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Wirbel um Stofftaschen Kunden werfen dm-Drogeriemarkt Täuschung vor

Dm lässt seine Pfandtaschen nicht mehr nur bei einem kleinen deutschen Unternehmen nähen - sondern auch bei einem Hersteller in Indien. Kunden fühlen sich getäuscht. In sozialen Netzwerken wächst die Wut.

taschengate: Im Netz ist ein Shitstorm gegen den Drogeriemarkt dm entbrannt Quelle: Privat

Es war ein guter Deal für beide Seiten. Seit 2012 produziert das Label manomama Pfandtaschen aus Baumwolle für dm. Die Drogeriemarktkette bot die Taschen für zwei Euro an. Ging ein Beutel kaputt, oder brauchte ein Kunde ihn nicht mehr, gab es das Geld zurück.

Das Modeunternehmen aus Augsburg wirbt damit, dass die Taschen zu hundert Prozent aus ökologischen Materialien hergestellt werden. Zudem beschäftigt die Firma nach eigenen Angaben vor allem Angestellte, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chancen hätten. Und zahlt immerhin zehn Euro die Stunde.

Dm-Taschen aus Indien

Für manomama war es der große Durchbruch. Seitdem ist die kleine Näherei zum Modehersteller mit mehr als 100 Mitarbeitern aufgestiegen. Die Drogeriemarktkette dm konnte sich als fortschrittlich und nachhaltigkeitsbewusst präsentieren und die Etiketten am Baumwollbeutel mit den Worten „Sozial, 100 % bio und aus der Region“ schmücken.

