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Hochtief-Chef Stieler "Wir haben keine Angst vor der Krise"

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Umsatz und Ergebnis der Hochtief-Unternehmensbereiche Quelle: Hochtief

An der Börse scheint die Hochtief-Aktie einen Spanien-Malus zu haben, weil ACS sich immer noch nicht geäußert hat, was sie konkret mit Hochtief vorhaben.

Ich habe gerade in London, New York und München mit Investoren und Analysten gesprochen. Die fragen, was Hochtief macht, und nicht, was ACS macht. Von einem Malus habe ich nichts gespürt.

Und was erzählen Sie den Analysten?

Wie wir Wachstum generieren wollen. Europa und die USA wachsen zwar generell weniger stark, aber es gibt auch dort enorme Wachstumsnischen wie die Energiewende. Wir wollen profitieren von Erzeugung, Transport und Speicherung von Strom.

Erfüllt der Bau von Windkraftanlagen vor den Küsten intern die Erwartungen?

Das Geschäft wächst noch stärker als vor einem Jahr von Herbert Lütkestratkötter angekündigt. Wir haben schon zwei große Hubplattformen und anderes Großgerät in Betrieb. Mit der belgischen DEME-Gruppe bauen wir zurzeit das leistungsfähigste Hubschiff zum Bau von Offshore-Windkraftanlagen. Weitere Schiffe sind in Planung. Neu ist, dass wir solche Windparks im Meer künftig auch entwickeln werden.

Warum?

Offshore-Projekte kämpfen zunehmend mit technischen Problemen. Die können wir verhindern, indem wir uns mit unserem Know-how schon im Vorfeld einklinken und Risiken bei den Planungen beseitigen – etwa bei der Untersuchung der geologischen Gegebenheiten, die für die Standsicherheit entscheidend sind. So erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt zustande kommt und bringen es früher zur Reife. Wir beteiligen uns dafür im einstelligen Prozentbereich an Offshore-Konzessionen, die wir aber nicht dauerhaft halten, sondern nur so lange, wie wir noch an der Planung oder dem Bau beteiligt sind und durch unsere Expertise den Wert steigern. Spätestens wenn die Anlage fertig gebaut ist, verkaufen wir die Konzessionsanteile wieder.

Wie wollen Sie beim Stromtransport mitmischen?

Der Übergang zu erneuerbaren Energien, vor allem der Windkraft, erfordert allein in Deutschland den Bau von rund 4000 Kilometer Hochspannungsleitungen. Von dem damit verbundenen Auftragsvolumen in zweistelliger Milliardenhöhe wollen wir uns – zusammen mit der im Stromtrassenbau erfahrenen ACS-Tochter Cobra – einen nennenswerten Anteil sichern. Wir sind auch in der Lage, Hochspannungstrassen unterirdisch in sogenannten Powertunneln zu verlegen. Die sind zwar teurer als oberirdische Leitungen. Aber es geht schneller, weil kein Widerstand der Bevölkerung zu erwarten ist. Vor allem in stadtnahen Gebieten wäre das für einige Hundert Kilometer Hochspannungsnetz die bessere Lösung.

Auf was konkret setzen Sie beim Thema Stromspeicherung?

Wir entwickeln neue Techniken – etwa Pumpspeicherwerke in ehemaligen Bergwerken. Voraussetzung dafür ist, dass es oberhalb des Bergwerks ein Oberflächengewässer gibt, also einen See oder einen Fluss. Durch den Austausch zwischen ober- und unterirdischem Wasserspeicher über Turbinen lässt sich der Energieüberschuss speichern, den Windkraftanlagen bei starkem Wind produzieren. Demselben Prinzip folgt ein anderes Forschungsprojekt: wassergefüllte Betonkugeln mit mehr als 30 Meter Durchmesser. Die liegen in großer Tiefe auf dem Meeresboden. Bei Stromüberschuss pumpt die Windenergie das Wasser aus der Kugel heraus, bei Strombedarf strömt das Wasser mit hohem Druck durch Turbinen in die Kugel zurück und erzeugt Energie.

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