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Werner knallhart

Waschen bei 60 Grad ergibt keinen Sinn

Es haben sich unter uns als Kunden, Käufern und Verbrauchern Marotten eingeschlichen, die darf man nicht hinterfragen, sonst blamieren wir uns. Ach egal, hinterfragen wir sie mal. Hier die schlimmsten fünf Alltags-Tricks aus Sicht unseres Kolumnisten.

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Die Japaner machen es uns vor: Wäsche muss nicht bei 60 Grad gewaschen werden. Quelle: dpa

Keiner sagt, wir müssten unfehlbar sein. Aber es schadet ja nicht, es anzustreben. Und blöde Angewohnheiten sein zu lassen, wenn man weiß: Eigentlich sind es Ticks.

Aber es dauert mitunter Jahrzehnte, bis wir allesamt dahinter kommen, dass wir uns mit unseren nicht hinterfragten Angewohnheiten ein bisschen sehr lächerlich machen.

So hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass es nichts bringt, hinten an seinem Auto in der Auspuffgegend ein kleines Schwänzchen auf den Asphalt herab hängen zu lassen, das eine elektrostatische Aufladung von der Karosserie in den Boden ableiten soll. Diese Marotte war in den 70er- bis 90er-Jahren en vogue, weil man dachte, dann bekommt man keinen elektrischen Schlag mehr, wenn man etwa vom Sitz aus durch das Fenster an einen Parkscheinautomaten fasst. Experten hatten den Sinn dabei schon immer bezweifelt. Erstens isolieren Autoreifen das Auto nicht vom Boden, da das Gummi von Metall und Kohlenstoff durchzogen ist. Und zweitens ist der Innenraum des Autos meist vom metallischen Außenraum des Autos isoliert (der Innenraum ist ja weitgehend mit Plastik ausgeschalt). Zwischen Fahrer (der sich womöglich durch Reiben am Kunststoff-Bezug seines Sitzes tatsächlich elektrisch auflädt) und dem Schwänzchen hinten am Auspuff besteht also keine leitende Verbindung. Nun ja. Dass das alles nichts bringt, haben wohl auch die Autofahrer selber gemerkt. Der E-Schwanz am Auto ist tot.

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Ein anderer toter Tick ist das Nudeln-Abschrecken mit kaltem Wasser. Nudeln nach dem Kochen mit kalten Wasser abzuspülen, macht nur in einem Fall Sinn: Wenn Sie Ihre Pasta gerne kalt essen wollen. Kann ja sein. Bei einer Mundschleimhaut-Entzündung. Oder wenn Sie Nudelsalat machen wollen. Ansonsten: Nicht abgeschreckte Nudeln sind heißer und ihre Oberfläche nimmt die Soße besser auf. Wem die Nudeln zu sehr kleben: Einfach endlich die Soße drauf geben. Und so schreckt heute nur noch seine Nudeln ab, wer noch nie Alfred Biolek im Fernsehen hat kochen sehen. Er ist bekennender Nudelabschreck-Hasser. Und ich glaube, er hasst auch die Nudelabschrecker.

Aber hier jetzt eine kleine Liste der aktuellen Rituale, die besser weg sollten:

Platz 5: Löffel in die Sekt-Flasche

Man will auf Partys ja nicht den Besserwisser spielen. Aber wenn man es nunmal besser weiß…? Auf dem Buffet metallische Löffel in die offenen Sektflaschen zu hängen, bringt nichts. Wie soll bitte ein Löffel verhindern, dass der Druck entweicht?

Es gibt zwei Möglichkeiten zu verhindern, dass bei halb vollen Sektflaschen die Kohlensäure raus blubbert:

a. Ein Sektflaschenverschluss, der den Druck in der Flasche wieder steigen lässt.

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b. Der Kühlschrank: aus kaltem Sekt entweicht die Kohlensäure langsamer als aus lauwarmem. Hier kann der Löffel dann tatsächlich helfen. Er leitet die Kälte schneller in die Flasche. Auf dem Büffet jedoch einen zimmerwarmen Silberlöffel in die kalte Flasche zu hängen, wärmt ihn sogar schneller auf. Ein Trick allein für alle, die Sekt gerne warm und schal mögen.

Sind Sekt und Löffel aber gleich warm, ist jeder Effekt flöten.

Platz 4: Thermostat runter drehen, wenn es draußen warm wird

Es juckt einem in den Fingern, ja. Aber den Heizungsthermostat von 20 Grad auf 15 herunter zu drehen, nur weil es draußen endlich mal wieder 25 Grad sind, ist irrational.

Energie spart man, wenn man ihn auf 15 Grad herunter dreht, solange es draußen kalt ist. Aber dann wird es in der Wohnung auch ganz schön kalt. Ist es draußen jedoch richtig warm, hat der Thermostat die Heizung ja sowieso bei 20 Grad abgeschaltet.

Es gibt sogar Leute, die drehen die Temperatur ihres Kühlschranks runter, wenn es Sommer wird. Um die Lebensmittel gut gegen die Hitze zu schützen. Ergebnis: extrahoher Strom-Verbrauch. Dabei wären 6 Grad auch im Sommer 6 Grad.

