Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt Wenn nicht jetzt, wann dann?

Karstadt-Eigner René Benko soll ein Übernahmeangebot für den Kölner Erzrivalen Kaufhof vorgelegt haben. Erstmals seit Jahren hat ein Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt echte Chancen, Realität zu werden. Für Kaufhof-Eigner Metro wäre der Verkauf ein Befreiungsschlag.

 Kaufhof und Karstadt in Düsseldorf Quelle: dpa

Die Idee, Kaufhof und Karstadt zur Deutschen Warenhaus AG zu verschmelzen, ist so etwas wie das Ungeheuer von Loch Ness des deutschen Einzelhandels. Alle paar Jahre tauchen Übernahmegerüchte auf und halten die Branche in Atem – zumindest für einen Sommer, bevor von den schönen Investment-Storys über Einsparpotenziale und Synergie-Effekte schließlich doch nur Legenden bleiben.

Jetzt ist es wieder so weit: Nessie-Zeit im Handel. Karstadt-Eigner René Benko soll ein Übernahmeangebot für den Kölner Erzrivalen Kaufhof vorgelegt haben. Doch diesmal steckt mehr dahinter als die allsommerliche Sichtung des Ungeheuers. Erstmals seit Jahren hat ein Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt echte Chancen, Realität zu werden.

Die Zinsen sind am Boden. Banken und Investoren pumpen selbst in abenteuerliche Projekte wieder Millionenbeträge. Für den österreichischen Immobilienunternehmer Benko sind das notwendige Voraussetzungen, um bei der Kaufhof-Mutter Metro überhaupt wieder als ernsthafter Gesprächspartner akzeptiert zu werden.

2012 war Benko noch bei Metro-Chef Olaf Koch abgeblitzt als er die Warenhaussparte übernehmen wollte. Seine Finanzierung wackelte. Stattdessen stieg der Österreicher später bei Karstadt ein, buhlte hinter den Kulissen aber weiter um Kaufhof. Zwischenzeitlich fühlte sich Koch von den Offerten des Österreichers zwar regelrecht genervt, doch dessen Beharrlichkeit scheint sich nun auszuzahlen.

So verdient Benko sein Geld

Befreiungsschlag für Metro

Frühere Bedenken des Kaufhof- und Metro-Vorstands, dass bei einem Verkauf an Benko die Zukunft des Unternehmens nicht vollständig gesichert sei, scheinen - wenn überhaupt - nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Vielmehr lautet die Devise in Düsseldorf:

Wenn nicht jetzt, wann dann. Tatsächlich waren die Perspektiven noch nie so verlockend, die Aussichten aus Metro-Sicht selten so günstig. Auf einen Schlag könnte der Düsseldorfer Handelskonzern die durch die währungsbedingten Probleme im Russland-Geschäft arg strapazierte Kasse füllen – auf bis zu drei Milliarden Euro wird der Wert von Kaufhof taxiert.

Das Warenhausgeschäft gilt im Konzern seit Jahren ohnehin als Auslaufmodell, zu kostspielig wäre eine Expansion ins Ausland, als zu antiquiert gilt das Format in Zeiten von Amazon und Zalando. Vielleicht noch wichtiger: Auch für Metro-Chef Koch wäre der Verkauf ein Befreiungsschlag. Sein Großaktionär, das Düsseldorfer Ruhrgebietskonglomerat Haniel, sitzt ihm seit Monaten im Nacken und fordert lautstark eine bessere Perfomance des Handelskonzerns ein. Mit einem Verkauf wäre Koch das Problem zunächst los.

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Die Österreicher um Benko würden sich im Gegenzug vor allem Zeit für die Sanierung von Karstadt kaufen. Die derzeitige Stärke von Kaufhof wirkt für Karstadt wie eine lebensverlängernde Maßnahme. Ob die allerdings ausreichen wird, um dem Patienten tatsächlich zur Heilung zu verhelfen, ist mehr als fraglich.

Bei Kaufhof-Mitarbeitern wächst denn auch die Angst, mit in das Karstadt-Drama um Schließungen und Sparmaßnahmen hinein gezogen zu werden. Für sie steht Nessie nicht für das Auftauchen einer neuen unternehmerischen Chance  - sondern bleibt schlicht ein Ungeheuer.

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