Zukunft des Handelskonzerns Experten bezweifeln Karstadt-Übernahme durch österreichischen Investor

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Eine Übernahme des krisengeschüttelten Karstadt-Konzerns durch den österreichischen Investor René Benko halten führende deutsche Handelsexperten derzeit für wenig wahrscheinlich.

Karstadt-Logo an einem Karstadt-Parkhaus Quelle: dpa

Stattdessen gehen die Experten von Standortschließungen aus und schätzen die Überlebenschancen des Essener Unternehmens teilweise auf unter 30 Prozent, berichtet die WirtschaftsWoche.
So rechnet Professor Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein keinesfalls mit einem Einstieg Benkos bei den Karstadt-Warenhäusern: „Nein, das Warenhausgeschäft ist extrem kapitalintensiv. Zudem wären die Schließungskosten für einen Investor viel zu hoch“, sagte er dem Magazin. Keinen Eigentümerwechsel erwartet auch Gert Hessert, der an der Universität Leipzig Handelsmanagement lehrt und früher selbst Karstadt- Manager war: „Das kann ich mir derzeit nicht vorstellen.“

„Herr Benko stünde vor ähnlichen Problemen wie Karstadt-Eigentümer Berggruen. Auch er müsste für eine Restrukturierung einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Ob er das tut, hängt vor allem davon ab welche alternativen Nutzungskonzepte es für die Karstadt-Immobilien gibt“, schätzt Joachim Stumpf die Lage ein, Geschäftsführer der BBE-Handelsberatung in München.

„Je nach Entwicklung des Geschäfts von Karstadt haben viele Warenhaus-Immobilien für Benko vermutlich einen höheren Wert ohne den Mieter Karstadt als mit ihm. Ob er tatsächlich das operative Geschäft übernimmt, ist daher fraglich“, sagt Handelsfachmann Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Karstadts Krisen-Chronik

Stattdessen erwarten die Handelsexperten, dass etliche der 83 Karstadt-Warenhäuser schließen werden. „Ich gehe davon aus, dass rund die Hälfte der derzeitigen Standorte wegfallen wird“, sagte Hessert der WirtschaftsWoche. „Langfristig ist der deutsche Markt nur groß genug für insgesamt 60 bis 70 Warenhäuser von Kaufhof und Karstadt zusammen“, erklärte Jörg Funder, Professor für Unternehmensführung im Handel an der Hochschule Worms. „Insgesamt gibt es in Deutschland rund 170 Warenhäuser, rund 70 Standorte sind verzichtbar, darunter auch Karstadt-Filialen“, prognostiziert auch Stumpf.

Ohne Investitionen sieht der BBE-Handelsexperte ohnehin für den gesamten Warenhauskonzern nur eine 20-bis 30-prozentige Überlebenschance. Auch Heinemann und Hessert geben dem Karstadt-Konzern schlechte Überlebenschancen: „Unter 30 Prozent“, lautet ihre Einschätzung.

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