Die Angewohnheit stammt wohl noch aus Zeiten, in denen man im Auto die Heizung im Winter immer auf volle Pulle Rot stellen musste, um nach dem Start auch wirklich so viel Hitze aus dem Motorraum abzugreifen, wie möglich. Auch das ist bei modernen Autos heute unnötig.

Bei 60 Grad waschen und stilles Wasser aus Frankreich

Platz 3: Bei 60 Grad waschen

Kinners, wir können uns entspannen. Die Japaner machen es uns vor: Dort kommt zwar traditionell heißes Wasser aus dem Klo, dafür waschen die Japaner kalt. Normale Waschmaschinen können dort gar nicht heizen. Und gelten Japaner als die Schweißstinker Asiens? Nein!

Und in Deutschland? Unsere Waschmittel entfalten dank ihrer Enzyme seit einigen Jahren ihre Waschkraft heute schon bei Zimmertemperatur von 20 Grad. Das Wasser auf 40, 60 oder gar 90 Grad aufzuheizen, bringt gegen den Schmutz nichts - dafür läuft der Stromzähler heiß. 40 Grad benötigt doppelt so viel Strom wie 30 Grad, 90 Grad sogar zehn mal so viel.

Dabei tötet auch das kalte Waschwasser Bakterien. Und was für gefährliche Bakterien haben wir denn schon in unserer Wäsche? Einzig, wenn jemand zuhause eine ansteckende Krankheit hat, sollte man vorsichtshalber heißer waschen. Dann muss es aber auch 60 Grad und mehr sein. Das hält wiederum nicht jeder Strickpulli aus.

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Wer generell gerne kalt wäscht, sollte nur einmal im Monat 60 Grad waschen. Um Keime in der Waschmaschine abzutöten. Ansonsten: Viel Spaß beim Stromsparen bei 20 Grad!

Platz 2: stilles Wasser aus Frankreich

Ich weiß, ich hab es schon mal erwähnt. Aber wer das gute deutsche Leitungswasser verschmäht, das ihm fast kostenlos aus dem Hahn sprudelt, und statt dessen Wasser aus Plastikflaschen trinkt, das vorher hunderte Kilometer über die Autobahn geschleppt wurden, der ist  - nun ja - sagen wir: sehr markentreu.

Nur mal so: Die „Mogelpackung des Jahres 2017“ ist die von Evian. Eigentümer Danone Waters hat die Preise erhöht und gleichzeitig das Füllvolumen der Flaschen gesenkt: von 1,5 Litern auf 1,25 Liter. Eine Preiserhöhung von bis zu 50 Prozent, kritisiert die Hamburger Verbraucherzentrale. Bei Rewe.de kostet Evian auf den Liter umgerechnet zurzeit 89 Cent. Für den Preis bekommt man rund 450 Liter Leitungswasser. Davon könnte man fünf Monate seinen Durst stillen. Von einem Liter Evian gerade mal ein paar Stunden.

Platz 1: Münzen am Automaten reiben

Der Gipfel des Unsinns. Wer das macht, sieht nicht gut aus. Erstens verkratzt er den Automaten, was eine strafbare Sachbeschädigung ist, zweitens bringt es nichts. Münzenkratzer kratzen auch im Image unseres Landes als Nest der Hochtechnologie. Was sollen denn die Touristen von uns denken, Mensch? Moderne Münzautomaten prüfen die Münze etwa nach elektrischer Leitfähigkeit und elektromagnetischen Eigenschaften, Größe und auch Prägung. Das Gerubbele ändert aber nichts an Prägung, Größe, magnetischen Eigenschaften und sonst was. Durch das Reiben werden die Münzen noch nicht mal elektrostatisch aufgeladen. Es bringt null! Warum aber fällt dann manchmal eine Münze durch, dann rubbelt man und dann bleibt sie beim zweiten Versuch drin? Das ist Zufall. Zwei Versuche erhöhen eben die Chance, dass der Automat dieses mal nicht falsch misst, um 100 Prozent. Das ist so, als wenn man sein Smartphone aufs Display küsst, und plötzlich öffnet sich die Internetseite doch.

Viele denken aber, wenn die Münze nach dem zweiten Versuch wieder durchfällt: „Oh, nicht genug gekratzt“  - und rubbeln wieder los. Wenn dann beim dritten Mal die Münze drin bleibt, ist das Beweis genug: je mehr kratzen, desto größer die Erfolgschance. Die armen Automaten. Einige Betreiber kleben schon austauschbare Kratz-Flächen neben die Einwurfschlitze. Münzkratzflächen sind der Kotau vorm Aberglauben. Das Gekratze ist allein schon Grund, das Bargeld abzuschaffen. Einfach zum Ätsch-Sagen.

So fertig. Ich gehe jetzt Lebensmittel wegwerfen. In meinem Kühlschrank stehen zwei Joghurts, die sind seit gestern abgelaufen.

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