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"Hindenburg"-Produzent Nico Hofmann "Es gibt eine eigene RTL-Dramaturgie"

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Bertelsmann

Mit welcher Zuschauerzahl rechnen Sie für "Hindenburg"?

Meine Quotenerwartung ist definitiv hoch. Damit RTL-Chefin Anke Schäferkordt und unser Produzent Sascha Schwingel, der für die "Hindenburg" verantwortlich zeichnet, glücklich sind, muss der Film deutlich über 25 Prozent Marktanteil landen.

Und wenn das nicht klappt?

Dann wird RTL seine Gesamtstrategie im Bereich Event-Fernsehen sicher nachdrücklich ändern. "Hindenburg" ist für RTL, für uns und für die ganze Branche ein Leuchtturmprojekt. Wenn "Hindenburg" nicht fliegt, wüsste ich ehrlich gesagt nicht, mit welchem Stoff wir bei RTL Erfolg haben sollten.

Die Zahl der fürs Fernsehen produzierten Filme in Deutschland ist stark gesunken. Setzt sich der Negativtrend fort?

Die Nachfrage nach Filmen und Serien hat in der Tat nachgelassen. Im Jahr 2000 haben vor allem RTL und Sat.1 noch sehr viele Movies produzieren lassen. Die Zeiten sind vorbei. Statt TV-Filme laufen dort nun vor allem Shows und Reality-Formate wie "Dschungelcamp" oder "Restauranttester". Aber auf den noch vorhandenen Programmplätzen schlagen sich Fernsehspiele sehr gut; gleichzeitig erleben wir gerade ein Comeback der deutschen Serie wie die Anwaltsreihe "Danni Lowinski". RTL und Sat.1 haben je drei bis vier neue Reihen beauftragt, das ist für die Produktionsbranche von erheblicher Wichtigkeit.

Allerdings profitieren offenbar nur wenige Produzenten davon, die Konsolidierung der Branche ist doch im vollen Gange?

Und sie wird sich weiter fortsetzen, weil der Anteil von Fernsehspielen und Serien nicht mehr steigen wird. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das in den kommenden Jahren ändert.

Teamworx dagegen macht einen Jahresumsatz von etwa 70 Millionen Euro und wächst seit der Gründung 2001?

Zu Umsatzzahlen möchte ich mich grundsätzlich nicht äußern, aber gehen Sie davon aus, dass wir uns tatsächlich abkoppeln konnten von der allgemeinen Entwicklung. Wir wachsen seit Jahren und haben 2010 30 Projekte realisiert – darunter auch zwei bis drei große Einzelstücke wie die "Hindenburg".

Was macht Teamworx anders?

Wir rühren kein Projekt an, bei dem wir nicht in die Gewinnzone kommen. Deshalb sind wir auch eine der wenigen Firmen, die im Bereich der Großprojekte nicht defizitär arbeitet – viele andere drehen Event-Filme aus Renomeegründen und zahlen drauf. Das ist mit uns nicht zu machen: "Wir wollen etwas wie die ,Hindenburg‘, aber 30 Prozent billiger, als Sie vorschlagen" – solche Senderwünsche sind schlicht nicht realisierbar.

Warum nicht?

Wenn man eine bestimmte Produktqualität haben möchte, kostet das Geld – man kann nicht „Stalingrad“ bestellen und dann die Panzer nicht bezahlen. Allerdings gibt es in jeder Produktion bei den Kosten einen Spielraum von 20 bis 30 Prozent. Wir haben etwa das Budget des für das ZDF geplanten Dreiteilers "Unsere Mütter, unsere Väter" von 20 auf knapp 12,7 Millionen Euro gekürzt. Das erforderte aber klare Veränderungen im Drehbuch – in Absprache mit dem ZDF. Ich muss als Produzent hinter dem fertigen Film stehen können, denn im Alltagsgeschäft leben wir von unseren bisherigen Erfolgen.

Teamworx ist mit allen großen deutschen TV-Sendern im Geschäft – nur nicht mit dem Bezahlsender Sky. Warum nicht?

Wir wollen mit Sky ins Gespräch kommen. Ich bin ganz sicher, dass Bezahlfernsehen in Deutschland nur wirklich funktioniert, wenn Sky anfängt, eigenständiges Programm zu produzieren. Schauen Sie sich den Erfolg des Abosenders HBO mit Serien wie "Sex and the City" in den USA an. Zuschauerbindung erzielen sie nicht nur durch Hollywood-Ware, die früher oder später im Free-TV läuft. Deshalb wird niemand Sky-Abonnent. Aber in dem Moment, wo Sky drei-, viermal im Jahr ein Event wie "Hindenburg" ins Programm holt, sieht das sicher anders aus. Um sich wirklich abzuheben, braucht Sky ein starkes Eigenprogramm.

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