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Yachten Boote mit Ecken und Kanten

Die Werften für Luxusyachten straucheln. Auf schwindende Aufträge antworten die Hersteller mit neuen Produkten. Der Kunde darf sich über frisches Design freuen.

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Ein Traum von Yacht - Ob die Jolly Roger je gebaut wird, ist unklar, der Entwurf für Benetti gehört zum Projekt

Der Traum hat mehrere Stockwerke. Sauna, Spielzimmer, Krankenzimmer und natürlich zahlreiche Schlafzimmer neben Loungemöbeln auf dem Sonnendeck mit einfahrbarem Sonnensegel – das ist es, was sich das Designbüro PS+A Palomba Serafini für seinen Entwurf einer 65 Meter langen Yacht vorstellt, der den ebenso fröhlichen wie passenden Namen Jolly Roger trägt. Der Wohnbereich erinnert an moderne Architektur, wie sie derzeit in rasch wachsenden Neubauvierteln wie der Hafencity in Hamburg zu sehen ist. Cool, elegant, minimalistisch. Die Silhouette ist aus einem Guss, die Seitenfront strahlt dank großer Fenster im Zusammenspiel mit den Bullaugen der Crewkabinen gleichzeitig Offenheit und Strenge aus. Die Mailänder Designer haben bei ihrem Idealentwurf, von den Wasserhähnen über die Küchenarmaturen bis zu den Sofas, an so ziemlich alles gedacht, was das Leben schöner macht. Eingeladen wurde das von Ludovica und Roberto Palomba geführte Büro vom Yachthersteller Benetti aus Viareggio in Italien. Es ist eines von 16 Teams, das Benetti vergangenes Jahr bat, kühne Ideen für die Kategorien zwischen 50 und 90 Meter Rumpflänge zu entwickeln. Träume für die Wellen.

Der Yachten-Markt in Zahlen

Ende des Booms

Die Bootsbauer weltweit sind aus den schönsten Träumen längst erwacht. "Die Yacht-Industrie in Seenot", schreibt das Fachmagazin "Wassersport Wirtschaft" in seiner aktuellen Ausgabe über die Branche, die mit Booten bis 80 Fuß, etwa 24 Meter, rund sieben Milliarden Euro im Jahr umsetzt. Konnten sich die Werften in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends vor Aufträgen kaum retten, streichen viele inzwischen die Segel. Wurden einst für sogenannte "Building Slots", also den Platz für den Bau eines Boots in einer Werft, Prämien gezahlt, bemühen sich nun insbesondere die Betriebe südlich des Brenners und der Pyrenäen um neue Kundschaft. Die Krise in Italien schlägt unmittelbar auf die Kauflust der Kunden – dass italienische Steuerbehörden die Größe einer Yacht als Hinweis auf unversteuertes Vermögen nehmen, hat den Binnenmarkt nicht gerade befördert. Vor 2015 rechnet Interconnection Consulting mit keinem Wachstum. Die Flucht in Sachwerte, die Immobilienpreise nach oben treibt, führt nicht zu großen Schiffen. "Ein Yachtkauf ist eine emotionale Sache", sagt Harry Miesbauer, Yachtdesigner in Wien und Como.

Yachten in neuem Design
Venus der Wellen: Philippe Starck zeichnete die 80 Meter lange Yacht für Steve Jobs. Quelle: Presse
Gewagte Gefälligkeit: Die Bavaria-Werft will mit der 420 Virtesse Schnittigkeit zeigen. Quelle: Presse
Von den Autos lernen: Das Design der Silver Arrows stammt aus den Büros von Mercedes-Benz. Quelle: Presse
Vorbild für Generationen: Wally-Boote sind dank der Kanten stilbildend. Quelle: Presse
Ein Traum von Yacht: Ob die Jolly Roger je gebaut wird, ist unklar, der Entwurf für Benetti gehört zum Projekt "Vision" Quelle: Presse

Die Branche schaut nach Düsseldorf. Wenn dort am 19. Januar die Messe Boot ihre Pforten öffnet, stehen für jeden Geschmack Boote bereit, von Power-Schlauchbooten, die aussehen, als könne man damit die Erstürmung via Wasser üben, über Tauchutensilien bis zu Yachten, die jede Marina zieren würden.

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    "Wir fahren mit einem guten Gefühl dorthin", sagt Alexander Knesewitsch, Marketingchef der Werft Bavaria aus dem bayrischen Giebelstadt südlich von Würzburg. Dabei geben die Marktdaten eigentlich keinen Anlass zu Optimismus. Der spanische Markt schrumpfte nach Auskunft der Beratung Interconnection Consulting zwischen 2009 und 2012 jährlich um 11,9 Prozent, der in Italien im selben Zeitraum um 23,9 Prozent. Der deutsche Markt kommt da mit Rückgängen unter fünf Prozent noch mit einem blauen Auge davon. Knesewitsch hat deswegen für die Zufriedenheit unter den Bootsbauern seit Beginn des Geschäftsjahres im August 2012 auch keine andere Erklärung als Yachtdesigner Miesbauer: "Wir haben neue Produkte."

