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Industrie Siemens kappt seine Ziele

Das deutsche Industrieflaggschiff Siemens gerät immer stärker in den Strudel der Wirtschaftskrise. Angesichts einer schlechteren Auftragslage verabschiedete sich der Konzern von seiner Jahresprognose.

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Siemens-Chef Peter Löscher Quelle: REUTERS

Für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 geht der Technologieriese nunmehr von einem operativen Ergebnis seiner drei Sektoren über dem Vorjahresniveau von 6,6 Milliarden Euro aus. Bislang hatte Siemens mit bis zu 8,5 Milliarden Euro gerechnet. Der Konzern steckte die Prognosemarke tiefer als von Analysten befürchtet, die bislang den Sektorengewinn auf 6,85 Milliarden Euro veranschlagt hatten. Der Konzern wird immer stärker vom Konjunktureinbruch erfasst.

Der Auftragseingang ging im zweiten Geschäftsquartal (Januar bis März) den Angaben zufolge um elf Prozent auf 20,9 Milliarden Euro zurück. Damit beschleunigte sich der Rückgang, der im Vorquartal erst acht Prozent betragen hatte. Analysten hatten aber mit einem noch weiteren Abgleiten gerechnet.

Besserung ist nicht in Sicht. „Das Bild im April zeigt erneut fundamentale Veränderungen zum Schlechteren in unserem gesamtwirtschaftlichen Umfeld“, erklärte Peter Löscher. „Wir stellen uns aufgrund der fortdauernden Krise für die kommenden Quartale auf eine zunehmend abflachende Entwicklung ein.“

Flaute bei Energietechnik

Waren bislang vor allem Teile des Industriesegments betroffen, weitet sich die Flaute nun auch auf den Hauptgewinnbringer Energietechnik aus. Dort sei 2009 von weiterem Druck auf die Auftragslage auszugehen, hieß es. In dem Segment, das zuletzt einen operativen Quartalsgewinn von 818 Millionen Euro abwarf, ging zuletzt das Bestellvolumen um acht Prozent zurück.

Lediglich die Medizintechnik verbuchte noch eine Auftragssteigerung von einem Prozent. Im abgelaufenen Quartal hat der Konzern bei einem Umsatzzuwachs von fünf Prozent auf knapp 19 Milliarden Euro ein Ergebnis der Sektoren von 1,84 Milliarden Euro erwirtschaftet - dank voller Auftragsbücher aus der Boomzeit. Der Nettogewinn kletterte um 146 Prozent von 412 Millionen Euro auf 1,01 Milliarden Euro. Dazu trug insbesondere bei, dass Siemens jüngst Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten mit dem BenQ-Nachfolger Qisda auflöste und im Vorjahresquartal hohe Abschreibungen angefallen waren.

Im Vergleichszeitraum hatten allerdings hohe Belastungen insbesondere aus verzögerten Kraftwerks-Projekten den Profit geschmälert. Die Erholung fiel jedoch weit stärker aus als von Analysten erwartet. Umsatz- und Ergebnistreiber im zweiten Quartal war einmal mehr das Geschäft mit Kraftwerken, Windkraftanlagen und Stromnetzen.

Auch die Medizintechnik verbesserte sich trotz anhaltender Einsparungen im wichtigen US-Gesundheitsmarkt. Zu leiden hatte dagegen das Industriegeschäft und hier insbesondere die Industrieautomatisierung, die Antriebstechnik und die Lichttochter Osram. Erstere beiden hängen stark am Maschinenbau, wo sich die Aufträge in den vergangenen Monaten halbiert haben. Bei Osram hat die Absatzkrise der wichtigen Autokunden tiefe Spuren hinterlassen.

Kurzarbeit bei Siemens

Siemens ist bislang vergleichsweise glimpflich durch die Wirtschaftsflaute gekommen. Dass die Probleme aber zunehmen, zeigte schon die jüngst ausgeweitete Kurzarbeit. Nach letztem Stand sind 12.000 Mitarbeiter betroffen, die Zahl könnte bis Juni auf 19.000 steigen. Ende März waren es erst 7000 Mitarbeiter gewesen. Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 132.000 Menschen in Deutschland und 427.000 weltweit.

Betriebsbedingte Kündigungen hierzulande soll es dieses Jahr trotz Flaute aber nicht geben. Mit einem Sparprogramm in Vertrieb und Verwaltung versucht Siemens, die Auswirkungen der Krise einzudämmen. Ein zweites Sparprogramm beim Einkauf läuft gerade an: Siemens will die Zahl der Zulieferer senken und Bestellungen zentraler organisieren.

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