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Hochtief-Chef Stieler "Wir haben keine Angst vor der Krise"

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Das klingt eher nach Science-Fiction als nach Umsatz für die kommenden Jahre.

Wir erwirtschaften mit Energie-Infrastruktur schon heute mehrere Milliarden Umsatz und hohe Renditen. Die Offshore-Windkraft zeigt, wie schnell sich Märkte entwickeln können. 2010 haben wir Neuaufträge für fast 400 Millionen Euro verbucht. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit solchen Innovationen wie den Betonkugeln schon in einigen Jahren sehr erfolgreich sein werden. Ohne die deutsche Bauwirtschaft ist die Energiewende nicht zu schaffen.

Die Story von Bilfinger Berger kommt an der Börse besser an: Der Bilfinger-Kurs ist seit Mai, als Sie Ihr Amt übernahmen, um 11,5 Prozentpunkte weniger gesunken als die Hochtief-Aktie.

Ich schaue auf unseren Kurs und stelle fest, dass er sich parallel zum MDax entwickelt. Investoren verstehen und begrüßen unsere Wachstumsgeschichte. Die Kursziele der Analysten liegen deshalb auch deutlich über dem augenblicklichen Kurs.

Bilfinger Berger will noch stärker weg vom konjunkturanfälligen Baugeschäft hin zu Dienstleistungen. Hochtief, hören wir aus dem Unternehmen, diskutiert stattdessen eine Renaissance des Baugeschäfts?

Unsere drei Standbeine sind Entwickeln, Bauen und Betreiben. Wir glauben, dass wir mit unserer Kompetenz in der Lage sind, mit Bauen sehr anständige Renditen zu erwirtschaften. Deshalb investieren wir in der Tat auch in den Bau: Wir kaufen in Kürze an der Westküste Kanadas ein Hochbauunternehmen mit einem Umsatz von deutlich mehr als 100 Millionen Euro. Zudem prüfen wir in Indien die Übernahme einer Ingenieurbaugesellschaft – ebenfalls ein Zukauf in dreistelliger Millionenhöhe.

Macht Ihnen da nicht die drohende weltweite Rezession Sorgen?

Wir haben keine Angst vor der Krise. Die letzte Finanz- und Wirtschaftskrise haben wir wie kaum ein anderes Unternehmen gemeistert. Wir sind weltweit gut aufgestellt, und es ist uns gelungen, Hochtief durch weniger konjunktursensible Geschäftsfelder abzusichern. In den USA zum Beispiel haben wir uns schon lange aus dem Wohnungsbau zurückgezogen, daher waren wir von der Häuserkrise kaum betroffen. Wenn nun dort beim Staat und den Kommunen das Geld für Verkehrsprojekte knapp wird, bieten wir sogenannte PPP-Projekte an: Hochtief hat gerade in Kalifornien den Auftrag für den Presidio Highway gewonnen, die Zufahrt zur Golden Gate Bridge in San Francisco. Das Projekt wird in öffentlich-privater Partnerschaft realisiert. Es ist unser erstes PPP-Projekt in den USA.

Wie läuft das deutsche Baugeschäft?

Wir nähern uns der Drei-Prozent-Umsatzrendite, was für den deutschen Markt sehr erfreulich ist: Der Branchendurchschnitt liegt bei den größeren Bauunternehmen bei etwa 1,8 Prozent. Durch die unvermeidlichen Investitionen in den Erhalt und die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur – etwa maroder Brücken aus den Siebzigerjahren – könnte unser Baugeschäft in Deutschland insgesamt wieder wachsen. Dazu wird auch die Energiewende beitragen, die unabhängig von jeder Krise kommen wird.

Sie freuen sich über knapp drei Prozent Umsatzrendite beim Bau. Warum verkaufen Sie dann die Flughafenbeteiligungen des Geschäftsbereichs Concessions, obwohl die Renditen dort zum Teil über 25 Prozent liegen?

Entscheidend ist für uns die Kapitalrendite. Gemessen daran ist das Baugeschäft durchaus attraktiv, weil dort kein Geld gebunden ist – im Gegensatz zu den Flughäfen. Insgesamt gilt: Wir wollen Kapital nur dort einsetzen, wo wir eine Wertsteigerung erzielen und nicht nur eine Rendite auf das gebundene Kapital. Wir betreiben zwar seit vielen Jahren Flughäfen, das ist aber nicht unser Kerngeschäft. Das besteht darin, ein niedrig bewertetes Asset zu kaufen, zu optimieren, den Wert zu steigern und dann wieder zu verkaufen. Genau das haben wir bei den Flughäfen durchgeführt.

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