Diesen Händlern vertrauen die Kunden
Die Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants hat für ihren „Proposition Index 2013“ jüngste Trends und Entwicklungen in der Handelsbranche analysiert. Dafür wurden 30.000 Konsumenten aus neun Ländern zu 660 führenden Handelsunternehmen (darunter über 80 aus Deutschland) befragt. Die Meinung der Kunden zu Preisen, Qualität, Auswahl, Einkaufserlebnis, Service und Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens wird in einer Index-Skala mit einem Maximalwert von 100 zusammengefasst. Quelle: dpa
Eines der Ergebnisse der Studie ist, dass die Kunden mehr Vertrauen in den traditionellen Handel haben: Fanden sich 2012 noch fünf reine Onlineformate unter den Top 20, sind es 2013 mit Amazon und Ebay nur noch zwei. "Die reinen Onlineanbieter verlieren im Vergleich zu den stationären Händlern vor allem in den Kategorien Auswahl, Preisstellung und Vertrauen", sagt Christian Ziegfeld, der für die Studie verantwortliche Partner bei OC&C. "In der Konsequenz wenden sich einige Kunden wieder häufiger dem traditionellen Handel zu. Dennoch haben Onlinekonzepte weiterhin gute Wachstumsaussichten." Quelle: dpa
Dem stationären Handel - also dem physischen Geschäft in der Innenstadt - kommt zugute, dass die Kunden wieder mehr Wert legen auf die Vorauswahl und die Orientierung, die der klassische Handel bietet. Auch die Preisvorteile des Onlinehandels sind nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Durch das verhältnismäßig starke Wachstum drängen einige Onlineformate zudem in den Massenmarkt. Für Onlinehändler wird es somit immer schwerer, das Produktangebot und das Leistungsversprechen optimal auf den Kunden auszurichten. Quelle: dpa
Der allgemeine Trend setzt sich im Textileinzelhandel fort: Viele stationäre Anbieter überzeugen mit ihrer Sortimentsauswahl, dem Service und der Qualität. Reinen Onlinern fällt es dagegen schwer, mit dem immer breiteren Angebot ein klares Sortimentskonzept zu entwickeln und die steigenden Anforderungen der Konsumenten zu erfüllen. So verliert beispielsweise Zalando gegen den Versandhändler Bonprix, der dank einer konsequenten Value-Strategie den ersten Platz der Textil-Rangliste belegt. Auf den weiteren Plätzen folgen Esprit und Ernsting‘s Family. Zalando (Platz 9) kämpft hingegen mit der wachsenden Breite des Sortiments und bietet zu wenig Orientierung in der Sortimentsauswahl. Quelle: dpa
In der Kategorie Unterhaltungselektronik gab der noch im Jahr 2012 so starke Online-Händler notebooksbilliger.de die Branchenführung ab und bricht um 6,7 Indexpunkte ein, während sich Media Markt und Saturn in der Kundenzufriedenheit leicht verbessern. Die Schwäche von notebooksbilliger.de liegt in der Entwicklung zum Mainstream-Anbieter begründet. Die Onlineformate gewinnen zwar immer mehr neue, aber dafür weniger treue Kunden hinzu. In der Folge sind die Kunden zwar nach wie vor zufrieden, beurteilen die Anbieter aber nicht mehr mit Höchstnoten. Bei Media Markt vollzieht sich der gegenteilige Effekt: Die leicht steigende Kundenzufriedenheit geht auf eine geringere Kundenzahl zurück. So haben nur noch 15 Prozent aller Kunden Media Markt bewertet, 5 Prozent weniger als in 2012. Quelle: dapd
Im Lebensmitteleinzelhandel bleibt Globus in der Kundenzufriedenheit die Nummer eins, dicht gefolgt von Kaufland und Aldi. Edeka verbessert sich um 1,8 Punkte und zieht fast mit Aldi gleich. Bei Netto und Penny zeigt die sorgfältige Arbeit an Format, Sortiment und Kommunikation Effekt: Beide verbessern sich in der Kundenwahrnehmung (um 2,2 bzw. 1,9 Indexpunkte). Aldi profitiert von der Ausweitung des Angebotes an Markenartikeln (+5,0 Indexpunkte) und den Investitionen in die Filialen, die sich beim Einkaufserlebnis bemerkbar machen (+5,6 Indexpunkte). Den stärksten Rückgang der Branche verspürt Metro mit -3,0 Indexpunkten. Der Händler muss vor allem Abschläge bei Sortiment und Kundenvertrauen hinnehmen. Quelle: AP
Unabhängig von der Branche hat es die Parfümerie Douglas unter die beliebtesten Händler der Kunden geschafft. Mit 81,1 Indexpunkten landet die Kette auf Platz drei. Douglas baut seine Stärke vor allem auf klassische Faktoren wie Service, Produktqualität und Einkaufserlebnis. Quelle: dpa

Und auch bei den Kunden selbst kam die Tasche gut an. Sie sei „sehr geschätzt“ heißt es von dm. Doch jetzt fühlen sich manche Kunden verraten: Eine Bloggerin machte öffentlich, dass die dm-Taschen nicht mehr nur von manomama in Augsburg hergestellt werden. Sondern offenbar auch von einem Hersteller aus Indien. In den sozialen Netzwerken sorgt der Fall für Aufregung. Auf Twitter ist aus der Empörung Einzelner bereits das Hashtag #taschengate geboren.

Was Kunden an dm schätzen


Was die Kunden am meisten ärgert: Die Tasche aus Indien sind von den Produkten aus Augsburg auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden. Das Design der Taschen ist bis auf einen kleinen Größenunterschied und einige Details identisch. Nur ein anderes Etikett weist aus, dass der Beutel nicht mehr „regional“ sondern „Made in India“ ist.

Die Kunden befürchten, dass die hohen Standards und Qualitätsansprüche, die sich manomama auferlegt hat, durch indische Billigprodukte ersetzt werden. Im Gegensatz zu den Augsburger Taschen ist es bei denen aus Indien zudem nicht mehr möglich, das Pfand zurückzubekommen. Es gibt bei Rückgabe bestenfalls eine neue Tasche.

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