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Zorn beim Versandhändler Erstmals Streik bei Amazon Deutschland

Die Gewerkschaft Verdi macht ernst. Am Dienstag streiken erstmals Beschäftigte beim Internet-Versandhändler Amazon. Das Unternehmen versichert, dass die Kunden die Folgen nicht zu spüren bekommen. Verdi sieht das anders.

Beschäftigte des Internet-Versandhändlers Amazon fordern einen Tarifvertrag zu den Konditionen des Einzel- und Versandhandels, was das Unternehmen bisher ablehnt. Quelle: dpa

Der Zorn bei den Beschäftigten des Internet-Versandriesen Amazon wächst. Am Dienstag beginnen Hunderte Mitarbeiter mit dem Arbeitskampf. Am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld legen bis zum Vormittag nach Gewerkschaftsangaben 600 Beschäftigte die Arbeit nieder, in Leipzig sind es 300. Verdi hatte zu dem Tagesstreik aufgerufen. Wann und wie die Protestaktion vorangetrieben wird, ließ Verdi offen. Auswirkungen für die Kunden würden nicht erwartet, versichert Amazon.

Bereits am frühen Morgen herrscht ein ohrenbetäubender Lärm vor dem großen Versandzentrum von Amazon, das an der Autobahn 4 in Osthessen liegt. Die Streikenden tragen gelbe Westen (Aufschrift: Tarifverträge schützen!), pusten kräftig in Trillerpfeifen und schwenken rot-weiße Fahnen. Es gibt aber auch viele Beschäftigte, die wortlos an ihnen vorbei zur Arbeit gehen. Ähnlich ist das Bild in Leipzig: Trillerpfeifen, laute Musik. Hier wurde vor dem Versandzentrum sogar eine Spur des vielbefahrenen Autobahnzubringers zur A 14 mit städtischer Genehmigung gesperrt.

Diese Branchen bekommen 2013 mehr Lohn
Vor dem Hintergrund der Schuldenkrise in Europa hat EU-Sozialkommissar Laszlo Andor höhere Löhne in Deutschland gefordert. Damit solle die heimische Nachfrage angeregt werden, sagte Andor der "Süddeutschen Zeitung". Zudem empfehle die EU-Kommission Deutschland, auf breiter Basis Mindestlöhne einzuführen. "Belgien und Frankreich beschweren sich schon über deutsches Lohndumping", sagte Andor. Wegen hoher Exportüberschüsse sei es nicht zu rechtfertigen, dass die Deutschen einen Lohnwettbewerb beibehielten. Länder mit Exportüberschüssen müssten sich wie Defizitländer anpassen, sagte der ungarische Politiker. "Wenn nicht, driftet die Währungsunion auseinander. Der Zusammenhalt ist schon halb verloren." Deutschland steht wegen der vergleichsweise zurückhaltenden Lohnabschlüsse in den vergangenen Jahren schon länger in der Kritik. Einige Politiker aus wirtschaftlich schwächeren Ländern argumentieren, dass eine höhere Binnennachfrage in der Bundesrepublik der Euro-Zone insgesamt helfen würde. Das ist Wasser auf die Mühlen der Gewerkschaften, die noch für mehr Geld für ihre Mitglieder kämpfen. Andere haben sich für 2013 bereits mehr Lohn erstritten. Quelle: dpa
LufthansaIm Tarifkonflikt um 33.000 Beschäftigte bei der Lufthansa haben sich die Fronten verhärtet. Die Gewerkschaft Verdi beriet über weitere Warnstreiks bei Europas größter Fluggesellschaft. Termine wurden zunächst nicht genannt. Am Vortag hatte Lufthansa in der dritten Verhandlungsrunde ein erstes Angebot vorgelegt, das von der Gewerkschaft als „Skandal“ und „Provokation“ bezeichnet worden war. Die Gewerkschaft fordert 5,2 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, der Konzern will aber nur zwischen 2,7 und drei Prozent mehr zahlen - und dann für die nächsten 29 Monate Ruhe vor neuen Tarifverhandlungen haben. Quelle: dpa
Deutsche PostAuch die Mitarbeiter der Deutschen Post wollen mehr Lohn. Es kam in mehreren Bundesländern zu Warnstreiks, die Briefkästen blieben leer. Bislang sind zwei Verhandlungsrunden über Löhne und Gehälter ohne Ergebnis geblieben. Die Gespräche sollen nun am 25. April fortgesetzt werden. Verdi verlangt für die rund 132.000 Tarifbeschäftigten eine lineare Erhöhung der Einkommen um sechs Prozent, mindestens aber 140 Euro mehr im Monat. Die Post hat bislang noch kein Angebot vorgelegt. Quelle: dpa
StahlbrancheGenauso ungemütlich sind die Tarifverhandlungen für die Arbeitgeber der Stahlbranche: Die IG Metall verstärkt vor der zweiten Tarifrunde für mehr als 1,5 Million Metaller in Bayern und Baden-Württemberg den Druck auf die Unternehmen. „Wer jetzt die Vorlage eines anständigen Lohnangebotes hinauszögert, bettelt förmlich nach Warnstreiks“, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. Er erwarte für die Verhandlungen am 19. April in München für die rund 770.000 Beschäftigten im Freistaat ein verhandlungsfähiges Angebot und keine Provokationen. Zwei Stunden später startet auch in Ludwigsburg für die rund 740.000 Metaller in Baden-Württemberg die zweite Runde der Verhandlungen. Offen ist nach wie vor, ob und wo die Arbeitgeber ein Angebot vorlegen werden und welcher der beiden Tarifbezirke in dieser Runde die Funktion des Pilotbezirks übernimmt. Auf dem Tisch liegt die Forderung der IG Metall nach einer Lohnerhöhung von 5,5 Prozent. Die Arbeitgeber lehnen das bisher ab, stattdessen fordern die Verbände einen Abschluss mit möglichst langer Laufzeit und vor allem mit „Augenmaß“. Quelle: dpa
FloristenDie Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hatte dagegen bereits Erfolg: Ab Mai bekommen 30.000 Floristen 2,8 Prozent mehr Lohn. Das Gehaltsplus gilt allerdings nur für die Arbeitnehmer in den alten Bundesländern. Quelle: dpa
TelekomBei der Telekom bescherten die Tarifgespräche den Angestellten 2,1 Prozent mehr Lohn. Bei einer Inflation von rund 1,5 Prozent stiegen die Löhne real also nur um 0,6 Prozent. Quelle: dapd
ÄrzteÄrzte an Unikliniken bekommen seit dem ersten März 2,6 Prozent mehr Geld. Die Kollegen an den städtischen Kliniken bekommen ebenfalls 2,6 Prozent mehr, allerdings rückwirkend ab erstem Januar 2013. Quelle: dpa

Die Protestler fordern einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels, was das Unternehmen bisher ablehnt. Amazon orientiert sich an der Bezahlung in der Logistikbranche. Darin liegt der Konflikt. Überwinden lassen wird sich dieser wohl nicht so schnell. Die Positionen sind verhärtet. Es geht schließlich um Grundsätzliches. Und viel Geld. In Bad Hersfeld sind rund 3300 und in Leipzig etwa 2000 Mitarbeiter beschäftigt.

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