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Hotel Nächste Runde im Kampf ums Adlon

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Eine Mehrheit gegen Jagdfeld – 50 Prozent des Kapitals plus eine Stimme – war somit greifbar. Vertreter der Schutzgemeinschaft prognostizierten gar „mehr als 60 Prozent“. Doch dann holte Jagdfeld zum Gegenschlag aus. Anfang August traf er auf einer Roadshow in sechs deutschen Großstädten Hunderte Anleger, um sie davon zu überzeugen, nicht gegen ihn zu stimmen. Was ihm in etlichen Fällen gelang: „Einige Investoren, die mit mehreren hunderttausend Euro beteiligt sind, haben daraufhin ihre Vollmachten widerrufen“, berichtet ein Mitglied der Schutzgemeinschaft.

Charisma: Vorteil Jagdfeld

Zudem gelang es Jagdfeld während der Versammlung am Freitag, viele der rund 800 erschienenen Anleger auf seine Seite zu ziehen. Dabei profitierte er von seinem Charisma: Der Multiunternehmer besitzt schließlich die Gabe, Menschen zu überzeugen. Er tritt staatsmännisch auf, wirkt sympathisch – und auf dieser Ebene hatte Fritsch ihm nichts entgegenzusetzen.

„Herr Fritsch ist ein hervorragender Jurist, der blendende Schriftsätze und Anschreiben verfassen kann“, berichtet ein Teilnehmer. „Aber für Auftritte vor Hunderten Leuten ist er nicht geschaffen.“ Sein aggressives Auftreten habe auf die Anleger, die meist bereits im Rentenalter sind, abschreckend gewirkt. „Jagdfeld war inhaltlich zwar nicht weniger aggressiv, wirkte wegen seines präsidialen Auftretens aber letztlich sympathischer.“

Hinzu kam ein strategischer Fehler der Adlon-Rebellen, wie ein anderer Anleger berichtet. „Herr Fritsch wusste, dass Jagdfeld Kritik an seinem steuerlichen Konzept üben würde. Darauf hätte er vorbereitet sein müssen – war er aber nicht.“

Anleger fürchten den Fiskus

Hintergrund: Nach Angaben von Jagdfeld hätte Fritschs Plan, den geschäftsführenden Kommanditisten auszutauschen, zu einer höheren Steuerbelastung für den Fonds – und möglicherweise für die Anleger - geführt. Fritsch argumentierte zuvor in Anschreiben an Anleger, dass sich das durch Umstrukturierungen problemlos beheben lasse. „Aber während der Versammlung hat es Jagdfeld geschickt verstanden, Zweifel am steuerlichen Konzept zu säen“, berichtet der Anleger. „Herr Fritsch hätte dazu ein Gutachten vorbereiten lassen müssen.“

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