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Hapag-Lloyd Containerschifffahrt in ihrer größten Krise

Hapag-Lloyd hat die Bitte um Staatshilfe dementiert, doch das Unternehmen braucht dringend Geld. Die Containerschifffahrt befindet sich in einer dramatischen Krise. Auch der dänische Branchenführer Maersk rutscht in die Verlustzone ab - erstmals seit mehr als 60 Jahren.

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Immer weniger Quelle: dpa

Leere Container, leere Frachter: Wohl nirgends zeigt sich die Krise der Weltwirtschaft so deutlich, wie in den Häfen der Welt. „Das ist die schlimmste Krise in der Geschichte der Containerschifffahrt", sagt Jesper Praestensgaard, Südostasien-Chef der dänischen Reederei Maersk, der größten Containerschifffahrtsgesellschaft der Welt.

Auch die deutsche Containerreederei Hapag-Lloyd leidet unter dem Geschäftseinbruch und sucht dringend nach Geldquellen. Einen Bericht der "Financial Times Deutschland", nachdem das Unternehmen über einen Kredit der staatlichen KfW von bis zu 300 Millionen Euro verhandele, hat das Unternehmen allerdings zurückgewiesen. Auch aus Berliner Regierungskreisen hieß es, es gebe weder einen offiziellen Antrag noch eine Voranfrage. Doch bis Hapag-Lloyd um Staatshilfe bittet, ist es wohl nur eine Frage der Zeit.

Hapag-Lloyd braucht dringend Geld

Denn grundsätzlich ausschließen will Hapag-Lloyd einen Antrag auf Staatsgelder nicht. „Wir prüfen alle Möglichkeiten ergebnisoffen und werden uns dann entscheiden“, sagte der Hapag-Sprecher.

Miteigner Klaus-Michael Kühne hatte vorige Woche in einem Interview gesagt, staatliche Hilfe "würde sicherlich Sinn machen und müsste dann auch zügig gewährt werden". Der Logistik-Unternehmer Kühne ist neben der Stadt Hamburg und einigen Finanzinstituten einer der Bieter, die sich in dem Konsortium Albert Ballin zusammengeschlossen hatten, das im Frühjahr die Hapag-Mehrheit von TUI erworben hatte.

Alternativ käme auch der ehemalige Mutterkonzern und Mehrheitseigner TUI als Geldgeber in Frage. „TUI muss einen Beitrag dazu leisten, dass Hapag-Lloyd wieder atmen kann“, sagte Kühne. Mehreren mit der Situation vertrauten Personen zufolge hat sich Hapag aber noch nicht mit einem Hilferuf an die frühere Mutter gewandt, die noch 43 Prozent an der Reederei hält. „Es wurde noch keine Anfrage an TUI gestellt, mehr Geld zur Verfügung zu stellen“, sagte ein Insider.

Containerschifffahrt in der Krise

Neben einer Verschärfung des Sparkurses bei Hapag ist Kreisen zufolge im Gespräch, den Mehrheitseigner, das Konsortium Albert Ballin, um zusätzliche Mittel zu bitten.

Eine Vorentscheidung über den Weg aus der Krise könnte bereits an Mittwoch fallen. Dann treffen sich die Hapag-Gesellschafter, um über die schwierige Lage zu beraten.

Zudem überprüfen Berater von Roland Berger derzeit das Unternehmen in Hinblick auf zusätzliche Sparmaßnahmen. Bislang hatte das Unternehmen angekündigt, 2009 die Kosten um 365 Millionen Dollar zu senken. Allein im ersten Quartal hat Hapag-Lloyd einen operativen Verlust von 222 Millionen Euro eingefahren. Hapag-Lloyd ist die nach Kapazität fünftgrößte Reederei der Welt in der Containerschifffahrt.

Die Krise trifft die gesamte Branche. „Einen derartigen Einbruch hatten wir noch nie“, sagt Maersk-Manager Praestensgaard. Zum ersten Mal seit den Siebziger Jahren ist die Containerschifffahrt rückläufig. Die Reeder waren jährliche Zuwachsraten von zehn Prozent gewohnt, ein Plus von vier Prozent gilt als historisches Tief.

Das Containerschiff Quelle: dpa

Für das laufende Jahr rechnet Maersk mit einem Einbruch des Geschäfts um zehn Prozent. Im  Jahr 2010 dürfte das Geschäft stagnieren, erklärte der für das Containergeschäft zuständige Vorstand Eivind Kolding,dem Wirtschaftsnachrichtendienst "Bloomberg".

Maersk betreibt mit mehr als 300 Schiffen die größte Container-Flotte der Welt. Der Branchenführer hat bereits zwei Routen zwischen Asien und Europa stillgelegt, zwölf Frachter aus dem Verkehr gezogen und schon im vergangenen Jahr 3000 Mitarbeiter entlassen.

Für die Reedereien ist jeder Transport zurzeit ein Minusgeschäft. Laut Morgan Stanley kostet der Transport eines Standardcontainers von Asien nach Europa jetzt zwischen 300 und 500 US-Dollar. Im Sommer 2008 konnten die Reeder noch bis zu 1800 Dollar verlangen. "Alle Reedereien verlieren im Moment Geld", sagt Praestensgaard.

Überkapazitäten bei den Schifffahrtsunternehmen nehmen zu

Doch die Probleme könnten noch zunehmen, denn die Überkapazitäten bei den Schifffahrtsriesen steigen weiter an.

Erst im vergangenen Jahr nahm Maersk acht der größten Frachter der Welt mit einem Fassungsvermögen von jeweils 13 000 Standardcontainern in Betrieb. Weltweit haben Werften Bestellungen für 1400 neue Containerschiffe, deren Fassungsvermögen entspricht 60 Prozent der heutigen Kapazität.

A.P.Møller-Maersk ist das nach Umsatz größte dänische Unternehmen. Es besitzt Anteile an Banken, fördert Öl und Gas aus der Nordsee, betreift Werften und Supermarktketten. Diese Diversifizierung sorgte bislang für stabile Gewinne. Doch die Containersparte von A.P. Moeller-Maersk hat im ersten Quartal 2009 einen Verlust von 559 Millionen Dollar eingefahren. Im Mai hatte der Konzern mitgeteilt,  wegen der Probleme mit der Containersparte sei auch für das Gesamtjahr ein Nettoverlust möglich. Das wäre seit dem zweiten Weltkrieg das erste Mal, in die roten Zahlen rutscht.

Umdenken bei Maersk

Als Konsequenz kündigte der Industriekonzern an, dass man sich künftig stärker auf andere Geschäftssparten konzentrieren wolle.

Konzernchef Nils Smedegaard sagte in der Zeitung „Berlingske Tidende“, das Reedereigeschäft habe in den letzten Jahren „schlechte Resultate“ eingefahren. Er meinte zudem: „Bei Investitionen werden wir deshalb unser Hauptaugenmerk in Zukunft auf das Ölgeschäft und Hafenterminals legen.“

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