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Zentis und Ehrmann Von Früchtchen und Freunden

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Kritik an Ehrmann

Produktion in einer russischen Molkerei Quelle: Fyodor Savintsev für WirtschaftsWoche

Kürzlich geriet Ehrmann in die Kritik, weil ein Antibiotikum, das zur Beschleunigung mikrobiologischer Untersuchungen eingesetzt wird, unsachgemäß in das sogenannte Weißwasser geraten war. Diese Flüssigkeit ist ein beliebtes Futtermittel für Schweine, weil es Eiweiß enthält und von Ehrmann kostenlos abgegeben wird. So landete das seit 1994 bei Schlachttieren verbotene Antibiotikum in den Trögen von 25 bayrischen Mastbetrieben.

„Leute, in der Kantine ist angerichtet, wir können anfangen“, ruft Ehrmann. Auf mehreren Tischen hat der Firmenchef Hunderte Produkte aufbauen lassen: Joghurts, Desserts, Milchreis, Fruchtquarks. Nicht nur Produkte von Ehrmann Russland, auch die Konkurrenz stellt sich dem Votum der Experten. Und dann wird losgelöffelt und gefachsimpelt: Wie schmeckt der frisch produzierte Joghurt im Vergleich zu dem, der kurz vor dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums steht? Wie schlägt sich der Ehrmann-Milchreis gegenüber dem beliebten russischen Konkurrenzprodukt? Welche Fruchtfarben wirken künstlich? „Dietmar, die Kirsche hier könnte etwas mehr Farbe gebrauchen, ein bisschen dunkler sein“, sagt Johnen. „Okay, wir machen ein Muster“, erwidert Otte.

Nach einer halben Stunde wird abgeräumt. Nun schlägt die Stunde der Zentis-Leute: Produktentwickler Marc Müller verteilt eine Präsentation mit dem Titel „Neue Geschmacksrichtungen für den russischen Markt“. Obwohl auch hier wie in Deutschland die Erdbeere die Lieblingsfrucht im Joghurt ist, versorgt Zentis seine Kunden mit immer neuen Varianten.


Knackig und kross

Müller stellt jedem Verkoster Plastikbecher mit Proben hin: Apfelstrudel, Schwarzwälder Kirsch, Käsekuchen, Tiramisu und vieles mehr – Kreationen, die einmal in den Joghurts von Ehrmann landen sollen. Johnen mümmelt ein Löffelchen Schwarzwälder Kirsch. „Ist da Alkohol drin?“, fragt Johnen. Ja, antwortet jemand aus der Runde. „Da muss mehr rein.“ Ehrmann vermisst etwas Zimt und Rosinen im Apfelstrudel. „Der schmeckt eher wie Apfel-Joghurt.“

Fruchtzubereitungen sind High-Tech-Erzeugnisse. Anders als bei der Marmeladenproduktion bedarf es bei der Fruchtzubereitung eines hohen technischen Know-hows. Verarbeitet werden die Früchte – bei Zentis rund 300 000 Tonnen pro Jahr – unter aseptischen Bedingungen. Ein Milchprodukt würde sofort schimmeln oder verderben, wären die Fruchtzubereitungen nicht besonders präpariert und keimfrei. Schon 1998 gelang es Zentis, feine Schokoladenstückchen – etwa für Stracciatella-Joghurts – herzustellen, ohne dass sie im Joghurt aufweichen. Mittlerweile ist die Truppe um Otte in der Lage, selbst Cornflakes oder Kuchenstückchen so zu präparieren, dass sie im Joghurt nicht aufquellen und matschig werden, sondern knackig und kross bleiben – mithilfe komplizierter biochemischer Prozesse.

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