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Werner knallhart
Weihnachtsgebäck Quelle: dpa

Statt meckern: Spätsommerliche Rezepte mit Lebkuchen

Mensch! Jedes Jahr, wenn im September die Lebkuchen und Spekulatius in die Regale der Supermärkte kommen, regen sich Millionen von Deutschen auf. Dabei passen Zimt und Mandelkern wunderbar in den warmen Spätsommer.

Immer, wenn wir anderen uns Gewohnheiten und Lebensweisen aufstülpen wollen, müssen wir uns fragen: Warum eigentlich?

In unseren Breiten herrscht zum Glück ganz überwiegend Konsens, dass es nicht in Ordnung ist, anderen beim Vorbeigehen einfach so die Faust ins Gesicht zu schlagen. Solche Werte dürfen mit Verve aufgestülpt werden, dass es nur so ploppt.

Dann aber gibt es Leute, die bei belanglosen Geschmacksachen ihre eigenen Angewohnheiten über die der anderen stellen und andere Routinen verachten: Wer Weißweinschorle bestellt, habe keine Ahnung von Wein (Quatsch), wer Berliner Weiße trinkt, sei kein echter Berliner (der echte Berliner ist mittlerweile der zugezogene) und wer Weißwurst nach soundsoviel Uhr isst, muss ein Preuße sein (was für viele ein Kompliment ist).

Diese Lebensmittel sind wahre Zuckerbomben
Ein Mars-Schokoriegel... enthält wirklich sehr viel Zucker - umgerechnet 13 Stück Würfelzucker stecken in einem einzelnen Riegel. Die empfohlene Tagesmenge an Zucker für einen erwachsenen Menschen liegt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) übrigens bei rund acht Würfeln, also etwa 25 Gramm. Wir legen zugrunde, dass ein Stück Würfelzucker drei Gramm wiegt. Quelle: dpa
Eine Dose AnanasFangen wir damit an, was unbestritten dieser Frucht zugeschrieben werden kann: Sie ist ballast- und mineralstoffreich. Und sie soll gegen Entzündungen helfen und das Blut schneller fließen lassen. Das waren dann aber auch schon alle Vorteile: Denn gerade Ananas aus der Dose ist voller Zucker. Auf 100 Gramm kommen immerhin vier Stück Würfelzucker. Quelle: Fotolia
Ein Glas Cola... enthält 18 Gramm Zucker. Das entspricht etwa sechs Würfeln. Quelle: AP
Ein Glas Saft... gehört zu den größten Zuckerfallen. Alleine in 200 Millilitern Apfelsaft sind 20 Gramm Zucker enthalten. Quelle: dpa
Ein Glas Milch... scheint auf den ersten Blick gesund - und Milch hilft in der Tat sogar beim Abnehmen. Ein Forscher-Team der Ben-Gurion-University in Be'er Sheva hat herausgefunden, dass Menschen, die täglich 180 Milliliter Milch zu sich nehmen, schneller abnehmen Das liegt daran, dass Calcium und Vitamin D die Fettverbrennung ankurbeln. Nichtsdestotrotz sind auch in einem Glas Milch immerhin noch umgerechnet drei Würfel Zucker enthalten. Quelle: dpa
Fruchtzwerge-Packungen Quelle: ZB
Eine Flasche Ketchup... fasst insgesamt 43 Stück Würfelzucker - das entspricht 130 Gramm. Wussten Sie nicht? Vielleicht suchen Sie beim nächsten Grillen nach gesünderen Alternativen. Quelle: AP

So traut sich so mancher im Flugzeug nicht, Tomatensaft zu ordern, obwohl ihm über den Wolken danach gelüstet. Und das nur, weil der Tomatensaft an Bord irgendwie das Prädikat „peinliches Wenigflieger-Highlight“ abbekommen hat. Wobei sowohl wenig zu fliegen als auch Tomatensaft trinken (im Gegensatz zu Zuckercola) von wahrer Vernunft zeugt.

Und mit dieser Anmaßung, anderen seine eigenen Gewohnheiten und Traditionen aufstülpen zu wollen, erklärt sich auch der Lebkuchen-Knatsch.

Es gibt Zeitgenossen, die dem Handel einen Vorwurf machen: „Muss das sein, dass Sie den Menschen die Weihnachtszeit kaputt machen?“ Ach, Gottchen. Das ist so, als würde man BMW den Vorwurf machen: „Müsst ihr eure Autos so oft in Silbermetallic lackieren? Was ist mit meiner Lieblingsfarbe gelb?“

Der Handel bietet Lebkuchen im Spätsommer an, weil die Leute sich im Spätsommer nach Lebkuchen reißen. Und zwar mehr als in der Weihnachtszeit. Tatsache! Ein Drittel ihrer Einnahmen mit Weihnachtsgebäck erzielen Handel und Hersteller im September.

Denn im Advent backen die Leute ihre Kekse selber und kaufen weniger Fertiges. Und weil es ein Dreivierteljahr weder Lebkuchen, noch Zimtsterne, noch Spekulatius zu kaufen gab, freuen sich Millionen Kunden jetzt im September über die frischen Kekse. Sie freuen sich. Lasst sie sich freuen!

Es mag christliche Kindergärten und Schulen geben. Christliche Supermarktketten aber nicht. Der Handel ist deshalb auch nicht der Knecht Ruprecht der kirchlichen Traditionswahrer. Zum Glück!

Dass es Menschen gibt, die über Weihnachtsmärkte laufen und die Leute belehren, der Schokoweihnachtsmann müsse eigentlich ein Schokonikolaus sein, deshalb sei die auf der Alufolie aufgedruckte rote Zipfelmütze falsch, ist als schrullige Exzentrik genauso zu tolerieren, wie der Konsum von Lebkuchen völlig losgekoppelt von jedem christlichen Ansatz. Jeder darf mit seinen Weihnachtstraditionen machen, was er will. Ist das nicht schön? Und kann man seinen Nächsten lieben, wenn er im Sommer eine Marzipankartoffel isst? Ich meine ja.

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