich kochen mit Leuten, die gemeinsam gemütlich kochen super unsilvesterig finden. Ab dem Tiramisu das einzige Thema: Wer trifft wen gleich wo zu Feuerwerk und Party? Die Smartphones glühen. Weil die einen treffen sich vorher mit jenen und gehen dann kurz noch bei anderen vorbei und nicht dass dann um Mitternacht das Handynetz überlastet ist und es war doch eigentlich was anderes besprochen und der Dingens meldet sich jetzt gar nicht mehr und was denn nun sei? Prost!

5. Um 23 Uhr mit Ohropax ins Bett

Zehn Karrieretipps, die Sie 2015 weiterbringen
Setzen Sie sich realistische ZieleDie Personalberatung Page Personnel rät Arbeitnehmern, die Tage zwischen den Jahren für eine sachliche Bestandsaufnahme zu nutzen: Was haben Sie in den vergangenen Jahren erreicht? Wo möchten Sie sich hin entwickeln? Und wie viele Schritte können Sie 2015 realistisch schaffen auf dem Weg zu Ihrer Wunschposition? Überlassen Sie Ihre Karriere nicht dem Zufall, sondern setzen Sie sich klare Ziele für 2015. Notieren Sie, was Ihnen im Berufsleben wichtig ist. So haben Sie den Blick auf das Wesentliche gerichtet und lassen sich nicht aus der Spur bringen. Quelle: Fotolia
Suchen Sie sich neue PerspektivenManchmal ist die Zeit reif für einen Jobwechsel. Nutzen Sie die Chance, um in alle Richtungen zu denken. Wollen Sie in Ihrem jetzigen Arbeitsfeld bleiben? Möchten Sie vielleicht in einer anderen Branche arbeiten? Oder gar ins Ausland gehen? Überlegen Sie, auf welche Branche sich Ihre Kompetenzen und Erfahrungen übertragen lassen. In ähnlichen Marktsegmenten stehen Ihre Chancen gut, eine neue Herausforderung zu finden. Oder vielleicht reizt Sie der Wechsel von Kunden auf Lieferantenseite? Egal wie Ihr Weg aussieht, jede Karriere hat ihr eigenes Profil. Quelle: Fotolia
Bringen Sie Ihren Lebenslauf auf VordermannBevor Sie sich jedoch irgendwo bewerben, bringen Sie erst einmal Ihren Lebenslauf auf den neuesten Stand: Was haben Sie geleistet, was waren Ihre größten Erfolge, was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal? Da die Jobsuche - wie alles andere auch - zunehmend mobiler wird, sollten auch die Lebensläufe auf die Smartphone-Bewerbung umgestellt werden. Was früher im Anschreiben erklärt wurde, geht verkürzt in den Lebenslauf über. Bewerber sollten unter den einzelnen Karrierestationen beschreiben, was sie dort gemacht haben und Erfolge hervorheben. Wichtig ist, dass der Lebenslauf dabei nicht ausartet – die Punkte sollten kurz, klar und übersichtlich aufgeführt werden. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Suchen Sie sich einen MentorViele Firmen bieten heute bereits Mentorenprogramme für Berufseinsteiger an. Aber auch auf dem weiteren beruflichen Weg ist es wertvoll, einen Karrierecoach im Unternehmen zu haben. Gehen Sie aktiv auf Ihren Wunschmentor zu, zum Beispiel mit konkreten Handlungsvorschlägen. Viele Manager nehmen solche Kontaktangebote dankbar an, um ihre Verbindung zur Belegschaft zu stärken. Überlegen Sie, wie Ihr Mentor von Ihnen profitieren kann und was Sie ihm anbieten können. Im Gegenzug wird er Sie bei Ihrer Karriereplanung unterstützen. Quelle: dpa Picture-Alliance
Bilden Sie sich weiterIn der heutigen Arbeitswelt ist kontinuierliches Lernen Pflicht. Hier gilt der Grundsatz: Wer rastet, der rostet. Selbst erfahrene Fach- und Führungskräfte bilden sich permanent weiter. Dabei kann eine richtig ausgewählte Weiterbildung den nächsten Schritt auf der Karriereleiter bedeuten: Sie signalisiert dem Arbeitgeber Leistungsbereitschaft und Erfolgswillen und kann je nach Branche neue Beschäftigungsmöglichkeiten oder ein höheres Gehalt eröffnen. Bei Ingenieuren beispielsweise profitieren diejenigen, die gleichzeitig technisches und betriebswirtschaftliches Know-how mitbringen. Für viele Ingenieure werden daher berufsbegleitende IHK- oder MBA-Lehrgänge immer interessanter, die in Rechnungswesen und Controlling, Management und Marketing schulen und gezielt auf Führungsaufgaben vorbereiten. Quelle: Fotolia
Verhandeln Sie Ihr Gehalt neuBereiten Sie das Gehaltsgespräch mit Ihrem Vorgesetzten fundiert vor. Arbeiten Sie im Vorfeld klar heraus, welchen Beitrag Sie zum Erfolg des Unternehmens leisten. Welche Argumente rechtfertigen Ihren Gehaltswunsch: Haben Sie mehr Personalverantwortung übernommen? Ihren Aufgabenbereich erweitert? Umsatzziele übertroffen oder Projekte erfolgreich abgeschlossen? Vor dem Gespräch sollte Sie für sich die Höhe Ihres Gehaltswunsches definieren. Bedenken Sie, dass die Zahl, die Sie nennen von Ihrem Gegenüber als Verhandlungsbasis aufgefasst wird. Prinzipiell gilt: je besser Sie vorbereitet sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass Ihr Vorgesetzter Ihnen eine Gehaltserhöhung bewilligt. Quelle: Fotolia
Bauen Sie Ihr Netzwerk ausMachen Sie sich zunächst Ihr vorhandenes Netzwerk bewusst. Dann überlegen Sie, wie und in welche Richtung Sie es ausbauen wollen. Networking ist allerdings deutlich mehr, als wahllos Kontakte zu horten. Richtiges Netzwerken ist ein konstantes Geben und Nehmen. Werden Sie sich daher über Ihre Stärken klar und vermarkten Sie diese gewinnbringend. Quelle: Fotolia

