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X+Bricks vs. Redos Das Real-Verkaufshickhack geht in die nächste Runde

Der Großteil der Real-Standorte soll an andere Händler abgegeben werden. Lediglich ein nicht näher bezifferter Kern von Real-Märkten werde eigenständig weiterbetrieben. Quelle: dpa

Wende in Düsseldorf: Beim Verkauf der Supermarktkette Real steuert der Immobilieninvestor X+Bricks auf einen Zuschlag zu. Eigentlich wollte Metro-Chef Olaf Koch Real an ein Konsortium um den Investor Redos verkaufen.

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Wechselnde Partner, überraschende Wendungen und immer wieder neue Cliffhanger: Keine Frage, das Wirtschaftsdrama um den Verkauf der Supermarktkette Real kann inzwischen mühelos jeder Vorabendsoap Konkurrenz machen. Jüngstes Highlight: Metro-Chef Olaf Koch will die angeschlagene Tochtergesellschaft mit ihren 34.000 Beschäftigten nun doch an den Immobilieninvestor X+Bricks verkaufen. Bis Ende Januar 2020 soll eine endgültige Einigung stehen. Doch Redos will sich nach Informationen der WirtschaftsWoche noch nicht geschlagen geben.

Das mit X-Bricks vereinbarte Konzept sieht formal einen Verkauf von Real als Ganzes vor. Der Großteil der Standorte soll dann aber an andere Händler abgegeben werden, lediglich ein nicht näher bezifferter Kern von Real-Märkten werde eigenständig weiterbetrieben, teilt Metro mit. „Ziel ist es, die Händler vertraglich zur Übernahme der Real-Mitarbeiter zu verpflichten.“ Der Konzern geht dabei nach aktuellem Stand von einem Nettomittelzufluss von rund einer halben Milliarde Euro aus.

Bereits seit September 2018 sucht Koch nach einem Käufer für Real und schien anfangs schnell voran zu kommen. So waren im Frühjahr nur noch zwei Kandidaten im Rennen: die Hamburger Redos Gruppe und das Unternehmen X+Bricks. Als sich Redos kurze Zeit später aus dem Prozess verabschiedete, schien der Verkauf an X+Bricks eine Formsache zu sein. Doch überraschend änderte sich die Lage: Die Metro-Juristen sorgten sich, dass der Wettbewerber Kaufland, der vertraglich mit X+Bricks zusammen arbeitete, als künftiger Betreiber der meisten Real-Märkte zu mächtig wird und das Kartellamt oder klagefreudige Wettbewerber den Verkauf über Jahre verzögern könnten.

Metro-Chef Olaf Koch will die angeschlagene Tochtergesellschaft mit ihren 34.000 Beschäftigten an den Immobilieninvestor X+Bricks verkaufen. Quelle: dpa

So kam Redos plötzlich wieder ins Spiel und Koch vereinbarte exklusive Gespräche mit den Hamburgern. Ihr Plan sah vor, einen Teil der Märkte zu schließen, einen Teil weiter zu betreiben und einen Großteil der Standorte an diverse Wettbewerber, darunter Edeka, weiterzureichen. Im Sommer 2019 sollte die Transaktion abgeschlossen werden. Eigentlich.

Denn immer wieder kam es zu Verschiebungen. Das Kernproblem: Der geplante Weiterverkauf des Großteils der 270 Real-Märkte erwies sich als hochkomplexer Balanceakt, zumal sich Kaufland-Partner X+Bricks weigerte, bei der Verteilung mitzuspielen.

Die Folge: Beim Bundeskartellamt sind bislang erst 101 Real-Märkte zum Verkauf angemeldet worden, 87 allein von Edeka. Mit Kaes und Tegut haben zudem zwei weitere Händler jeweils die Übernahme von sieben Standorten angemeldet. Schon bei diesen Paketen soll es zu Überschneidungen gekommen sein, berichtet die „Lebensmittelzeitung“.

Der stockende Prozess entging auch dem Redos-Konkurrenten X+Bricks nicht, der Ende November mit einer neuen Offerte in die Verhandlungen preschte. „X+bricks hat sich erneut bei Metro gemeldet und signalisiert, mit einem deutlich nachgebesserten Angebot auf unsere Anforderungen einzugehen“, erklärte ein Metro-Sprecherin.

Die exklusiven Verhandlungen mit Redos waren plötzlich nicht mehr exklusiv. Wenig später folgte die Kehrtwende von der Kehrtwende: Redos war draußen und Metro verhandelte nun exklusiv mit X+Bricks. „Trotz erheblicher Anstrengungen beider Parteien über die vergangenen Wochen und Monate haben Metro und Redos letztlich keine Einigung über die Gesamtparameter der Transaktion und die entsprechende Risikoverteilung erzielen können“, begründet der Handelsriese das Hin und Her.

X+Bricks habe in dem nachgebesserten Angebot dagegen Zugeständnisse „bezogen auf Kaufpreis und Transaktionssicherheit“ unterbreitet. „Unter anderem hat sich das Konsortium zur Auflösung der exklusiven Kooperationsvereinbarung mit Kaufland verpflichtet.“ Damit dürfte X+Bricks vor allem versuchen, wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuräumen. Ob das funktioniert, ist allerdings offen. Die Pläne von X+Bricks muss das Kartellamt noch prüfen, das bei Übernahmen im von wenigen Handelskonzernen beherrschten deutschen Einzelhandel sehr genau hinsieht. Metro scheut denn auch das juristische Risiko: „Die geplante Abgabe von Standorten durch das Konsortium an andere Händler erfolgt nachgelagert und unabhängig von dem Verkauf von Real an das Konsortium“, teilt das Unternehmen mit. Damit ist klar, wer nun Überzeugungsarbeit leisten muss: X+Bricks.

Doch auch eine nochmalige – dann dritte – Kehrtwende ist nicht ganz ausgeschlossen. „Wir werden den Prozess beobachten und bleiben gesprächsbereit“, sagte ein Redos-Sprecher der WirtschaftsWoche. Man sei überzeugt, dass das bisher verfolgte Konzept zur Aufteilung und Weiterführung von Real gelingen könne. Nach einem Rückzug klingt das nicht.

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