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Hans Heinrich Driftmann Wie tickt der neue DIHK-Präsident?

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Vorlieben

Mercedes S-Klasse: Quelle: AP

Auf die Mercedes S-Klasse lässt Driftmann nichts kommen. Von der Sicherheit der Edelkarosse konnten sich Driftmann und sein Fahrer unfreiwillig überzeugen, als sich ihr 500 SEL vor Jahren durch Aquaplaning zweimal überschlug, die Leitplanken durchbrach und eine Böschung hinabrollte. Beide blieben unversehrt. Zudem sähe sein CC-Schild – Driftmann ist Honorarkonsul von Venezuela – am Heck einer anderen Automarke merkwürdig aus, findet er.

Driftmann ist ein Viel- und Schnellleser – sehr zur Freude seiner Buchhändlerin. Er entspannt bei Bach und Beethoven und begeistert sich für historische Krimis. In seiner Freizeit schwimmt er (im Pool der Schwiegereltern), joggt (in einem Wald in der Nähe seiner Privatvilla) und wandert strammen Schrittes. Driftmann gilt zudem als Freund und Kenner von Marinemalerei. In seinem Büro hängen Ölgemälde, die die Kaiseryacht Meteor vor Kiel zeigen.

Vorbilder

Heldenverehrung ist keine Spezialität für norddeutsche Charaktere. Kraft schöpft Hans Heinrich Driftmann vielmehr aus seinem Glauben – und ähnelt da stark dem scheidenden DIHK-Präsidenten Braun, der seinen Mitarbeitern regelmäßig Bibel-Zitate auf ihre PCs schicken ließ.

Großes Interesse hat Driftmann an historischen Persönlichkeiten. Biografien zählen daher zu seiner bevorzugten Lektüre. Besonders gern beschäftigt sich der Unternehmer und Oberst der Reserve mit Büchern über den Eisernen Kanzler, Otto Fürst von Bismarck, dessen Altersruhesitz Friedrichsruh nur 90 Kilometer von der Kölln-Unternehmenszentrale in Elmshorn entfernt liegt. An Bismarck imponiert Driftmann vor allem das strategische Denken.

Stärken & Schwächen

Durchhaltevermögen und starke Nerven werden Driftmann attestiert. Die braucht er. Täglich. Denn als Chef der Flocken- und Müslidynastie Kölln kämpft er gegen übermächtige Branchenriesen. Sei es gegen den milliardenschweren US-Konzern Kellogg, die Oetker-Gruppe oder Discounter wie Lidl, die mit billigen Eigenkreationen der Marke aus Elmshorn das Leben schwer machen.

Driftmann ist da ein norddeutscher Sturkopf und enthält die Kölln-Marke den Billigheimern vor. Eine riskante Strategie, denn der Marktanteil von Aldi, Penny, Netto & Co. nimmt stetig zu. Auch der Einstieg von Kellogg mit eigenen Müslis liegt Driftmann schwer im Magen.

Driftmann stellt zwar langfristige Erfolge vor kurzfristige Effekte, kann aber auch schnell entscheiden. Als er 2004 dem Lebensmittel-Multi Unilever die Marken Livio, Palmin und Biskin abkaufen kann, wird der Deal zwar akribisch vorbereitet, im Familienrat aber in einer Blitzsitzung durchgewinkt. Kölln hat mit den Marken den Umsatz knapp verdoppelt – sie aber gleich wieder verkauft und zurückgeleast. Eigentümerin ist die Commerzleasing. Seine strategischen Talente machte sich auch die Bundeswehr zunutze. An der Führungsakademie hat Driftmann eine Zeit lang Generalstabsoffiziere ausgebildet.

Driftmann ist Frühaufsteher, ab 7 Uhr ist er im Büro. Er schätzt konzentrierte, straff organisierte Arbeit. „Bis 11 Uhr gehöre ich dem Unternehmen, danach dem Ehrenamt."

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