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AB InBev Wie das größte Bierimperium an der WM verdient

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Brauchtum und Privilegien werden abgeschafft

Craft-Bier und andere unübliche Geschmacksrichtungen
Brau Kunst Keller: Honey Ale Quelle: Getty Images
Pink Panther Quelle: Getty Images
Bitburger: Holy Cowl Quelle: Presse
Gievitzer Braumanufaktur: Kirsch-Bier Quelle: Presse
Dju Dju: Banana Beer Quelle: Presse
Wedding Pale Ale Quelle: Julian Schmidt
Brauhaus Goslar: Gose Quelle: Presse

Mit dieser Intention gingen Lemann und seine Firmenjäger ans Werk. Zuerst übernahmen sie mithilfe der Brahma-Brauerei den brasilianischen Konkurrenten Antarctica und fusionierten die beiden Unternehmen zu Ambev. Dadurch entstand der größte Brau- und Getränkekonzern Lateinamerikas.

Ambev wiederum brachten die Lemann-Leute fünf Jahre später mit dem belgischen Brauereikonzern Interbrew zusammen, der damaligen Nummer zwei der Bierwelt, die sich zuvor Beck’s, Diebels und Spaten einverleibt hatte. Sie tauften die neue Großbrauerei InBev und schnappten sich vier Jahre später Anheuser-Busch, den führenden Bierbrauer der USA. Zusammen mit den Initialen des US-Riesen nannten sie den Konzern fortan AB InBev.

Bierbrauende Milliardäre

Die Großübernahmen sorgten dafür, dass heute knapp die Hälfte des Biers weltweit aus einem Kessel von AB InBev stammt. In Lateinamerika kontrolliert der Konzern die Märkte monopolartig. In den USA ist er Marktführer, in Russland die Nummer zwei, in China auf Platz drei und in Deutschland hinter der Oetker-Tochter Radeberger die zweitgrößte Braugruppe mit Marken wie Beck’s, Hasseröder oder Löwenbräu.

Unter den 200 Biersorten des Konzerns sind weltweite Massenmarken wie Budweiser aus den USA (nicht zu verwechseln mit der tschechischen Marke), Stella Artois aus Belgien und Corona aus Mexiko, aber auch kleinere Traditionsmarken wie Franziskaner aus Deutschland oder Boddingtons aus England. Die Investoren an der Wall Street sind begeistert. Der Kurs der AB-InBev-Aktie hat sich seit gut fünf Jahren fast versiebenfacht, an der Börse ist der Konzern so viel wert wie Coca-Cola.

Biertrinker-Nationen der Welt

Die Anleger jubeln über die Aktie aber vor allem, weil die neuen Herren die einstige Brahma-Brauerei zu etwas gemacht haben, was heute ganz AB InBev verkörpert: einen Brauereikonzern, der geführt wird wie eine Investmentbank. Kosten sind Gift, so heißt es in jedem Unternehmen. Bei AB InBev bedeutet dies zum Beispiel: Braumeister, die nach Gefühl den Gärprozess in den Kesseln steuern, sind überflüssig, ebenso Spezialisten, die stundenlang über Hopfensorten fachsimpeln.

Wandel im Unternehmen

Brauchtum und Privilegien sind bei AB InBev abgeschafft. Reservierte Parkplätze für Direktoren gehören der Brahma-Zeit, also der Vergangenheit, an. Bei Anheuser-Busch fielen nur wenige Wochen nach der Übernahme am damaligen Stammsitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri die zwei Kästen Freibier für jeden Mitarbeiter weg. Die Flugzeugflotte für die Direktoren gibt es nicht mehr, die Manager sitzen heute in einem großen Raum und nicht mehr in mahagonigetäfelten Büros.

Dabei predigt weder Investmentbanker Lemann noch ein anderer der AB-InBev-Top-Manager Wasser und trinkt Bier. Anheuser-Busch-Chef Carlos Brito etwa fährt am neuen Sitz der Konzerntochter in New York mit der U-Bahn ins Büro, sein Vorgänger wählte noch den Hubschrauber. „Ich brauche kein Freibier oder einen Dienstwagen von meinem Arbeitgeber“, sagt er. „Wenn ich ein Auto will oder einen Kasten Bier, dann kaufe ich mir das.“

So sehr sich das Unternehmen gewandelt hat, so konstant blieb es im Innern. Ob die Investoren des Konzerns oder seine Top-Manager – bis heute haben die gleichen Brasilianer die Hand am Zapfhahn wie bei der Brahma-Brauerei nach der Übernahme.

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