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Zukunft von Karstadt Kaufhof Galeria-Rettung: Jetzt wird es ernst

Exklusiv
Bereits bis Mitte Juni soll es zu einer Einigung mit den Arbeitnehmervertretern von Galeria Karstadt Kaufhof kommen. Quelle: dpa

Mitte Juni sollen die Verhandlungen über einen Sozialplan bei Kaufhof und Karstadt abgeschlossen sein. Das gilt als Voraussetzung für einen Insolvenzplan – und für eine millionenschwere Finanzspritze des österreichischen Gesellschafters René Benko.

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Die Verhandlungen zur Rettung des angeschlagenen Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof gehen in die heiße Phase. Bereits bis Mitte Juni soll eine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern über ihre Zugeständnisse im Rahmen eines Interessenausgleichs/Sozialplan „komplett endverhandelt“ sein, geht aus einem Schreiben des Gesamtbetriebsrats hervor, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Die Rede ist von „hohem Zeitdruck“. Für Donnerstag und Freitag (5. Juni) soll die Tarifkommission der Gewerkschaft Verdi in Essen über die anstehenden Maßnahmen beraten. Anfang kommender Woche sollen die Beschäftigten über den Stand informiert werden.

Insolvenzsachwalter Frank Kebekus und Generalbevollmächtigter Arndt Geiwitz hatten im Interview mit der WirtschaftsWoche bereits erhebliche Einschnitte und das Aus für rund ein Drittel der 172 Warenhausstandorte angekündigt. Weitergehende Pläne, etwa die Ausgliederung der Warenservice-Teams konnten zwar „abgewendet“ werden, schreibt der Gesamtbetriebsrat des Warenhauskonzerns nun. Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, stehen aber dennoch vor herben Einbußen. So könnten die Abfindungen aus insolvenzrechtlichen Gründen ganz entfallen oder würden höchstens zweieinhalb Monatsgehälter betragen.

Die Arbeitnehmervertreter sehen auch insgesamt nur begrenzten Verhandlungsspielraum. „Der Generalbevollmächtigte hat erklärt, dass bereits spätestens im August 2020 weitere liquide Mittel in dreistelliger Millionenhöhe nötig sind“, zitiert die WirtschaftsWoche aus dem Papier. Der Gesellschafter, die österreichische Signa-Gruppe von René Benko, sei demnach bereit, weitere finanzielle Beiträge zu leisten; „Voraussetzung hierfür ist aber, dass es einen Insolvenzplan gibt“. Das „Ziel muss das Erreichen eines Insolvenzplans sein“, schreibt daher der Gesamtbetriebsrat. Im Arbeitnehmerlager ist allerdings durchaus umstritten, wie weit die Zugeständnisse gehen sollen. Auch eine gerichtliche Klärung scheint nicht ausgeschlossen. Zudem brechen zwischen den bis vor Kurzem selbständig agierenden Unternehmensteilen Kaufhof und Karstadt auch intern Konflikte auf. So äußern Arbeitnehmervertreter von Kaufhof teils Kritik am Vorgehen und der Kommunikationspolitik innerhalb des Betriebsrats.

Der Warenhauskonzern kämpft seit Jahren mit Umsatzverlusten. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schließungen haben die Probleme von Galeria Karstadt Kaufhof jedoch massiv verstärkt, weshalb das Unternehmen Anfang April eine Schutzschirm-Insolvenz einleitete. Für den Fortbestand des Unternehmens sollen neben den Arbeitnehmern auch Lieferanten, Vermieter und weitere Geschäftspartner Beiträge zur Sanierung leisten. Bis Ende Juni soll feststehen, wer zu welchen Zugeständnissen bereit ist. Auf dieser Basis wird ein Insolvenzplan erstellt, über den die verschiedenen Gläubigergruppen im Juli abstimmen.

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