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Zentis und Ehrmann Von Früchtchen und Freunden

Seite 3/5

Kavallerist und Nachhut

Ehrmann probiert neue Kreationen von Zentis Quelle: Fyodor Savintsev für WirtschaftsWoche

Im Schneckentempo nähert sich die Zentis-Karawane einem Supermarkt der deutschen Metro-Tochter Real am Moskauer Stadtrand. „Lass uns hier mal anhalten, geht ja eh nicht voran,“ sagt Johnen. In den Kühlregalen des Ladens zeigen sich die Kräfteverhältnisse im russischen Milchmarkt: Danone dominiert, erst recht seit die Franzosen 2010 den russischen Lokalmatadoren Unimilk geschluckt haben.

„Das sind fast alles unsere Früchte“, sagt Dietmar Otte und zeigt auf die Regalmeter mit Fruchtjoghurts. Der 59-jährige Lebensmitteltechnologe, der seit 2006 Produktion und Technik bei Zentis verantwortet, ist Johnens kongenialer Partner an der Unternehmensspitze: Johnen, der wortmächtige Kavallerist, und Otte, die sichernde Nachhut. Der kleine Ostwestfale mit der Professorenbrille ist ein Mann der leisen Töne, der zwar ein modernes Smartphone besitze, aber nicht wisse, wie es angehe, neckt ihn Johnen. Sein Umfeld hat sich längst an seine unverblümte Art gewöhnt.

Kurz nach halb elf erreicht die Zentis-Delegation die Ehrmann-Molkerei in Raos. „Wo bleibt’s denn. Habt’s euch verfahren?“, frotzelt ein hochgewachsener Schlacks zur Begrüßung. Es ist Christian Ehrmann, der 39-jährige Chef der gleichnamigen Familienmolkerei aus Oberschönegg im Allgäu, die er seit 2006 in dritter Generation führt. Der 1920 gegründete Betrieb ist heute ein 700-Millionen-Euro-Konzern mit 1300 Mitarbeitern und einem Mann an der Spitze, der eher an einen modernen Volksmusikstar erinnert als an einen Allgäuer Unternehmerspross: groß, schlank, Brilli im Ohr, zurückgegelte blonde Haare, Nadelstreifenanzug und zwei Bändchen um das Handgelenk, eines mit kleinen, eines mit etwas größeren Holzkugeln – ein Andenken an seine verstorbene Mutter.


Drängen auf Internationalisierung

Ehrmann ist etwa alle sechs Wochen für ein paar Tage in Moskau, schon aus alter Verbundenheit. Nach der mittleren Reife beginnt er eine Ausbildung zum Molkereifachmann, macht anschließend den Molkereimeister und studiert im zweiten Bildungsweg Betriebswirtschaft. 1998 kehrt er nach dem Studium ins Unternehmen zurück, just als Vater und Onkel entscheiden, eine Fabrik in Russland zu bauen und den Junior mit deren Aufbau zu betrauen. Bis dahin hatten die Allgäuer nur haltbare Joghurts nach Russland exportiert. „Ein paar Monate nachdem alles eingetütet war, Grundstücke gekauft und Bauaufträge vergeben waren, die Bagger schon anrollten, brach die russische Wirtschaft zusammen“, erinnert sich Ehrmann. Auch der Export nach Russland – bis zu 500 Laster pro Monat – stürzt „auf fast null.“ Was nun? Aus heutiger Sicht hätten Vater und Onkel genau richtig reagiert, sagt Ehrmann. Sie glauben an das Land. Das geht vorbei, wir machen weiter, entscheiden sie.

Anderthalb Jahre später steht die Fabrik, und die russische Wirtschaft hat sich berappelt. Heute erlöst Ehrmann 120 Millionen Euro in Russland. Seit Ehrmann das Kommando im Allgäu übernommen hat, drängt er auf Internationalisierung. Er baut Russland auf, kauft in Tschechien zu und eröffnet im März 2011 eine Joghurtfabrik in den USA. Und zu Jahresbeginn kauft er dem Wettbewerber Danone die Rechte für die Marke Obstgarten in Deutschland ab.

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