    Minimalismus und Eleganz ist angesagt

    Für jedes Budget das passende Wasserfahrzeug
    Bei der Wassersportmesse „Boot 2012“ in Düsseldorf gibt es jede Menge imposanter Yachten zu sehen. Quelle: dpa
    Auch Yachten des Herstellers Moody können in einer der insgesamt 17 Messehallen bestaunt werden. Quelle: dapd
    Eines der größten Boote auf der Messe ist die Princess V78, eine rund 2,7 Millionen Euro teure Jacht. Dass sie luxuriösen Komfort bietet, versteht sich bei diesem stolzen Preis von selbst. Quelle: dpa
    Das 23,83 Meter lange Ungetüm musste mit einem Tieflader auf das Messegelände in Düsseldorf transportiert werden. Quelle: dpa
    Das niederländische Motorboot „Pobeda“ musste vor seinem Messeauftritt von einem Schwerlastkran aus dem Rhein ans Ufer gehoben werden. Quelle: dapd
    Vom 21. bis zum 29. Januar präsentieren sich auf der „Boot 2012“ über 1600 Aussteller aus 62 Ländern. Quelle: dpa
    Im vergangenen Jahr kamen gut 250.000 Besucher auf die „Boot“. Quelle: Messe Düsseldorf

    Die sehen anders aus als noch vor Jahren. Galten die Boote von Bavaria früher als günstige, solide Modelle, die vor allem bei Charterunternehmen beliebt waren, so folgte zunächst ein radikaler Schnitt mit Designs in Zusammenarbeit mit dem Studio BMW US Designs, das die Boote mit den vormals klassischen Formen modernisierte. "Vielleicht ein wenig zu viel", räumt Knesewitsch ein. Fenster wie Schießscharten, eine Anmutung, als gelte es, Bewunderer fernzuhalten.

    Doch es ist nachgebessert worden. Eleganz, Schnittigkeit, Minimalismus. Das sind die Kriterien, die Boote heute erfüllen müssen, um einen der Design Awards zu bekommen und beim Kunden gut anzukommen. Optischer Vorreiter ist das Unternehmen Wally, dessen kantige Boote vom Strand aus leicht zu identifizieren sind. Zahlreiche Yachtdesigner arbeiten für Wally, die wiederum die neue Formensprache für eigene Entwürfe adaptieren.

    Für Miesbauer ist Wally eine der Ikonen, ihr nachzueifern kommt ihm jedoch nicht in den Sinn. "Es ist wichtig, zu wissen, warum eine Yacht so aussehen soll und nicht anders." Moden zu folgen sei nicht ratsam, wenngleich Wiesbauer keinen Kunden nach Hause schickt, der auf der neuesten Welle mitreiten will. Derzeit seien sogenannte Chines beliebt, das sind aus dem Regattasport übernommene Knicke im Rumpf. "Die haben bei vielen Booten gar keinen Sinn, aber dennoch werden sie nachgefragt", sagt Miesbauer.

