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Handelskonzern Metro versucht den Neustart in China

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Cordes

Um all das zu ändern, hat sich Cordes einen neuen China-Chef für das C&C-Geschäft gesucht. Tino Zeiske ist das, was man hier eine „Old China Hand“ nennt: Der Deutsche hat weit mehr als zwei Jahrzehnte Chinaerfahrung. Bevor er zu Metro kam, arbeitete er für die damalige Hypo Vereinsbank im Reich der Mitte. Schon in den Achtzigerjahren, als China mit der Öffnung seiner Wirtschaft begann, hatte Zeiske in Shanghai studiert und Chinesisch gelernt.

Der Aufwand zahlt sich jetzt aus. Der Manager kann ohne zeitraubende Übersetzungen mit seinen Marktleitern die Planung für die kommenden Monate besprechen. Hinter vorgehaltener Hand räumen die Düsseldorfer allerdings ein, mit der Besetzung ihrer Führungspositionen in China in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen gehabt zu haben.

Seine Verbindungen will Zeiske jetzt nutzen, um den Einkauf auf ein neues Fundament zu stellen. In Zukunft will Metro seine Waren in China nur noch direkt bei den Erzeugern beziehen. Das Geschäft mit kostentreibenden Großhändlern soll der Vergangenheit angehören. „Je mehr Leute dazwischen hängen, desto schwieriger wird es“, sagt Zeiske.

Kürzere Anfahrtswege

Darüber hinaus wollen die Deutschen neue C&C-Märkte nur noch in den Ballungszentren im wohlhabenden Osten bauen. Verlustbringer in den abgelegenen Regionen werden notfalls geschlossen, wenn sich die Lage nicht bessert. Außerdem können Kunden wie Restaurantbesitzer Ma sich künftig über kürzere Anfahrtswege freuen: Metro will seine C&C-Märkte vor allem in den Innenstädten bauen, auch wenn die Mieten dort höher ausfallen: „Wir gehen dorthin, wo die Restaurants und Kantinen sind“, verspricht China-Kenner Zeiske.

Zum Beispiel in die Huaihai-Straße, eine der besseren Adressen in Shanghai. Luxuslabel wie Cartier und Bulgari haben hier Geschäfte neben Kaufhäusern, ständig eröffnen neue Restaurants, Cafés und Garküchen. In unmittelbarer Nachbarschaft der Einkaufsstraße hat Metro darum Anfang November einen neuen Markt eingeweiht.

Nur große Verpackungen

Unter dem Namen HoReCa wollen die Deutschen mit dem 2100 Quadratmeter großen Geschäft ausschließlich Hotels, Restaurants und Caterer versorgen. Das Angebot der im Vergleich zu den C&C-Märkten deutlich kleineren HoReCa-Geschäfte richtet sich streng an Profikunden.

Zwar betont Metro häufig, in allen C&C-Märkten des Konzerns dürften ausschließlich Geschäftskunden einkaufen. In der chinesischen Praxis jedoch bekommen auch Privatkunden bei Metro eine Kundenkarte. „Wir weisen niemand ab“, sagt Konzernchef Cordes. Das ginge in China nicht.

Das wird bei HoReCa anders: Kaffee gibt es dort nur in Großpackungen, Reis in Säcken zu einem halben Zentner, und Milch geben die Metro-Verkäufer nur in Kartons mit zwölf Ein-Liter-Packungen ab. Helle Scheinwerfer und niedrige Decken sorgen für angenehmes Ambiente.

„Wir müssen uns in direkter Nachbarschaft unserer Kunden festsetzen“, sagt Zeiske. In China fahre, anders als in Deutschland, kein Restaurantbesitzer eine Stunde mit dem Auto, um die Vorräte aufzustocken. In Indien hat Metro aus dem gleichen Grund in den vergangenen Jahren sein Konzept radikal umgekrempelt und nur noch kleinere C&C-Märkte eröffnet.

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