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Haustiermarkt Teure Freunde: Der Milliardenzirkus um Hund und Katz

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Hundegrab auf dem Tierfriedhof Quelle: dpa

„Wir sind hungrig und noch lange nicht satt“, versichert auch Fressnapf-Chef Toeller, drängt aber zunächst in den Online-Versandhandel, der bisher vom Internet-Shop Zooplus dominiert wird. Toellers Expansionsfieber scheint die gesamte Branche infiziert zu haben.

Martin Rüter, Autor des Bestsellers „Hund-Deutsch/Deutsch-Hund“, eröffnet bundesweit Schulzentren, in denen Schwanzwedler lernen, Stöckchen zu holen. Der Edel-Großhändler Koko von Knebel schickt sich derweil an, das Land mit Luxus-Boutiquen einzudecken. Dort bieten Verkäufer so wertvolle Dinge an wie Blingmania, eine mit Swarovski-Steinen bestückte Hundecouch für 12.999 Euro. In Berlin kooperiert die Edelkette denn auch artgerecht mit Udo Walz, der sonst gern Prominentenhaare trimmt.

In München hat vor einem Jahr das 1,2 Millionen Euro teure Luxus-Hundehotel Canis Resort eröffnet und hat so viel Zulauf, dass Gründer Thomas Gerteis mit weiteren Filialen starten will. Das Konzept sei schließlich „auf Skalierbarkeit ausgelegt“, sagt Gerteis.

Wo der Hund begraben liegt

Filialisierung, Segmentierung, Vermenschlichung – spätestens wenn Minki stirbt, fließen all jene Entwicklungen zusammen, die das Tiergeschäft beleben.

Tierbestatter mit klangvollen Namen wie Anubis oder Im Rosengarten suchen Franchise-Nehmer und werben mit „günstigem Direkteinkauf“ und „zeitnaher Einäscherung“. Das Geschäft läuft.

Seit 2002 hat sich die jährliche Zahl der Bestattungen auf Tierfriedhöfen mehr als verdreifacht, die Zahl der Einäscherungen schnellte nach oben.

Wenn Schatzi in Rauch aufgeht, darf es an nichts fehlen. Der trauernde Kunde wählt zwischen Einzel- oder Sammeleinäscherung, kann einen Videomitschnitt buchen oder das Krematorium persönlich besuchen. Tier-Urnen-Kataloge preisen Porträt-, Designer- und Pyramidenurnen. Auch Bücherimitationen aus Harz stehen als letzte Ruhestätte hoch im Kurs.

Nur der Streit um Geld trübt bisweilen den harmonischen Abschied. So hat das Amtsgericht Köln Ende Januar die Herausgabe des tiefgefrorenen Terrier-Mischlings Benny verfügt. Die Besitzerin hatte eine Tierbestatterin verklagt, die gedroht hatte, den Kadaver in die Tierverwertung zu geben, falls ihre Rechnung über 250 Euro nicht vorab bezahlt würde. Nun soll der tote Hund andernorts verbrannt werden. Bennys Asche will die Besitzerin in ihrer Wohnung verwahren.

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