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Huawei Umstrittener chinesischer Export

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Huawei-Chef Ren (rechts), Premier Wen Quelle: Reuters

Aber nicht nur die angeblichen Armee- und Regierungsverbindungen bringen Huawei immer wieder ins Gerede. Auch sein Umgang mit den Mitarbeitern hat Huawei viel Kritik eingebracht. So hat der Konzern in China geschickt das neue Arbeitsgesetz, das im Januar in Kraft getreten ist, ausgehebelt. Dies sieht unter anderem vor, dass Mitarbeiter, die mindestens zehn Jahre bei derselben Firma beschäftigt sind, einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten müssen. Im vergangenen November, kurz vor Inkrafttreten des Gesetzes, kündigten zeitgleich gut 5.000 Huawei-Angestellte, die kurz vor Erreichen des zehnten Jahres der Betriebszugehörigkeit standen. Anschließend stellte Huawei die Mitarbeiter mit befristeten Verträgen wieder ein. Kritiker behaupten, die Konzernspitze habe die Angestellten zur Kündigung gezwungen. Xu hat dazu naturgemäß eine eigene Interpretation: „Wir haben unsere Mitarbeiter um Kündigung gebeten, und sie haben es gemacht.“ Versüßt hat Huawei den betroffenen Mitarbeitern die Kündigung mit einem Bonus zwischen 2000 und 16.000 Euro.

Konzernchef Ren, ein glühender Anhänger Mao Tse-tungs, auch was seine Kleidung betrifft, führt Huawei wie ein General. Neueinsteiger im Unternehmen müssen, so erzählen ehemalige Mitarbeiter, erstmal an einem vierwöchigen militärischen Training teilnehmen. Das soll den firmeneigenen sogenannten „Geist der Wölfe“ fördern. Ein Unternehmen brauche gerade in der Entwicklungsphase, schrieb Ren im Intranet seines Unternehmens, „eine Schar Wölfe“, die drei Eigenschaften haben müssten: scharfe Wahrnehmung, Bereitschaft zur Selbstaufopferung und Teamgeist.

Selbstmorde von Mitarbeitern sorgen für Aufsehen

Noch bis vor zwei Jahren wurde jedem Mitarbeiter beim Eintritt ins Unternehmen eine dünne Matratze ausgehändigt, um im Büro übernachten zu können, wenn es abends spät wird. Das sei zwar inzwischen verboten, berichten Mitarbeiter, werde aber immer noch praktiziert, denn immer noch seien extrem viele Überstunden gefordert.

Manche Angestellte halten dem Druck der Vorgesetzten nicht stand. Immer wieder sorgen Selbstmorde von Huawei-Mitarbeitern für Aufsehen. Im vergangenen Jahr etwa nahm sich der 26-jährige Zhang Rui das Leben. In den Tagen zuvor hatte er seinem Vater gegenüber über großen Druck und Stress in der Firma geklagt. Huawei behauptet dagegen, die Belastung des Mitarbeiters habe sich in Grenzen gehalten, entschädigte die Familie aber mit einem Betrag von umgerechnet rund 1000 Euro. Auch in diesem Jahr hat ein Huawei-Mitarbeiter seinem Leben ein Ende gesetzt, der zuvor über extreme Belastung am Arbeitsplatz geklagt hatte.

Trotz dieser gelegentlichen Negativschlagzeilen gilt Huawei als Traum-Arbeitgeber bei jungen Chinesen. Von rund 12.000 Bewerbungen im vergangenen Jahr berichtet Eric Xu. Gerade mal zwei Prozent der Kandidaten hat der Konzern ein Jobangebot gemacht.

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