    Silberpfeil der Meere sticht 2013 in See
    Mehr als 125 Jahre, nachdem Gottlieb Daimler das erste Motorboot baute und damit Fahrten auf dem Neckar unternahm, stellen Mercedes-Benz Style und Silver Arrows Marine im Rahmen der diesjährigen Monaco Yacht Show die Designentwürfe für eine Luxus-Motoryacht vor. Die 14 Meter lange, seegängige Granturismo vereint typische Designelemente der Mercedes-Benz Fahrzeuge mit Innovationen, die es bislang in der Bootsindustrie noch nicht gab. Der „Silberpfeil der Meere“ soll 2013 auf den Markt kommen. Quelle: Presse
    „Ein Boot zu entwerfen, war für uns Automobildesigner eine besonders reizvolle Herausforderung“, berichtet Gorden Wagener, Leiter Design Mercedes Benz Cars, anlässlich der Vorstellung des Yachtentwurfs in Monaco. „Wir wollten etwas Besonderes schaffen und ich glaube, wir haben etwas Einmaliges kreiert. Der ‚Silberpfeil der Meere‘ verkörpert pure Emotion und steht für Luxus, Stil und Genuss.“ Quelle: Presse
    Mercedes-Benz Style und Silver Arrows Marine arbeiteten eng zusammen, um das Interieur- und Exterieur-Designkonzept entsprechend der spezifischen Vorgaben der Designer umzusetzen. Die Automobildesigner entwickelten gemeinsam mit Silver Arrows Marine die innovative Gestaltung und Raumnutzung der Yacht, sie formten das Exterieur und Interieur und wählten Materialien und Farbkombinationen ... Quelle: Presse
    ... Silver Arrows Marine zeichnet verantwortlich für die technische Ausstattung und Konstruktion des Boots. Nach Angaben von Mercedes soll "die Motoryacht für Tagesausflüge mit Freunden geeignet sein" aber auch Übernachtungsmöglichkeiten bieten. In der Front- und Seitenansicht zeigt sich die Yacht aus einem Guss, hohe Bordwände gehen fast nahtlos in einen Kabinenaufbau über, der sich mit einer schwungvollen coupéhaften Linie zeigt. Dass Mercedes-Benz Style sich nicht nur um Autos kümmert, wurde spätestens 2011 eindrucksvoll unterstrichen, als der Helikopter EC145 von Eurocopter auf den Markt, der inzwischen bereits an die ersten Kunden ausgeliefert wurde. Seit 2010 entwerfen die Designer von Mercedes-Benz zusätzlich zum klassischen Automobildesign auch das Design für andere Produkte in Kooperation mit ausgewählten Partnern. Quelle: Presse
    Modern, aber konventionell: Ein hölzernes Deck bietet Platz für Sonnenanbeter, direkt hinter dem Kommandostand. Seit 2010 entwerfen die Designer von Mercedes-Benz unter dem Label Style zusätzlich zum klassischen Automobildesign auch das Design für andere Produkte in Kooperation mit ausgewählten Partnern. 2012 wurde beispielsweise in Kooperation mit der Formitalia Luxury Group, einer der führenden italienischen Hersteller von Designermöbeln, eine exklusive Kollektion von Möbeln erstellt. Quelle: Presse
    Silver Arrows Marine ist ein Zusammenschluss von international bekannten Schiffsarchitekten und -ingenieuren, die hinter einigen der größten Luxus-Motoryachten stehen, die zurzeit auf dem Markt sind. Registriert in Großbritannien, arbeitet Silver Arrows Marine auf einer exklusiven Basis mit führenden Spezialisten aus allen Bereichen des Designs, der Entwicklung und Konstruktion von Luxus-Motoryachten zusammen, um High-End-Boote zu bauen. Quelle: Presse
    Entstanden ist eine progressive Luxusyacht, die die Designsprache von Mercedes-Benz widerspiegelt. Das Innere der 14-Meter-Yacht ist eine Wohlfühllounge mit zahlreichen Sitzgelegenheiten. Hier ist dem Ausbauwunsch des Käufers sicher keine Grenzen gesetzt. Hingucker ist aber in jedem Fall das riesige Panoramadach und die großen seitlichen Fenster mit seinen Schattenspendern. Entwickelt und gebaut wird die Yacht von von Silver Arrows Marine. Zum Team des in Großbritannien registrierten Bootsbauunternehmens gehören mit Martin Francis und Tommaso Spadolini zwei weltweit anerkannte Experten der marinen Architektur. Beide zeichnen sich für einige der derzeit leistungsfähigsten und luxuriösesten Boote der Welt verantwortlich. Quelle: Presse

    Hilfe bei den Autobauern

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      Den Schulterschluss zur Autobranche suchen die Bootsbauer schon länger. Nicht nur Bavaria kooperierte mit einem Designbüro, das zu einem Autokonzern gehört, auch die Porsche Design Studios haben schon vor Jahren für Fearless einen schnellen Cruiser entworfen. Nun steht ein Katamaran an, von dem bislang jedoch nur Zeichnungen zu sehen sind.

      Weiter ist da schon die Werft Silverarrows Marine in der Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz. Dieses Jahr soll das 14 Meter lange seetaugliche Boot auf den Markt kommen und im Innenraum alles das bieten, wofür Mercedes steht. Die ersten Testfahrten hat die Werft bereits absolviert, der Erlkönig erlaubt, in Grau gehalten und bar jeder Ausstattung, wenig Rückschlüsse darauf, wie das Boot wirklich wirkt.

      Die Schützenhilfe der Autodesigner kommt nicht von ungefähr. Das Wissen, wie man mit wenigen Linien und Strichen eine unverwechselbare Form entwickelt, ist bei den Autoherstellern viel größer als bei den mittelständischen Bootsbetrieben.

      Handel



      "Der Glaube, es wären Riesenbudgets bei Bootsdesignern vorhanden, täuscht", sagt Miesbauer. Aus dem Vollen schöpfen können lediglich Werften, die Aufträge für Superyachten erhalten, doch auch in der Klasse über 90 Meter nehmen Bestellungen ab. Stilbildend sind sie dennoch, wie die von Designer Philippe Starck gezeichnete Yacht Venus, die nach einem Rechtsstreit nun freigegeben ist. Sie wird mit iMacs gesteuert und wirkt wie eine elegante Ecke auf Wellen. Bestellt hatte sie Apple-Chef Steve Jobs.

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