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Hypo Real Estate Schrumpfbank auf dem Silbertablett

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Staatsstützen für Krisenbanken (in Milliarden Euro) Quelle: FMSA, Unternehmen

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stärkt der HRE-Chefin den Rücken. Sein Ministerium beruft sich auf vertrauliche Gutachten, die dem Kerngeschäft Pfandbriefbank Tragfähigkeit bescheinigen. Demnach sei es wirtschaftlich sinnvoll, das Geschäft weiterzuführen. Die Urheber dieser Einschätzungen legen die Beamten jedoch nicht offen. Damit stellt sich die Bundesregierung gegen den Rat von Experten wie dem Wirtschaftsjuristen Daniel Zimmer von der Universität Bonn.

Der hatte Schäuble im Januar empfohlen, die HRE kontrolliert abzuwickeln. Für Zimmer und seine Kollegen aus dem vom Minister selbst beauftragten Expertenrat war die Sache klar: Weder der Verkauf an einen strategischen Investor noch ein möglicher Börsengang bringe einen über dem Abwicklungswert liegenden Erlös. Die Abwicklung sei daher die für den Steuerzahler günstigste Lösung.

Diese Frage spaltet nun auch den parlamentarischen Kontrollausschuss. "Ich gehe weiter davon aus, dass die jetzt gefundene Lösung die für den Steuerzahler schonendere ist", sagt der Vorsitzende Florian Toncar (FDP). Das Kerngeschäft schreibe schwarze Zahlen, und das Urteil des Expertenrats sei nicht allein maßgeblich – andere Fachleute seien zu einem anderen Ergebnis gekommen.

Toncars Kontrollausschuss-Kollege Schick sieht das anders: "Ich bezweifle, dass sich der Aufwand lohnt, die HRE für einen Verkauf fit zu machen." Zudem warnt Schick vor einer Verschleuderung der Bank: "Es macht keinen Sinn, die HRE mit Steuergeld aufzupäppeln, um sie dann einem privaten Investor auf dem Silbertablett zu präsentieren."

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    Image leidet unter Altlasten

    Die Gefahr sieht auch Thomas Heidorn, Bankprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management: "Wenn ein Finanzinvestor die Bank übernimmt, wird er nur einen geringen Preis zahlen, bei dem der Steuerzahler Verlust machen dürfte." Langfristig attraktiv ist das HRE-Geschäft laut Heidorn für Konkurrenzinstitute, die keine vergleichbare Sparte haben und Zugang zum europäischen Markt für Immobilienkredite suchen. Solche Kandidaten könnten einen strategischen Preisaufschlag bieten, aber derzeit sei kein derartiger Investor in Sicht. Einzig Institute aus China dürften sich laut Heidorn die HRE mit Interesse anschauen. "Doch die stehen unter dem Einfluss Pekings und werden sich daher nicht gegenseitig überbieten", vermutet der Banken-Experte.

    Die Geschäftsaussichten der HRE beurteilt Heidorn gemischt: Die Refinanzierung über mit Hypotheken besicherte Pfandbriefe könne dadurch beflügelt werden, dass Staatsanleihen ihren Ruf als sichere Investments nach und nach verlieren. Aber: "Die Schuldenkrise und die jüngsten Börsenturbulenzen werden das Portfolio der Bad Bank nochmals empfindlich treffen", prophezeit Heidorn. Auch wenn dies keine direkten Folgen für die Geschäftszahlen des operativen Teils der HRE habe, leide doch deren Image unter den Altlasten.

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