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Hypo Real Estate Besser dran mit Eurohypo

Der marode Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate steuert nach der Verstaatlichung auf eine Fusion mit der Commerzbank-Tochter Eurohypo zu.

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Axel Wieandt, der Chef des Quelle: dpa

Wer in den Achtzigerjahren eine Banklehre absolvierte, wurde in der Berufsschule etwa so begrüßt: „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Berufswahl, es gibt keine arbeitslosen Bankkaufleute.“ Und als Karriereziel schwärmten Lehrkräfte vom Vorstandsposten bei einer Hypothekenbank: „Das ist der schönste und ruhigste Job, den Sie kriegen können.“

Beides hat sich mittlerweile geändert. Auch Banker werden vor die Tür gesetzt, und bei den deutschen Immobilienbanken ist es mit der Ruhe schon lange vorbei. Seit gut zehn Jahren dreht sich das Fusionskarussell. Lange besaßen Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank mindestens eine eigene Hypothekenbank. Nach und nach fusionieren die kleinen Institute. 2002 werfen die drei Großbanken ihre Töchter zusammen zur Eurohypo, Immobilienfinanzierungen gelten nicht mehr als Kerngeschäft. Deren Hauptkonkurrent ist schon damals die Hypo Real Estate (HRE), deren Geschäfte bombig laufen. Die Münchner wollen unbedingt wachsen und sich deshalb 2005 die Eurohypo schnappen. Doch der damalige Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller ist auf einmal doch wieder Fan des Immobiliengeschäfts und macht von seinem Vorkaufsrecht für die Eurohypo Gebrauch.

Nachdem die goldenen Jahre des Geschäfts inzwischen vorbei sind, könnten die beiden Institute doch noch zusammenkommen: Nach Informationen der WirtschaftsWoche aus Aufsichtsratskreisen der HRE sowie dem Umfeld des Bundesfinanzministeriums ist ein Zusammenschluss der HRE und der Eurohypo zu einer großen Pfandbriefbank eine bevorzugte Lösung.

Die HRE ist vom florierenden Institut zum Bittsteller geworden. 102 Milliarden Euro an Garantien von Bund und Finanzinstituten waren bereits nötig, um die Münchner Bank vor der Pleite zu bewahren. Doch das ist immer noch nicht genug. In der vergangenen Woche wurde ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) bekannt, nach dem bei der HRE im schlimmsten Fall 235 Milliarden Euro ausfallen könnten. Das könnte weitere Rettungsmaßnahmen notwendig machen.

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    Eurohypo wäre ein guter Partner für HRE

    Mit der unendlichen Geschichte soll jetzt Schluss sein. Der Bund will die Bank verstaatlichen, notfalls gegen den Willen der Altaktionäre. Damit dürfte sich das Rating der Bank verbessern, und sie könnte sich günstiger Geld für ihre Geschäfte am Kapitalmarkt beschaffen. Der ehemalige Chef des Bankenrettungsfonds Soffin, Günther Merl, schätzt, dass die HRE dann künftig 1 bis 1,5 Milliarden Euro jährlich an Zinsen sparen könnte.

    Langfristig soll HRE-Chef Axel Wieandt die Bank jedoch vom Staatstropf nehmen und fit für die Privatwirtschaft machen. So steht es im Gesetzentwurf, der am kommenden Freitag den Bundesrat passieren soll. Damit die HRE auf eigenen Beinen stehen kann, ist ein massiver Umbau nötig, möglicherweise auch die Verschmelzung mit einem Partner. Nach Informationen der WirtschaftsWoche ist die bevorzugte Lösung die Fusionierung mit der Eurohypo. Das wäre auch für die ebenfalls angeschlagene Commerzbank ein Befreiungsschlag.

    HRE-Aufsichtsratschef Michael Endres hat bereits öffentlich verkündet, er sehe die Hypo Real Estate als „Andockstation“ für andere Hypothekenbanken. Die HRE würde gut zur Commerzbank-Tochter passen: Beide finanzieren Immobiliengeschäfte und öffentliche Projekte. Beide gehören darüber hinaus zu den größten Pfandbrief-emittenten in Deutschland.

