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HP-Hardware-Chef Bradley "Wir spielen führende Rolle im Tablet-Markt"

Der Chef der Hardware-Sparte von Hewlett-Packard kämpft um seine Glaubwürdigkeit und richtet eine Kampfansage an Apple.

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WirtschaftsWoche: Herr Bradley, Hewlett-Packard (HP) hat viel Energie und Geld investiert, größter PC-Hersteller zu werden. Und jetzt, da Sie den weltweiten Markt dominieren, will HP-Chef Léo Apotheker die Personal Systems Group (PSG) aufgeben. Entwertet das nicht Ihre Arbeit?

Bradley: Es gab viele Missverständnisse seit der Ankündigung im August. Die Hardware-Sparte – die weit mehr ist als nur PCs – ist und bleibt relevant für uns. Ich glaube auch nicht, dass irgendjemand bei HP ein Segment, das im Jahr 40 Milliarden Dollar Umsatz und zwei Milliarden Gewinn liefert, nicht angemessen schätzt.

Warum führen Sie es dann nicht fort?

Wir führen es fort. Nur halten wir es für besser, das Hardware-Geschäft vom Rest von HP zu trennen und so stärker und innovativer und besser zu werden. Der Plan ist, die PSG in eine eigene Gesellschaft auszugründen und die Anteile an die HP-Aktionäre zu übertragen. Die können dann von unserem künftigen Erfolg profitieren.

Die Investoren scheinen nicht recht überzeugt: Nach der Ankündigung der Neuausrichtung stürzte die Aktie von fast 35 Dollar ab und dümpelt jetzt bei 23 Dollar.

Das ist leider wahr. Nicht jeder versteht unsere neue Strategie sofort. Aber wir arbeiten intensiv daran, das zu ändern.

Kunden und Partner von HP sind genauso verwirrt: 2010 haben Sie 1,2 Milliarden Dollar für den Handheldpionier Palm gezahlt, um mit dessen mobilem Betriebssystem webOS neue Tablet-Computer, Smartphones, Drucker und PCs zu entwickeln. Jetzt beerdigen Sie die webOS-Gerätesparte. Wie passt das zusammen?

Märkte ändern sich schnell. Darauf müssen wir reagieren und das Partnern und Kunden erklären. Ich habe in den letzten Wochen eine Menge Leute getroffen, die verstehen, dass unsere neue Strategie uns eine Menge Chancen eröffnet.

Wenn HP so plötzlich und radikal seine Strategien aufgibt, können sich Ihre Kunden dann überhaupt noch auf Versprechen zu Unternehmens- und Produktstrategie verlassen?

Wir haben kein Glaubwürdigkeitsproblem, und keiner sonst sollte es haben. HP war in den vergangenen 70 Jahren verlässlich und hat alles eingehalten, was wir versprochen haben. Das hat sich jetzt nicht geändert, und es wird sich nicht ändern. Punkt.

Mit Verlaub: Sie und Vorstandschef Apotheker haben noch in diesem Sommer immer wieder betont, dass Tablet-PCs und Smartphones der nächste große Wachstumsmarkt der IT-Industrie seien...

Auch da hat sich nichts geändert.

...und dass HP diesen Markt aggressiv erschließen werde. Gerade erst haben Sie Ihren Konkurrenten zu Apples iPad, das webOS-Tablet TouchPad, und Ihr Smartphone Pre3 auf den Markt gebracht. Und kurz darauf steigen Sie aus beiden Märkten schon wieder aus und stellen die Produktion ein. Versprechen halten sieht anders aus, oder?

Auch da gab es einige Missverständnisse und Fehlinterpretationen: Wir haben nie gesagt, dass wir das Tablet-Geschäft aufgeben. Wir werden nur selbst keine webOS-tablets mehr herstellen. Wir wollen und werden definitiv eine führende Rolle im Tablet-Markt spielen.

Warum sollte denn irgendein Partner oder Lizenznehmer noch an den Erfolg der web‧OS-Plattform – gegen Apples iOS oder Googles Android – glauben, wenn nicht mal HP als Eigner der Software darauf setzt?

Das tun wir doch. Nur weil Microsoft keine PCs baut, heißt das doch auch nicht, dass sie nicht mehr an Windows glauben. Mit uns ist das nicht anders. Wir wollen das Potenzial, das in webOS steckt unbedingt nutzen, und wir wollen das webOS-Ökosystem weiter stärken. Wir unterstützen die Nutzer-Communities; unsere Software-Spezialisten sprechen auf Entwicklerkonferenzen. Wir haben viel Geld für Palm in die Hand genommen, um Zugriff auf die extrem innovative webOS-Plattform zu bekommen – und wir geben das nicht auf.

Angenommen, der HP-Verwaltungsrat stimmt der Ausgründung des Hardware-Geschäfts zu: Werden Sie die neue, eigenständige PSG führen?

Die Entscheidung liegt beim Verwaltungsrat. Aber ich habe schon klargemacht, dass ich diese Rolle übernehmen möchte. Die PSG selbstständig agieren zu lassen würde uns große Chancen bei der Geschäftsentwicklung eröffnen. Und ich würde das definitiv umsetzen wollen.

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