Pharmahändler McKesson kauft Celesio im zweiten Anlauf

Der US-Konzern McKesson hat es geschafft. Im zweiten Übernahmeversuch hat sich der Pharmahändler knapp 76 Prozent der Celesio-Aktien gesichert. Großaktionär Haniel hatte zuvor aufgestockt. Der Kauf ist nicht mehr an Bedingungen geknüpft.

Die größten Pharmahändler
Marktführer in Deutschland ist der Mannheimer Pharmahändler Phoenix. Das 1994 gegründete Unternehmen, das in vielen Ländern Europas aktiv ist, gehört der schwäbischen Unternehmerfamilie Merckle. Phoenix erzielte zuletzt mit rund 29.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von weltweit 21,2 Milliarden Euro, rund ein Drittel davon in Deutschland. Nach Expertenschätzungen kommt Phoenix hierzulande im Pharmagroßhandel auf einen Marktanteil von etwa 25 bis 28 Prozent. Zuletzt hatte das Unternehmen allerdings etwas an Boden verloren. Bild: Phoenix Quelle: Presse
Nach dem Marktführer Phoenix folgen vier Unternehmen, die im deutschen Arzneihandel auf Marktanteile zwischen 12 und 17 Prozent kommen. Die deutsche Apothekergenossenschaft Noweda aus Essen ist nach eigenen Angaben derzeit die Nummer zwei. Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1939 zurück. Mit rund 1900 Beschäftigten erzielte Noweda zuletzt einen Jahresumsatz von 4,3 Milliarden Euro. Im Bild: Wilfried Hollmann, Vorsitzender des Vorstands. Bild: Noweda Quelle: Presse
Der Stuttgarter Apotheker-Zulieferer Celesio erwirtschaftete 2012 mit 38.000 Beschäftigten weltweit einen Jahresumsatz von gut 22 Milliarden Euro, davon vier Milliarden Euro im deutschen Pharmagroßhandel. Experten zufolge kommt das Unternehmen hierzulande auf einen Marktanteil von rund 16 Prozent. Das 1835 gegründete Unternehmen gehört mehrheitlich der Duisburger Familienholding Haniel, die 50,01 Prozent der Anteile hält. Der Mischkonzern hatte 1973 die Mehrheit am Celesio-Vorgänger Gehe übernommen, der 2003 in Celesio umbenannt wurde. Der US-Branchenführer McKesson will Celesio für 6,1 Milliarden Euro übernehmen. Quelle: dapd
Hinter dem Namen Alliance Healthcare Deutschland verbirgt sich der traditionsreiche Frankfurter Pharmahändler Anzag (Andreae-Noris Zahn AG), der 2012 von der britischen Drogeriekette Alliance Boots übernommen wurde. 2013 firmierte Anzag um in Alliance Healthcare Deutschland. Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt mit mehr als 2700 Beschäftigten einen Jahresumsatz von rund vier Milliarden Euro. Bild: Alliance Healthcare Deutschland Quelle: Presse
Der Pharmahändler Sanacorp kam im Jahr 2011 mit rund 3000 Beschäftigten auf einen Jahresumsatz von etwa 3,7 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist inzwischen eine Tochterfirma der in Italien ansässigen Sanastera Holding. Die Geschichte der Sanacorp reicht bis ins Jahr 1924 zurück, als in Esslingen eine erste Apothekergenossenschaft gegründet wurde. Aus der Fusion mehrerer dieser Genossenschaften ging schließlich 1992 die Sanacorp hervor. Bild: Sanacorp Quelle: Presse

Der US-Pharmagroßhändler McKesson übernimmt im zweiten Anlauf den Stuttgarter Rivalen Celesio. Der Konzern aus San Francisco sicherte sich durch neue Verträge mit dem Celesio-Mehrheitsaktionär Haniel und dem amerikanischen Hedgefonds Elliott bereits rund 75 Prozent der Celesio-Anteile inklusive Wandelanleihen. Den übrigen Aktionären wollen die Amerikaner 23,50 Euro je Aktie bieten, wie McKesson am Donnerstagabend mitteilte. "Wir freuen uns, dass wir mit der Übernahme von Celesio vorankommen", erklärte Konzernchef John Hammergren. Durch den inklusive Schulden rund 6,2 Milliarden Euro teuren Zukauf wird McKesson mit einem Schlag einer der führenden Pharmahändler in Europa. Es ist die größte Übernahme in der deutschen Gesundheitsbranche seit 2006.