    Wie sich die abgestürzte Hypo Real Estate (HRE) und die angeschlagene Commerzbank-Tochter Eurohypo ergänzen würden

    Bisher hat die Commerzbank immer betont, kein Interesse zu haben. Insider zweifeln allerdings daran, dass das so bleibt. „Ein Zusammenschluss mit der Eurohypo wäre konsequent“, sagt ein Insider. Dass die Commerzbank dementiert, sei logisch, da die HRE in ihrer derzeitigen Verfassung kein potenzieller Partner sei. Beim Bundesfinanzministerium heißt es offiziell, die volle Aufmerksamkeit sei darauf gerichtet, die Kontrolle bei der HRE zu übernehmen. Zu darüber hinausgehenden Spekulationen äußere man sich nicht.

    Der Deal wäre auch für die Commerzbank von Vorteil, an der der Staat ein Viertel der Aktien hält. Die Eurohypo aus dem Konzern zu lösen würde Vorstandschef Martin Blessing helfen. Die Immobilientochter fuhr 2008 einen Verlust in Höhe von 1,24 Milliarden Euro ein, eine Wende ist nicht in Sicht. Das Neugeschäft stockt, und die Risiken bei gewerblichen Immobilienkrediten seien „sehr kritisch“, so der Geschäftsbericht. Für den Bereich Staatsfinanzierung rechnet die Eurohypo in diesem Jahr mit einem „negativen Ergebnisbeitrag“. „Die Margen in diesem Geschäft sind grundsätzlich sehr gering“, sagt Steffen Sebastian, Professor für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg.

    Hinzu kommt, dass Blessing nach der Fusion mit der Dresdner Bank angekündigt hat, die Bilanzsumme deutlich zu reduzieren. Die Bank soll auf die Kerngeschäftsfelder konzentriert werden.

    Vor- und Nachteile einer Fusion

    Die Kerngeschäfte der gesundgeschrumpften Eurohypo und HRE könnten unter dem Dach einer Holding zusammengeführt werden, an dem der Bund die Mehrheit hält und Garantien gibt. Für die Bundesregierung liegt der Charme darin, dass sie dadurch den Pfandbriefmarkt stabilisieren kann.

    Denn die HRE ist einer der größten Herausgeber von Pfandbriefen. Ginge die Bank pleite, würden Pfandbriefe zwar nicht wertlos, weil sie mit Immobilien als Sicherheiten unterlegt sind. Dennoch besteht die Gefahr, dass der Markt durch eine Insolvenz unter Druck gerät. „Einige Investmentgesellschaften sind gezwungen, ihre Pfandbriefe zu verkaufen, wenn sich das Rating der ausgebenden Bank verschlechtert“, sagt Olaf Stotz, Wirtschaftswissenschaftler der Frankfurt School of Finance. Derartige Notverkäufe könnten einen Preisverfall nach sich ziehen. „Die Folgen bekämen dann auch Privatanleger zu spüren, die indirekt über Lebensversicherungen oder Rentenfonds Pfandbriefe halten.“

    Es sei nachvollziehbar, dass der Staat das Risiko nicht eingehen wolle, dass es zu Verwerfungen kommt, sagt Experte Sebastian. „Der Pfandbriefmarkt ist einer der wenigen Märkte, die noch funktionieren.“

    Dennoch sieht er in einem Zusammenschluss nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile. „Es ist möglich, dass ein Immobilienfinanzierer eine gewisse Größe braucht, um am Markt noch akzeptiert zu werden“, sagt Sebastian. Dadurch minimiere sich das Risiko, dass die Bank fallen gelassen werde: „Unter Umständen hat das eine stabilisierende Wirkung.“ Andererseits binde ein Zusammenschluss dieser Größenordnung über lange Zeit Ressourcen der Mitarbeiter und berge Risiken: „Nur selten sind solche Fusionen wirklich erfolgreich.“

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