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Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter "Glauben ist in der Kirche"

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Haben Sie die Gefahr nicht gesehen, dass Hochtief mit seiner soliden Finanzlage, zwei Milliarden Euro Cash, vollen Auftragsbüchern und zu niedrigem Börsenkurs ein ideales Übernahmeziel abgibt?

Natürlich haben wir uns damit befasst! Aber die Welt hatte sich nach der Lehman-Pleite verändert. Der Hochtief-Kurs lag kurzfristig unter 20 Euro – jetzt ist er dreimal so hoch. In der Krise wäre es gefährlich gewesen, sich höher zu verschulden, weil Kunden und Banken auf eine starke Bilanz Wert legen.

Wie gut waren Sie auf eine Attacke vorbereitet?

Wir haben seit Jahren regelmäßig Szenarien durchgespielt für genau diesen Fall. Nur dadurch hatten wir so schnell ein schlagkräftiges Team beisammen und sind jetzt schon sehr weit in unseren Überlegungen.

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    Von Beratern halten Sie doch eigentlich nicht viel. Beim gescheiterten Börsengang der Tochter Hochtief Concessions im Dezember 2009 waren Ihre Erfahrungen nicht gut...

    Da muss man differenzieren. Ich kriege manchmal Ratschläge von Leuten, die können im praktischen Leben keinen Nagel in die Wand schlagen. Aber mit unseren Partnern haben wir ein sehr starkes Team.

    Wer oder was kann ACS noch daran hindern, über die fast erreichte 30-Prozent-Hürde zu kommen und auch die 50-Prozent-Marke zu schaffen?

    Es gibt viele Angriffspunkte – warten Sie ab.

    In Spanien blockierte Madrid 2006 den Versuch des Düsseldorfer Energieriesen E.On, den spanischen Versorger Endesa zu übernehmen. Hoffen Sie im Gegenzug nun auf Schützenhilfe der Bundesregierung?

    Wir gehen davon aus, dass Berlin ein Interesse daran hat, dass die deutsche Bauindustrie international wettbewerbsfähig bleibt. Hochtief ist der internationale Player in Deutschland.

    Sind die Spanier durch staatlichen Protektionismus im Vorteil?

    Der spanische Markt ist für Bauunternehmen aus dem Ausland regelrecht abgeschottet. Der massiv über EU-Mittel finanzierte Infrastrukturausbau in Spanien hat dort in geschütztem Umfeld einige Großkonzerne entstehen lassen, die enorme Gewinne erwirtschaftet haben. Es wäre schon grotesk, wenn Hochtief von einem spanischen Konzern übernommen würde, der seine Größe unter anderem EU-Steuermitteln – auch aus Deutschland – verdankt.

    Die Giftpillen in Form von Ausstiegsrechten (Change-of-Control-Klauseln) in Hochtief-Verträgen lassen ACS offenbar kalt.

    Ich glaube, dass ACS das Thema sehr wohl als Risiko auf dem Ticker hat.

    Wie kommt es denn bei Ihnen an, dass ACS Ihre Kunden jetzt anschreibt?

    Offenbar wollte ACS seiner Wertschätzung für Hochtief noch größeren Ausdruck verleihen und ist dabei ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Das kam bei unseren Kunden aber nicht gut an: Man will dort den Partner, den man im Ausschreibungsverfahren ausgewählt hat und mit dem man jetzt vertrauensvoll zusammenarbeitet.

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