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ABB-Chef Ulrich Spiesshofer "Unsere Ziele sind extrem ambitioniert"

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Die Konzernleitung ist sehr viel näher am Kunden als früher

Warum haben Sie im Übernahmekampf um Ihren französischen Wettbewerber Alstom nicht mitgeboten, obwohl Sie im vergangenen Jahr Akquisitionen angekündigt hatten?

Weil Alstom nicht zu uns passt. Wir waren schon mal im Energieerzeugungsgeschäft, das haben wir 1999 verkauft – ein großer Teil von Alstom sind ja ehemalige ABB-Teile. Dahin wollen wir nicht zurück. Wir haben uns klar auf Energieübertragung und -verteilung fokussiert. 80 Prozent des weltweiten Elektrizitätsmarktes unterliegen dem Verbot, dass ein Energieerzeuger auch in der Energieübertragung und -verteilung tätig ist. Und dieser Trend nimmt noch zu.

Sie haben die Konzernleitung auf zwölf Mitglieder erweitert. Nach jedem Lehrbuch sind das viel zu viele.

Die Lehrbücher haben wir alle gelesen, aber das sind Lehrbücher, das ist keine Praxis. Wir haben weiterhin die Gruppenfunktionen und fünf Divisionsleiter, und in Zukunft haben wir drei Regionalleiter. Diese haben – ebenso wie die Länderchefs – die oberste Aufgabe, sich portfolioübergreifend um den Kunden zu kümmern. Alles andere, der Einkauf beispielsweise, geht in die Sparten. So ist die Konzernleitung sehr viel näher am Kunden als früher.

ABB hat ein Aktienrückkaufprogramm über knapp dreieinhalb Milliarden Euro angekündigt. Fällt Ihnen nichts Besseres ein, was Sie mit Ihrem Geld machen könnten, etwa eine Akquisition?

Wir generieren jedes Jahr sehr viel Cash aus dem laufenden Geschäft. Außerdem haben wir Randbereiche abgestoßen und daraus rund eine Milliarde Dollar erlöst. Aber wir haben auch die bereits erwähnten Probleme in der Sparte Energiesysteme. Auch die Integration unserer Großeinkäufe Thomas & Betts sowie Power One ist noch nicht vollkommen abgeschlossen. Und wir machen einen Organisationsumbau. Auf diese vier Themen zusätzlich noch eine große Akquisition zu packen wäre mir zu viel. Jetzt beteiligen wir erst mal die Shareholder durch das Aktienrückkaufprogramm an unserem Erfolg. Für Akquisitionen haben wir noch immer genügend finanziellen Spielraum. Ab 2015 denken wir wieder darüber nach.

Industrie



Ein Viertel der zurückgekauften Aktien wird an die Mitarbeiter verteilt im Rahmen eines Bonusprogramms. Auf der vergangenen Hauptversammlung haben die Aktionäre eine Kapitalerhöhung abgelehnt, die das gleiche Ziel gehabt hätte. Jetzt führen Sie das Bonusprogramm durch die Hintertür trotzdem ein.

Den Vorwurf mit der Hintertür weise ich entschieden zurück. Es geht um die Finanzierung der seit vielen Jahren bestehenden Aktienprogramme, das haben wir voll transparent gemacht. Die Aktionäre wollten keine Verwässerung ihrer Anteile hinnehmen, deshalb haben sie die Kapitalerhöhung abgelehnt.

Halten wir fest: Sie wollten zusätzliche Boni ausschütten, in Form von Aktien. Die Aktionäre haben das – ungewöhnlich genug – abgelehnt. Jetzt besorgen Sie sich die Aktien an der Börse, um die Boni dennoch ausschütten zu können. Sie missachten den Willen der Aktionäre.

Jetzt dürfen wir zwei Dinge nicht verwechseln: 20.000 unserer Angestellten erhalten einen Teil ihres Lohnes in Aktien oder investieren im Rahmen ihres Sparprogrammes in ABB-Titel. Dafür kaufen wir Aktien. Das geht bis weit unter die Konzernleitung. Ich finde es extrem wichtig, dass möglichst viele Mitarbeiter am Aktienkapital der Firma beteiligt sind, damit sie ein gemeinsames Interesse haben an der Weiterentwicklung der Firma. Die Boni für das Top-Management machen in diesem Programm nur einen Bruchteil aus.

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