Abgase: Warum Porsche der Abschied vom Diesel leicht fällt
Wer einen Porsche-Diesel möchte, findet ihn künftig nur noch auf dem Gebrauchtwagenmarkt.
Foto: imago imagesIm Jahr 2010 tat der Zuffenhausener Sportwagenhersteller Porsche etwas vermeintlich Außergewöhnliches: Er stellte mit dem Cayenne ein Modell mit Dieselmotor vor. Der Selbstzünder passte von seiner Historie eigentlich so gar nicht zum Image des Herstellers des ikonischen 911. „Porsche hat aus Imagegründen lange auf Dieselmotoren verzichtet“, sagt Analyst Frank Schwope von der NORD/LB.
Seit seiner Erfindung Ende des 19. Jahrhunderts durch Rudolf Diesel fand man den Selbstzünder vor allem in Treckern, LKW oder qualmenden Taxis.
Noch bis weit in die 70er Jahre hinein verkaufte zum Beispiel Mercedes Dieselfahrzeuge, bei denen der Fahrer für einen langen Moment einen Hebel ziehen musste, bis hinter einer kleinen Lochscheibe ein dicker Draht glühte und damit das Signal gab, dass der Motor startklar war. Das sogenannte Vorglühen. Aus dem Draht wurde ein gelbes Symbol und die Diesel-Gedenkminute verkürzte sich zur Sekunde, bis sie endlich verschwand.
Das Drehmoment des Diesels und seine technische Weiterentwicklung machten ihn - neben günstigerem Verbrauch des steuergünstigen Brennstoffs - dann auch salonfähig in teuren Karossen. Der Cayenne Diesel war ein sofortiger Erfolg. Von den 5266 in Deutschland 2010 zugelassenen Cayennes waren am Ende jenes Jahres allein 2914 mit einem Dieselaggregat ausgestattet. Zum SUV passte die Motorisierung prima - und ein Imageschaden entstand nicht.
Anfang 2018 beendete Porsche dann das Gastspiel des Diesels, der im Herzen immer ein Volkswagen war - die Motorenentwicklung sparte sich Porsche und kaufte vom Mutterhaus die Aggregate zu.
Ende September nun erklärte Porsche-Chef Oliver Blume publikumswirksam das endgültige Aus für den Diesel unter den Motorhauben des Cayenne und den später dazu gestoßenen Modellen Panamera und Macan. „Von Porsche wird es künftig keinen Diesel mehr geben“, tat Blume in einem Interview mit der Bild am Sonntag kund. Keine Fahrzeuge mehr mit dem so in die Kritik geratenen Diesel, den viele Städte an manchen Tagen wegen der Belastung mit Stickoxiden gerne aus dem Zentrum verbannen wollen. An dem aber die Politik noch hängt, die sich derzeit darum bemüht, Fahrverbote für Diesel zu vermeiden. Das Wort der Enteignung macht die Runde, wenn die ersten Käufer eines Diesel-Cayennes vielleicht nicht mehr in den Neuen Wall in Hamburg oder die Maximilianstraße in München fahren dürfen.
Auf den ersten Blick ist Porsches Entscheidung ein Opfer. Denn der Dieselanteil in Deutschland war für die Modelle stets hoch. Allein 2016 wurden 5990 Cayenne, 4471 Macan und immerhin 333 Panamera mit Diesel zugelassen - beim Cayenne waren das die meisten, beim Macan knapp die Hälfte, beim Panamera anteilig schon deutlich weniger. Ein ähnliches Bild auch 2014 und 2015.
Gut vier Jahre hat der Porsche Macan auf dem Buckel, in dieser Zeit hat er alle Erwartungen übertroffen: 350.000 Kunden konnten sich seit 2014 für den kleinen Bruder des Cayenne begeistern, und mit dem nun präsentierten Facelift soll die Attraktivität weiter steigen.
Foto: PorscheVor allem das Heck wird neu in Form gebracht: Während Chef-Designer Michael Mauer an der Front des SUV nur behutsam den Lidstrich nachgezogen hat, konnte er auf der anderen Seite die Controller von einer komplett neuen Heckklappe überzeugen. Die war nötig, um auch dem kleinen SUV das neue Porsche-Identitäts-Merkmal mit auf den Weg zu geben: die durchgehende Lichtleiste am Heck. Die tragen schließlich schon Cayenne und Panamera zur Schau, und es müsste schon mit dem Teufel zu gehen, wenn die Zuffenhausener sie beim nächsten 911er weiterhin den Allradvarianten vorbehalten würden. Nein – der Lichtstreifen am Hintern ist bei Porsche ab sofort gesetzt, und dem Macan bringt er noch etwas mehr Breite in der Rückansicht.
