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Haustiermarkt Teure Freunde: Der Milliardenzirkus um Hund und Katz

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Ultraschalluntersuchung bei Quelle: dpa

2009 verzeichneten die Marktforscher von Nielsen einen Anstieg der Werbeausgaben für Tiernahrung um satte 45 Prozent auf 61,8 Millionen Euro. Fachblätter vom Hochglanzmagazin „dogs“ bis zum Verbandsorgan „Kaninchenzeitung“ profitieren von den Anzeigenmillionen ebenso wie diverse Online-Angebote.

Fischfans klicken auf AquaNet.tv, einen 24-Stunden-Sender für Aquarianer, und Hundehalter können ihren Liebling bei dogspot.de oder stadthunde.com, zwei Facebook-Versionen für Vierbeiner, mit Artgenossen vernetzen.

Das jüngste Reklameexperiment wagte der Nestlé-Konzern. An 1500 Litfaßsäulen in Nordrhein-Westfalen ließ das Unternehmen Reklame für seine Hundefuttermarke Beneful kleben. Die Plakate zogen Gassigänger geradezu magisch an – sie waren mit Futter-Geruchsstoffen imprägniert worden. Der Slogan der Aktion: „Vertrauen Sie der Nase Ihres Hundes“.

Der Erfolg solcher Marketingoffensiven ist kaum noch zu übersehen. In den USA gelten 44 Prozent aller Hunde und 57 Prozent der Katzen als übergewichtig. In Deutschland dürfte die Speck-Rate nur leicht darunter liegen.

Moppelige Mopse und pummelige Perser

Selbstverständlich könnten die Besitzer moppelige Mopse und pummelige Perser auf halbe Ration setzen oder auf das in der Human-Diätologie bewährte Mittel der Ertüchtigung – sprich: mehr Bewegung – zurückgreifen. Aber dafür fehlt dem Halter oft die Zeit, meist aber die Nerven.

Die Industrie kontert den Trend zum adipösen Tier auf ihre Weise – mit teuren Light- und Gesundheitsprodukten. Fettarme Köterknödel bringen Waldi auf Linie, probiotisches Katzenfutter möbelt Minkis Darmflora auf, und Sing-Elixier ölt Hansis Stimme. Functional Food nennt sich derlei Nahrung mit Zusatznutzen und ist noch ein harmloser Auswuchs der tierischen Gesundheitsbewegung (siehe Kasten).

Der Doktor und das liebe Vieh

Dass drei- oder gar vierstellige Beträge für medizinische Eingriffe durchaus üblich sind, wissen viele Tierhalter aus der Praxis. Herrchens und Frauchens Angst vor teuren Operationen ruft wiederum Versicherer auf den Plan. Zweistellige Wachstumsraten bei Tierkrankenversicherungen, vermeldet die Uelzener Gruppe. Der Marktführer für Tierversicherungen hat rund 100.000 Tiere unter Vertrag.

Angesicht der Wachstumschancen haben auch Manager des Assekuranzriesen Allianz ihre Tierliebe entdeckt und bieten spezielle Policen an. Das Kalkül: Wenn es um das Wohl des Heimtiers geht, will niemand knausern.

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