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Ikea Möbel-Riese Ikea stößt an Wachstumsgrenzen

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Ungewohnter Widerstand

Ikea ist ein erfolgsverwöhntes Unternehmen. Deshalb waren die Schweden wohl ziemlich konsterniert, als eines ihrer neuen Projekte auf heftigen Widerstand stieß: In Hamburg will Ikea einen sogenannten Citystore eröffnen  – also ein Geschäft, das sich nicht am Stadtrand, sondern in vergleichsweise zentraler Lage befindet. Für diesen Testversuch hat sich Ikea den Hamburger Stadtteil Altona auserkoren, wo 2011 in einer Einkaufsstraße ein 20.000 Quadratmeter großer Ikea-Markt mit vollem Sortiment entstehen soll.  Ikea will damit auch die urbanen Stadtmenschen erreichen, die bewusst auf ihr Auto verzichten.

Genau daran glauben die Bewohner Altonas nicht und laufen Sturm gegen die Ikea-Pläne: Der Ikea-Citystore werde für ein Verkehrschaos mitten in der Altonaer City sorgen, zetern die Gegner. In ganz Hamburg haben sie Unterschriftenlisten aufgelegt und wollen so einen Bürgerentscheid erzwingen – und die Chancen dafür stehen gut.

Noch ist das Citystore-Projekt in der Anfangsphase, beruhigt Simone Settergren, die Ikea-Presseverantwortliche für den Bereich Expansion: Das Projekt sei weder intern noch extern genehmigt, die Investitionsentscheidung werde erst im Dezember in Schweden fallen. Zudem werde es, wenn die Konzernzentrale grünes Licht gebe, wohl Anfang nächsten Jahres zum Bürgerentscheid kommen. „Mit Widerstand in dieser Form haben wir nicht gerechnet“, gibt Settergren zu.

Aber, so versichert sie: „Wir nehmen die Bedenken sehr ernst und stellen uns der Entscheidung.“ Ein guter Start eines neuen Konzeptes sieht anders aus.

Online-Geschäft vernachlässigt

Schwach sind die Schweden auch bei einem anderen möglichen Wachstumsmarkt der Zukunft aufgestellt: Dem Möbeleinkauf via Internet. Bislang kann man sich auf der Ikea-Website ausführlich über sämtliche Produkte informieren oder mit Programmen seine Einrichtung planen. Im Online-Shop bietet Ikea auch Möbel zum sofortigen Kauf an. Bloß: Viele der kleineren, aber sehr beliebten Produkte wie Teppiche oder Kunstoffbehälter für die Küche kann man nur im Ikea-Laden kaufen – oder gebraucht via Ebay.

„Das Online-Geschäft war immer Ergänzung“, heißt es dazu von Ikea gegenüber wiwo.de „Wir bieten Home-Shopping an, weil es die Kunden nutzen. Wir glauben aber, dass Möbelkauf etwas ist, was die Kunden persönlich machen.“ Branchenexperten meinen hingegen, dass der Möbel- und Accessoire-Kauf via Internet durchaus noch ein Wachstumsfeld für die Schweden wäre. So innovativ Ikea bei Design, Produktion und Verpackung ist – beim Einkauf via Internet fährt der Möbelriese eine erstaunlich konservative Linie.

Wenig Raum für Wachstum, neue Shop-Konzepte unter Beschuss, und geringe Bereitschaft für eine der wichtigsten technischen Innovationen unserer Zeit – mit diesen Eckpunkten könnte Ikea mittelfristig ziemlich in die Bredouille kommen. Es liegt nun am neuen Chef Ohlsson, dem Konzern in den nächsten paar Jahren einen kräftigen Strategiewechsel zu verpassen.

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