Foto: PorscheAnsonsten glänzt der 4,70 Meter lange Macan nach der Überarbeitung vor allem mit neuen Außenfarben – darunter das strahlende Miami-Blau – und neuen 20- und 21-Zoll-Rädern. Für noch mehr Performance auf der Straße hat Porsche das Fahrwerk optimiert und verspricht mehr Neutralität und verbesserten Komfort. Unverändert bleibt die im SUV-Bereich außergewöhnliche Mischbereifung mit breiteren Pneus an der Hinterachse. Um den maximalen Fahrspaß aus dem Macan zu kitzeln, reicht zukünftig übrigens ein Tastendruck am Lenkrad: Mit dem Facelift zieht auch in das SUV der Fahrmodusschalter am Volant ein.
Foto: PorscheDie Xenon-Scheinwerfer wurden in den Ruhestand verabschiedet. Ab Herbst leuchtet das SUV serienmäßig mit LED-Lichtern.
Foto: PorscheFür besseren Durchblick sorgt nicht nur die neue, beheizbare Frontscheibe, sondern auch das aus anderen Modellen bekannte Infotainmentsystem, das sich jetzt auch im Macan mit 11 Zoll großem Touchscreen in der Mittelkonsole breit macht – dafür mussten die Lüftungsdüsen umziehen. Den alten 7-Zoll-Bildschirm flankierten sie, jetzt sind sie unterhalb des Displays angeordnet.
Mit dem Elektronik-Update zieht unter anderem auch die neue Sprachsteuerung in den Macan ein und natürlich ist das System immer online. Eine induktive Ladeschale fürs Handy gibt es nicht, dafür eine neue App, die für mehr Offroad-Spaß sorgen soll: Sie ermöglicht es dem Fahrer, seine Ausflüge abseits des Asphalts zu dokumentieren und analysieren.
Zu den Motoren sagt Porsche noch nicht allzu viel, allerdings wird der Basisantrieb ein wenig Federn lassen müssen. Statt 185 kW/252 PS leistet der Zweiliter-Vierzylinder zukünftig 180 kW/245 PS. Grund ist der Einsatz eines Otto-Partikelfilter, den die neueste Abgasnorm nötig macht. Ausstattungsbereinigt gleich bleibt dagegen der Preis, nominell dürfte der Einstiegstarif um ein paar Tausender auf 59.000 Euro steigen. Beim Macan S und Turbo bleibt es wie gehabt beim V6, die Zukunft des Diesels ist aber ungewiss. Zwar hat Porsche den Selbstzünder aktuell noch eingeplant, ob er allerdings tatsächlich auf die Straße kommt, hängt auch von der weiteren Entwicklung des Diesel-Markts ab. Was auf keinen Fall kommt ist eine Hybrid-Version – die ist in der Plattform nicht vorgesehen, schließlich baut der Macan immer noch auf dem alten Audi-Q5-Unterbau auf. Elektrojünger müssen sich also mindestens bis zur Neuauflage in drei, vier Jahren gedulden.
Foto: Porsche2017 habe der Anteil an Dieselverkäufen weltweit bei 12 Prozent gelegen. Deutschlands Käufer blieben ihm bis kurz vor Ende seiner Produktion im Februar 2018 verbunden und kauften, wenn sie einen Cayenne kauften, mehrheitlich Diesel. Und wenn nun es keinen mehr gibt?
Dann kaufen sie einen anderen Cayenne. „Die große Mehrheit der Porsche-Diesel-Interessenten wird aber auf einen Benziner umschwenken, da es den meisten Fahrern um die Marke Porsche geht und nicht darum, ein Diesel-SUV zu fahren“, sagt Schwope. Er rechnet mit weltweit einer niedrigen vierstelligen Zahl, um die Porsches Verkäufe zurückgehen könnten.
Und sie tun dies schon in Deutschland. Exakt drei Cayenne Diesel wurden im August dieses Jahres hierzulande noch neu zugelassen - ein vernichtend geringer Anteil an den insgesamt fast 5000 zugelassenen Fahrzeugen. Eine große Umstellung im eigenen Unternehmen ist nicht nötig, da die Motoren nicht selber entwickelt wurden und somit keine hohen Anfangsinvestitionen anfielen.
Und so, wie es Jahrzehnte als undenkbar galt, einen Porsche mit Dieselantrieb zu bauen, wird kaum ein Mensch einen Diesel im Portfolio von Porsche aus Leidenschaft vermissen.
Da fällt es leicht, den Hersteller von Fahrzeugen mit nicht weniger als 250 PS als zukunftsorientiertes und verantwortungsvolles Unternehmen darzustellen, das seine Zukunft bei Hybrid- und Elektro-Fahrzeugen sieht und nur dem 911er den Verbrennungsmotor garantieren will.