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"Hindenburg"-Produzent Nico Hofmann "Es gibt eine eigene RTL-Dramaturgie"

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Sprechen Sie mit dem deutschen Sky-Chef Brian Sullivan?

UFA-Chef Wolf Bauer führt den Dialog; auch der Erfolg eines Films wie "Laconia", unserer ersten 13 Millionen Euro teuren Koproduktion mit einem englischen Partner, die Anfang Januar mit hervorragenden Quoten auf BBC2 lief und die die ARD im vierten Quartal zeigt, hilft mir womöglich an dieser Front.

Die Nutzung des Internets steigt weltweit weiter – laufen dem Fernsehen auf Sicht nicht die jungen Zuschauer davon und Ihnen die traditionellen Auftraggeber?

Wenn ich merken würde, dass die Zuschauer wirklich immer mehr reine Web-Inhalte konsumieren wollten, würden wir darauf reagieren. Aber das ist nicht der Fall. Bei aller Euphorie über Internet-Medien ist das traditionelle -Fernsehen für die meisten Menschen noch immer das Unterhaltungsmedium Nummer eins. Die Fernsehnutzung steigt weiter, jeder Deutsche schaut täglich im Schnitt mehr als drei Stunden Fernsehen, Tendenz steigend.

Aber die Zuschauer laden sich auch immer öfter Inhalte aus dem Netz herunter.

Stimmt, aber dabei handelt es sich vor allem um Programme aus den Mediatheken der Sender, und das sind alles hochkarätige Inhalte, die zuvor von RTL, Sat.1 oder dem ZDF bezahlt worden sind. Originäres Internet-Fernsehen im klassischen Sinn findet dagegen nicht statt. Ohne die TV-Sender könnten Sie das Thema komplett vergessen.

Und wenn jetzt ein finanzstarker Player wie die Deutsche Telekom von Ihnen ein Projekt wie "Hindenburg" will?

Das würde sich auch die Telekom nur leisten, wenn sie im Rahmen eines Verbundsystems etwa mit einem Pay-TV-Sender Erlöse generiert, um die Produktionskosten zu refinanzieren. Das könnte durchaus Zukunftsmusik sein.

Erwarten Sie ein engeres Zusammenwachsen von Internet und TV?

Höchstens in der Distribution der Inhalte. Es ist psychologisch ein gravierender Unterschied, ob jemand das Internet, den Computer und das Mobiltelefon benutzt oder fernsieht. Die Zeit des Fernseherlebnisses als "Lagerfeuer" der Nation ist längst nicht vorbei. Das Bedürfnis nach Erlebnissen und Geschichten, die Gemeinsamkeit stiften, nimmt im familiären Umfeld eher wieder zu.

Das müssen Sie ja auch sagen – es geht um Ihr Geschäftsmodell...

Nein, es geht mir um Inhalte, um die Nachhaltigkeit von Programmen, wir sind Erfinder von Programmen. Und ich sehe noch nicht, dass wir uns mit diesem Know-how des epischen Erzählens im Netz wiederfinden. Ich habe kein Interesse daran, YouTube-Beiträge von zweieinhalb Minuten Länge zu machen. Das sind bestenfalls Häppchen, visuelle Brausebonbons, die schmecken einmal kurz süß und sind dann schnell weg. Das Web muss seine eigenen fiktionalen Programmformen entwickeln; wenn wir hier neue Wege finden, sind wir als Fiction-Produzenten an vorderster Front gefragt.

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