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Handyhersteller Was eine Nokia-Übernahme durch Microsoft bringen würde

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Microsoft-Vorstandschef Quelle: dapd

Denn bis zuletzt dominierten in der Nokia-Führungsspitze Handwerker, die schöne Handys zusammenschrauben können, aber wenig vom Programmieren bedienerfreundlicher Software verstehen. Hier könnte Microsoft Nokia helfen; im Gegensatz zu Symbian ist Windows Phone 7 eine völlige Neuentwicklung. Im Falle eines Zusammenschlusses könnte Microsoft versuchen, seine neue Smartphone-Plattform Windows Phone 7 auf die Nokia-Handys zu bringen. Das würde die Reichweite der eigenen Software deutlich erhöhen. Dadurch würde Microsoft wiederum mehr Softwareentwickler ermutigen, auch Apps für Windows-Handys zu entwickeln.

Schon heute verfügt Microsoft über eine gigantische Entwicklergemeinde und dürfte für Windows-Handys schnell eine große Zahl von mobilen Softwareanwendungen, sogenannte Apps, an den Start bekommen. Auch auf diesem Gebiet hinkt Ovi, der App-Store von Nokia, weit abgeschlagen hinterher: Apple kommt auf über 250 000 Apps für das iPhone, Google auf mehr als 80 000 Android-Programmschnipsel. Nokia veröffentlicht keine Zahlen, dürfte aber bestenfalls auf 10 000 kommen. Weil Microsoft-Chef Ballmer um die Bedeutung der Apps weiß, will er neben den 500 Millionen Dollar für Werbung ohnehin eine weitere halbe Milliarde Dollar in die Hand nehmen, um App-Entwickler für Windows Phone 7 zu bezahlen.

Handy-Fertigung auslagern?

Der Niedergang von Nokia spielt Microsoft-Chef Ballmer insofern in die Hände, als er den Handyriesen dadurch vergleichsweise preiswert übernehmen könnte. 2009 betrug die operative Marge im Nokia-Handygeschäft nur noch knapp 12 Prozent – gegenüber 17 Prozent im Jahr 2008. Entsprechend sackte der Börsenwert ab. In den vergangenen drei Jahren gab die Nokia-Aktie um rund 70 Prozent nach. War Nokia noch vor zehn Jahren mit einem Börsenwert von über 300 Milliarden Euro eines des wertvollsten Unternehmen Europas, beträgt die Marktkapitalisierung aktuell nur noch knapp ein Zehntel. Leisten könnte sich Microsoft eine Übernahme deshalb allemal. Der Börsenwert von Nokia entspricht ungefähr den Beträgen, die Microsoft gerade flüssig hat.

Könnte Microsoft bei Nokia auf offene Türen stoßen? Immerhin hatte zuletzt auch der mittlerweile geschasste Vorstandschef Kallasvuo dem Unternehmen einen Radikalumbau weg vom Gerätebauer hin zum Softwareunternehmenverordnet. Schon berichten Nokia-Mitarbeiter, die Softwerker hätten bei ihnen inzwischen die Macht übernommen; die lange so dominante Hardwarefraktion warte nur noch auf ihre Vorgaben. Diesen Kurs dürfte der neue Chef Elop als langjähriger Software-Mann weiterführen oder verstärken.

Dennoch bleiben auch diverse Zweifel an der industriellen Logik eines Zusammenschlusses von Nokia und Microsoft. So stammen beispielsweise rund 30 Prozent des Nokia-Umsatzes aus dem extrem kriselnden Geschäft mit Netzwerk-Hardware aus dem Joint Venture Nokia Siemens Networks. Für derlei hat Microsoft keine Verwendung. Wollten die Amerikaner den Klotz loswerden, dürfte es schwer sein, wegen des harten Wettbewerbs mit chinesischen Netzausrüstern einen Käufer zu finden.

Viel Zeit kann sich Elop an der Nokia-Spitze nicht mehr lassen, um den Handy-riesen interessant für Microsoft zu machen. Denn der Anfang der vergangenen Woche zurückgetretene Nokia-Smart-phone-Chef Anssi Vanjoki schloss im letzten WirtschaftsWoche-Interview nicht mal mehr aus, dass sich Nokia langfristig komplett aus der Handyproduktion zurückzieht (WirtschaftsWoche 49/2009). Zwar folgte das Dementi aus der Konzernzentrale prompt. Doch solche Gedankenspiele gibt es bis heute im Nokia-Vorstand. Wird die Software zum entscheidenden Kriterium beim Handykauf, lässt sich die Geräteproduktion getrost auslagern. 

Vielleicht fädelt Elop, wenn er in dieser Woche in Espoo nahe Helsinki antritt, ja auch einen ganz anderen Deal für seinen Ex-Arbeitgeber ein. Nokia könnte auch der größte und wichtigste Lizenznehmer von Windows Phone 7 werden. „Ich freue mich darauf, mit ihm in seiner neuen Position bei Nokia zusammenzu-arbeiten“, schrieb Elops Ex-Boss Ballmer in einer offenen E-Mail an die Microsoft-Mitarbeiter vieldeutig. So oder so gilt also: Mach’s noch einmal, Stephen.  

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