Rund zwei Wochen nach dem Scheitern seiner Übernahmeofferte gelingt dem US-Konzern damit durch die Hintertür doch noch die Übernahme. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte erfahren, dass die Beteiligten fieberhaft an einem Plan zur Rettung der Übernahme arbeiten. Die neue Vereinbarung sieht vor, dass der der Duisburger Mischkonzern Haniel seine inzwischen auf 76 Prozent aufgestockte Celesio-Beteiligung zum Preis von 23,50 Euro je Aktie an McKesson verkauft. Damit hat offenbar der Fonds Elliott des US-Investors Paul Singer zwischenzeitlich seinen Anteil an Haniel weitergereicht.

McKesson erwarb zudem von Elliott 4840 der 7000 Celesio-Wandelanleihen, die im Oktober dieses Jahres und zudem 2180 der 3500 Wandelanleihen, die im April 2018 fällig werden. Die beiden Anleihen haben jeweils ein Gesamtvolumen von 350 Millionen Euro. Den Kaufpreis für die Wandelanleihen nannte McKesson nicht. Den übrigen Aktionären bietet McKesson 23,50 Euro in bar. Der Pharmahändler stellte keine weiteren Bedingungen für seine neue Offerte.

Beim ihrem ersten Anlauf hatten die Amerikaner nur 72,33 Prozent der Celesio-Anteile einsammeln können und damit nicht die geforderte Anteilsschwelle von 75 Prozent der Aktien erreicht. Am Ende half auch nicht, dass McKesson-Chef Hammergren nach langem Poker mit Elliott die Offerte kurz vor Schluss um 50 Cent auf 23,50 Euro erhöhte. Elliott-Chef Singer drängte auf eine Erhöhung des Angebotes. Ein nochmaliges Scheitern ist nun höchst unwahrscheinlich. Denn mit 75 Prozent der Anteile will McKesson nun mit den Stuttgartern einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abschließen.

Beteiligte atmen auf

Celesio und Haniel äußerten sich erleichtert. "Ich freue mich, dass der Zusammenschluss mit McKesson zustande kommt", erklärte Celesio-Chefin Marion Helmes. Damit werde eine Basis geschaffen, um profitabel zu wachsen und die marktführende Positionen auszubauen. Haniel-Chef und Celesio-Aufsichtsratschef Stephan Gemkow erklärte: "Wir freuen uns, dass es McKesson gelungen ist, durch den Kauf unserer aufgestockten Celesio-Beteiligung und weitere parallele Erwerbe die ursprünglich geplante Mindestbeteiligung an Celesio zu erreichen." McKesson und Celesio würden sich hervorragend ergänzen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Für alle Beteiligten stand viel auf dem Spiel. Wäre keine Einigung zustande gekommen, hätte dies aller Voraussicht nach für Elliott einen empfindlichen Verlust zur Folge gehabt. Denn der Hedgefonds war nach früheren Angaben mit rund 800 Millionen Euro bei Celesio engagiert. Der Investor hatte daher ein großes Interesse, dass die Übernahme gelingt. Haniel wiederum kann sich mit dem Verkauf seiner Beteiligung entschulden und gewinnt Spielraum, um in neue Geschäftsfelder vorzudringen. Zuletzt war der Familienkonzern mit 1,6 Milliarden Euro verschuldet.

McKesson kann durch die Übernahme beim Einkauf Geld sparen und im harten Wettbewerb in der Großhandelsbranche um die Gunst der Apotheken besser bestehen. Zudem gewinnt der Konzern größere Verhandlungsmacht bei Lieferverträgen mit internationalen Generikafirmen. US-Wettbewerber wie AmerisourceBergen oder Cardinal Health hatten es vorgemacht: Sie gingen zuletzt große Einkaufsbündnisse mit Drogerie- und Apothekenketten ein, um eine größere Marktmacht aufzubauen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%