WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Huawei Umstrittener chinesischer Export

Seite 2/3

Huawei im Vergleich zum Wettbewerb (Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken) Quelle: Unternehmensangaben

Das Unternehmen ist kerngesund – die Rendite liegt bei sieben Prozent. Dennoch hat es ein Problem: „Unser Wachstumschancen in China sind begrenzt“, erklärt Xu, „hier ist der Markt streng reguliert.“ Lediglich drei große Anbieter teilen sich im Reich der Mitte den Markt für Festnetz und Mobilfunk.

Das Unternehmen muss deshalb vorrangig im Ausland wachsen. In Europa gelingt das gut, das Geschäft boomt. Im vergangenen Jahr kam Huawei hier auf einen Umsatz von gut zwei Milliarden Dollar. In Deutschland etwa zogen die Chinesen 2007 Aufträge von rund 200 Millionen Dollar an Land, in diesem Jahr sollen es doppelt so viele sein.

Sorgen bereitet dagegen das US-Geschäft. Hier ist Xus Lächeln ganz besonders gefordert. Gerade mal 100 Millionen Dollar hat Huawei in den USA im vergangenen Jahr umgesetzt. Der Grund: Die US-Regierung misstraut dem aufstrebenden Giganten aus Fernost. Konzernchef Ren, aktives Mitglied der Kommunistischen Partei, hat jahrelang als Offizier in der chinesischen Volksbefreiungsarmee gedient. Darum werden dem Unternehmen noch heute enge Kontakte zu Militär und Geheimdienst nachgesagt.

Auch die Eigentümerstruktur des Konzerns ist im Dunkeln. Rund 20.000 Mitarbeiter halten fast 100 Prozent der Anteile, behaupten die Firmenoberen. Gründer Ren soll noch zwei Prozent der Anteile besitzen. Belege dafür gibt es aber nicht, stattdessen Gerüchte über finanzielle Verflechtungen zwischen dem Konzern und der Regierung. Marketingchef Xu bringen diese Verdächtigungen in Rage. „Wir haben weder Verbindungen zum Militär noch werden wir irgendwie von der Regierung gefördert“, wettert er. „Wir sind ein reines Privatunternehmen.“

An den Haaren herbeigezogen sind diese Gerüchte aber nicht. So hat Peking auch schon anderen Firmen bei der weltweiten Expansion unter die Arme gegriffen. „Huawei hat großzügige Kredite bekommen“, ist sich der Chef der Beratungsfirma Chinabrand Consulting, Hans Joachim Fuchs, sicher, der das Unternehmen mithilfe verdeckter Ermittler untersucht hat.

Einstieg in den US-Markt bis jetzt nicht geglückt

Mindestens ein wichtiger Deal in den USA ist Huawei wegen der angeblichen Verbindungen zum chinesischen Militär bereits durch die Lappen gegangen. Zusammen mit der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital wollten die Chinesen den US-Telekomausrüster 3com übernehmen, wobei die Chinesen einen Anteil von 16,5 Prozent bekommen sollten.

Doch Washington blockiert das Geschäft, weil 3com unter anderem das US-Verteidigungsministerium mit Anwendungen ausstattet, die das Pentagon vor Cyberattacken schützen sollen. Das Pentagon verdächtigt Peking, sich im vergangenen Jahr in großem Stil in US-Netze eingeloggt zu haben. Der Einstieg der Chinesen bei 3com wäre ein „verdeckter Angriff auf die nationale Sicherheit Amerikas“, heißt es in Washington. Zudem habe Huawei nach Angaben des amerikanischen CIA dem Hussein-Regime im Irak noch im Jahr 2.000 Telekomanlagen verkauft.

Huawei-Manager Xu hält diese Anschuldigungen für „Bullshit, wir wollen doch lediglich eine Minderheitsbeteiligung haben“. Er glaubt, die Amerikaner versuchten auf diese Weise nur, unliebsame Konkurrenten vom US-Markt auszuschließen. „Alle behaupten, die USA seien der freieste Markt der Welt“, sagt Xu, „das ist aber nicht der Fall.“ Umgekehrt aber dürfe der amerikanische Konkurrent Cisco Telekomanbieter in China mit Produkten beliefern.

Nachdem der Einstieg bei 3com geplatzt ist, versuchen die Chinesen nun, mit einem Trick durch die Hintertür in den amerikanischen Markt einzudringen: Sie wollen einen Teil ihrer Handysparte an einen US-Investor verkaufen in der Hoffnung, so interpretieren Beobachter diesen Schritt, dass dem dann amerikanisch-chinesischen Konzern der Markt in Nordamerika offen stünde.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%