Werner knallhart

Sparfüchse aufgepasst: Jetzt schnell nochmal Ostern feiern

Wer antizyklisch konsumiert, kann richtig Geld sparen. Dieser Tage sind Osterartikel meist mehr als 50 Prozent billiger als vor ein paar Tagen. Aber wie weit kann man gehen?

Ein Weihnachtsmann ist im Preis reduziert Quelle: dpa

Vor längerer Zeit habe ich in irgendeiner Talkshow bei irgendeinem Radiosender eine Geschichte aufgeschnappt, die konnte ich kaum glauben. Dabei wäre es eigentlich nett, wenn sie wirklich wahr wäre.

Ein Mann erzählte, er sei mit seiner Einkommenssituation nicht zufrieden. Denn er war, glaube ich, ein nicht verbeamteter Grundschullehrer, seine Frau Hausfrau und Mutter. Sie haben gemeinsam drei Kinder. Zwillinge in der Vorschule und ein Kleinkind. Da kann man sich kaum mal einen Urlaub leisten, sagte der Mann und damit das doch geht, spart er an allen Ecken und Kanten.

Sein größter Spar-Coup: Er hat seine Frau vor zwei Jahren tatsächlich dazu überredet, Ostern und Weihnachten nachzufeiern. Bitte was? Anfangs musste seine Frau bei dem Gedanken daran dann auch weinen.

"Sie fand erst, tiefer könne man nicht sinken", erzählte der Mann. Mittlerweile aber ziehe sie mit. "Wir sind beide längst aus der Kirche ausgetreten und feiern Ostern und Weihnachten eh nur des Feierns wegen. Da ist uns doch Wurscht, ob wir Bescherung am 24. Dezember machen oder am ersten Werktag danach. Sind doch eh Ferien. Und der Osterhase legt eben bei uns immer die letzte Schicht ein. Mittwoch nach Ostermontag. Und da sind wir sogar noch früher dran als das russisch-orthodoxe Christentum. Deren Kirchenkalender tickt ja noch nach dem julianischen. Und dieser Kalender hinkt unserem gregorianischen um 13 Tage hinterher." Die einzige mir bekannte Kirche mit Schnäppchen-Garantie, dachte ich. Es gab sie also doch, die eine den anderen Religionen überlegene.

Und dann begann der Mann mit den Vorzügen seiner nagelneuen Tradition:

"Ostereier, Schokohasen, Osterservietten, Weihnachtsbaumkugeln, Kerzen mit Schneeflocken-Applikationen. Du kriegst es alles fuffzig Prozent billiger. Und solange die Kinder noch an den Osterhasen glauben, glauben sie einem auch, dass der bis Mittwoch braucht, um mit dem Verteilen fertig zu werden. Für das an Ostern und Weihnachten gesparte Geld können wir schon einen Tag mit der ganzen Familie in den Vergnügungspark."

So gesehen. Der Moderator fragte: "Feiert ihr denn Silvester dann auch Anfang Januar? Wegen der billigeren Luftschlangen und so?"

Der Mann lachte: "Da hat meine Frau ihr Veto eingelegt. Sie hat wohl keine Lust, ins Gefängnis zu wandern, wenn wir vom zwoten auf den dritten Januar unser Feuerwerk zünden."

Ich hab das letzte Woche mal überprüft. Die Osterschokolade war wirklich spottbillig. Ich habe gleich eine Riesenpackung Niederegger Marzipan für fünf Euro statt zehn abgestaubt. Die Osterhasen waren ja nur vorne auf der Umverpackung. Aber denken wir die Philosophie des Mannes aus dem Radio mal weiter:

Wer im Januar Glühwein zu Schleuderpreisen abstaubt und einlagert und im Juli mit Eiswürfeln und reingeschnippelten Apfel- und Orangenscheiben serviert, serviert die billigste Sangria der Saison. Ist doch vernünftig. Heizöl kauft man schließlich auch am besten nach Ende der Heizsaison.

Wer bei strahlendem Sommerwetter ins Kino geht, erspart sich langes Anstehen an der Kasse. Das Gleiche gilt für die Autowaschstraße bei Regen.

Und antizyklisch konsumieren, kann auch richtig Spaß machen. Die kleine Revolution zum Einfach-mal-in-sich-Reinkichern. Grillen im Winter etwa. Auf allen Weihnachtsmärkten wird gegrillt, aber wir packen unsere Grills von Oktober bis April in den Keller.

Warum?

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