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Handelskonzern Wie tickt Arcandors neuer Chef Karl-Gerhard Eick?

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Seine Ziele & Visionen

Kai Uwe Ricke (l) und Rene Quelle: REUTERS

Der neue Posten dürfte sich für Eick ähnlich anfühlen wie der Umzug von einer Großstadt in die Provinz. Arcandor erwirtschaftet ein Drittel des Umsatzes der Telekom und beschäftigtet rund 70.000 Mitarbeiter – bei den Bonnern sind es mehr als dreimal so viele. Doch mit dem Wechsel erreicht Eick eines seiner wohl wichtigsten Ziele: Er wird die unumstrittene Nummer eins – und nebenbei auch noch reich. In den kommenden vier Jahren soll er insgesamt einen zweistelligen Millionenbetrag verdienen – Erfolgsprämien noch nicht eingerechnet.

Schon bei der Telekom war Eick als Kandidat für den Chefsessel gehandelt worden. 2002 gab der Aufsichtsrat jedoch Kai-Uwe Ricke den Vorzug, 2006 machte René Obermann das Rennen. Als die Privatbanker von Sal. Oppenheim ihm im Herbst 2008 den Führungsjob in der zweiten Liga andienten, schlug Eick zu. Seine Vision für Arcandor dürfte sich daher mit den Interessen des Großaktionärs decken, wobei offen bleibt, ob Eick als Sanierer oder Verwerter antritt.

Seine Vorlieben & Abneigungen

Eick ist begeisterter Läufer und versucht seine 30 bis 40 Kilometer in der Woche zu schaffen. Entspannung findet er aber auch in der Musik, sowohl beim Zuhören als auch aktiv an seinem Flügel. Eick begann schon als Sechsjähriger mit dem Klavierspiel. Besonders angetan hat es ihm Johann Sebastian Bach. Ohne Eick gäbe es wohl auch den Bonner Musikwettbewerb Beethoven Competition nicht. Für den Sieger machte der Telekom-Finanzchef – und gleichzeitig Vorsitzende des Organisationskomitees – 30.000 Euro locker. Wer weiß, vielleicht streicht dereinst Eicks Sohn Alexander die Prämie ein. Der 20-Jährige will Konzertpianist werden. Jenseits der Musik legt Eick Wert auf Geschwindigkeit. Beim Skifahren erarbeitete er sich den Ruf, eine wahre Pistensau zu sein. Zudem schwärmt er für den Sportwagen Audi R8, der es auf bis zu 300 Kilometer pro Stunde bringt. Der Tempo-Mann hasst nichts mehr als Unpünktlichkeit. Allenfalls Zigarettenrauch im Auto vermag Eick ähnlich in Rage zu versetzen.

Seine Vorbilder

Vorbilder oder gar Idole sind dem eingefleischten Finanzmann so suspekt wie außergewöhnliche Belastungen in der Bilanz. Eher schon packt Eick die Leidenschaft, wenn er von großen Deals berichtet, die auch noch bargeldlos und trickreich über die Bühne gehen. Die als Fusion verkaufte Übernahme des amerikanischen Autoherstellers Chrysler durch Daimler-Benz 1998 soll Eick auch Jahre später noch imponiert haben. Der Ausgang des Auto-Experiments dürfte für ihn allerdings auch eine Warnung gewesen sein, für die milliardenschwere Expansionsgelüste seiner Telekom-Vorstandskollegen ähnlich ausgefeilte Finanzierungspläne zu ersinnen. Stattdessen verhandelte Eick Beteiligungsdetails lieber jahrelang persönlich durch oder schmetterte teure Übernahmen ganz ab.

Bei Arcandor wird Eick sein Transaktionsgeschick aber wohl tatsächlich unter Beweis stellen müssen. Der Konzern will die Kaufhausgruppe Karstadt loswerden, heißt es. Womöglich wäre eine Liaison mit der Metro-Tochter Kaufhof und der anschließende Weiterverkauf an einen dritten Investor ein Deal nach Eicks Geschmack.

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