Nichts hatte mich überzeugt. Aber es gelingt mir auch nicht, diesen letzten Abend im Jahr einfach zu ignorieren. Jedes Jahr sage ich mir: Ach, Silvester ist mir doch im Grunde Wurscht. Aber wenn ich einen guten Silvesterplan habe, fühle ich mich trotzdem wohler. Und dann ist mir wiederum Wurscht, dass ich mir Silvester dieses Jahr doch eigentlich wirklich Wurscht sein lassen wollte.

Naja, dieses Jahr die nächste Variante: Fondue mit zwei Leuten. Heute stellt sich raus: Der eine will später noch gemeinsame Freunde auf einer Party treffen, die andere findet Feuerwerk und Party zu laut.

Ich werde vermitteln müssen und habe mir überlegt: Ich schenke derart diszipliniert und unauffällig Wein nach, dass den beiden ab halb 12 sowieso alles völlig egal ist. Und dann entscheide ich kurzfristig alleine. Ha! Ich sehe uns um Mitternacht schon Scrabble spielen.

Was sich ab Juni für die Deutschen ändert
Mietpreisbremse Quelle: dpa
Bestellerprinzip Quelle: dpa
Gefahrhinweise auf Reinigungsmitteln Quelle: Uwe Völkner, Fotoagentur FOX
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Frauenquote Quelle: dpa
Energieausweis Quelle: ASSOCIATED PRESS

Ich würde an Neujahr gern arbeiten

Und egal wie: Alles plätschert wie immer aus in die große graue Stille. Der erste Januar. An keinem Tag des Jahres gucken die Deutschen mehr Fernsehen. Das beweisen die Einschaltquoten. Aber was soll man auch sonst machen? Auf den Straßen diese gespenstische Ruhe zwischen all den leeren Sektflaschen und dem nassen kratzigen Matsch aus Böllerpappe und Streusplit. Die Jahre in Mitteleuropa beginnen immer so saft- und kraftlos. Deutschland zieht sich kollektiv die Daunendecke über die Ohren und denkt sich: Und wieder zurück auf Los. Dabei geht doch alles geradewegs so weiter. Klinge ich deprimiert? Da sehen Sie mal, was allein der Gedanke an Neujahr in mir auslöst.

Neujahr sollte ein Arbeitstag sein. Ich würde am ersten Januar wirklich gerne arbeiten. Oh, das hätte so viele Vorteile. Wir würden an Silvester früher ins Bett gehen und folglich weniger saufen und weniger Geld mit Böllern verbrennen. Der graue Tag wäre endlich produktiv genutzt.

Handel



Die Fernsehsender würden ihre Blockbuster-Spielfilme nicht alle an diesem einen Tag rausballern, sondern wohl dosiert über das ganze Jahr.

Und wir dürften das ganze Leergut in die Container schmeißen und einen Nagel in die Wand hämmern, um den neuen Kalender aufzuhängen, ohne dass die Nachbarn über Ruhestörung meckern können.

Und der Feiertag, der am ersten Januar wegfällt, wäre als neuer Feiertag irgendwo im Sommer doch prima angelegt. Als geschenkter Urlaubstag in der Julisonne auf dem Balkon mit einem leckeren Eis in der Hand.

Mann, da ist das Jahr fast vorbei und da hatte ich tatsächlich noch eine gute Idee. Von mir aus kann 2015 jetzt kommen. Ich wäre soweit. Ich hoffe, Sie auch. Alles Gute fürs kommende Jahr!

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