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Hypo Real Estate Schrumpfbank auf dem Silbertablett

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Eine rote Ampel leuchtet vor Quelle: dapd

Daher treffen die Verluste aus der Bad Bank auch die heutige HRE-Chefin. Schließlich saß Better bereits im Vorstand, als das Institut an den Rand der Pleite geriet. Die Schieflage entstand nicht allein durch Investments in Risikopapiere, sondern auch durch das damalige Geschäftsmodell. Das Geld für langfristige Kredite an öffentliche Institutionen und Immobilieninvestoren beschaffte sich die HRE zu einem bedeutenden Teil über kurzfristige Finanzierungen am Kapitalmarkt. Doch als in der Krise keine Bank mehr der anderen vertraute, fehlten der HRE eigene Kundeneinlagen zum Ausgleich.

Nach der Rettung durch den Staat hat die Bank ihre prestigeträchtige Residenz in der Münchner Innenstadt geräumt. Die Mitarbeiter müssen nun im Vorort Unterschleißheim mit einem bodenständigeren Ambiente zurechtkommen. Zudem gilt wegen der öffentlichen Hilfen nicht nur für das Top-Management ein Gehaltsdeckel von 500 000 Euro im Jahr.

Die Bank hält sich an diese Obergrenze, lockt aber laut Brancheninsidern Experten mit überhöhten Fixgehältern an. "Betters Headhunter werben mir die Leute ab", klagt ein Bankvorstand. Auch wenn die geschrumpfte HRE keine Jobmaschine mehr ist, bringt das staatlich gestützte Institut laut Klagen privater Konkurrenten mit ihrer Gehaltspolitik für Spezialisten den Personalmarkt durcheinander. "Unsere Gesamtvergütung ist marktüblich", sagt die HRE zu diesen Vorwürfen.

Verzerrter Wettbewerb

Better hält sich zugute, das Geschäftsmodell bereinigt zu haben. Risikobeladene Papiere und Randaktivitäten im Nennwert von 173 Milliarden Euro hat sie im Oktober 2010 in die vom Bund eingerichtete Bad Bank FMS Wertmanagement ausgelagert, wo sie den operativen Arm nicht mehr stören sollen. Die HRE beschäftigt jetzt noch knapp 1400 Leute und konzentriert sich auf das Kerngeschäft mit Krediten für öffentliche Investitionen und gewerbliche Immobilienprojekte. Damit kann Better immerhin stabile Zahlen liefern: Von April bis Juni erzielte die Pfandbriefbank dank einem guten operativen Geschäft einen Vorsteuergewinn von 68 Millionen Euro – das vierte Quartal in Folge mit schwarzen Zahlen. Immobilienfinanzierungen sorgten für Neugeschäft im Volumen von 1,9 Milliarden Euro.

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    Die starke Fokussierung des Geschäfts entspringt allerdings nicht allein Betters Strategie, sondern folgt vor allem den Schrumpf-Vorgaben der EU-Kommission. Brüssel verlangt wegen der immensen öffentlichen Hilfen – insgesamt 175 Milliarden Euro insbesondere in Form von mittlerweile zurückgegebenen Garantien – gravierende Einschnitte. Die Reduzierung der Bilanzsumme von ursprünglich 420 Milliarden Euro um 85 Prozent soll verhindern, dass die HRE auf Staatskosten den Wettbewerb verzerrt.

    Diese Gefahr zementiert sich laut Gutachter Zimmer, wenn der angepeilte Verkauf nicht gelingt: "Dann bleibt die HRE als staatlich subventioniertes Institut im Markt aktiv und könnte ihre privaten Konkurrenten in Schwierigkeiten bringen, die dann möglicherweise ebenfalls auf Staatshilfe angewiesen wären." Ein solches Szenario dürfte auch den Abgeordneten im Kontrollausschuss nicht gefallen. 

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