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Ärger mit Verhütungspillen Steigendes Klagerisiko bei Bayer

In den USA, der Schweiz, Frankreich und Deutschland nimmt der Druck auf den Pharma- und Chemiekonzern zu: Verhütungspillen von Bayer sollen gefährliche, zuweilen auch tödliche Nebenwirkungen verursachen.

Eine

Auf der Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstag stellt Bayer-Chef Marijn Dekkers die Zahlen für das Geschäftsjahr 2012 vor. Dabei wird es auch um eines der größten Risiken im Konzern  gehen: Die Klagen gegen Bayer-Verhütungspillen häufen sich. Die Antibabypillen der Leverkusener stehen schon seit einiger Zeit im Verdacht, häufiger als andere Präparate Thrombosen zu verursachen. Auch Todesfälle sollen auf das Konto der Bayer-Pillen gehen, deren Namen – Yasmin, Yasminelle, Yaz oder Diane – eher harmlos klingen.

Seit der Übernahme des Konkurrenten Schering im Jahr 2006 ist Bayer der weltweit größte Hersteller von Verhütungsmitteln. Weltweit setzen die Leverkusener nur mit den Yasmin-Präparaten 1,1 Milliarden Euro um. Allein 13500 Klagen gegen Bayer sind derzeit in den USA anhängig. Das ist der Stand von Oktober – möglicherweise muss der Konzern die Zahl am Donnerstag nach oben korrigieren.

Die umsatzstärksten Medikamente der Welt
Platz 10: MabTheraDer Wirkstoff nennt sich Rituximab. Das Medikament wird für die Behandlung von Lymphomen eingesetzt. In der EU vertreibt Roche es unter dem Handelsnamen MabThera, in den USA heißt es Rituxan. 2013 brachte es rund 6,26 Milliarden Dollar ein. Das waren 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: Roche Pharma AGDatenquelle: IMS Health Quelle: Presse
Platz 9: CymbaltaDer Wirkstoff dieses Medikaments heißt Duloxetin. Dabei handelt es sich um ein Mittel, das bei Depressionen und Angststörungen eingesetzt wird. Vermarktet wird es von Eli Lilly; der Firma spülte es im Jahr 2013 6,46 Milliarden Dollar in die Kassen - eine Steigerung um 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bild: Lilly Deutschland GmbH Quelle: Presse
Platz 8: RemicadeRemicade ist der Handelsname von Infliximab. Dabei handelt es sich um einen Antikörper, der das Immunsystem vielfach beeinflusst. Eingesetzt wird das Medikament vor allem gegen Rheuma-Erkrankungen. In Deutschland wird es von MSD vertrieben. 2013 erzielte es einen Umsatz von rund 7,68 Milliarden Dollar - 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: MSD Sharp & Dohme GmbH Quelle: Presse
Platz 7: AbilifyOtsuka Pharmaceuticals vertreibt das Arzneimittel Aripiprazol unter dem Namen Abilify. Es wird zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt. Mit 7,83 Milliarden Dollar in 2013 landet es auf Rang sieben. Das entspricht einem um 14,6 Prozent höherer Umsatz als noch im Vorjahr. Foto: "Abilify bottle" by Eric Gingras, via Wikipedia Quelle: Creative Commons
Platz 6: NexiumDas Magenmittel von AstraZeneca mit dem Wirkstoff Esomeprazol  liegt im Mittelfeld bei den Top-Ten-Präparaten. Der Umsatz 2013 lag bei 7,86 Milliarden Dollar - ein Plus von 7,0 Prozent. Bild: AstraZeneca Quelle: Presse
Platz 5: Lantus Lantus wird von Sanofi-Aventis hergestellt. Es enthält "Insulin glargin" und wird zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Mit einem Zuwachs von 23,3 Prozent legte es die stärkste Steigerung innerhalb der Top Ten hin. Umsatz 2013: 7,94 Milliarden Dollar. Quelle: dpa
Platz 4: Enbrel7,95 Milliarden Dollar Umsatz (plus 8,7 Prozent) machte dieses Medikament von Pfizer. Der Wirkstoff Etanercept wird zur Behandlung von Rheuma und der entzündlichen Hautkrankheit Psoriasis eingesetzt. Quelle: AP

Doch zunehmend kommt Bayer auch in Europa unter Druck: Die französische Regierung hat im Januar ein Vermarktungsverbot das Präparat „Diane 35“ erhalten, das dort sowohl als Akne- wie auch als Verhütungsmittel verschrieben  wird. Diane wird in Frankreich mit vier Todesfällen in Verbindung gebracht. Die Europäische Arzneimittelbehörde will ihre Empfehlung für das Mittel überprüfen. Ein Ergebnis wird im Mai erwartet. Die Schweizer Krankenkasse CSS fordert von Bayer 600 000 Schweizer Franken, etwa 480 000 Euro. Diese Summe kostete die Behandlung einer jungen Frau, die nach der Einnahme von Yasmin an einer Lungenembolie erkrankte und seither schwerstbehindert ist.

Die größten Chemiekonzerne der Welt
Das Mitsubishi Chemical-Werk in Yokohama Quelle: Pressebild
Platz 8: Dupont Quelle: dpa
Platz 7:LyndellBasell Quelle: AP
Screenshot Formosa Plastics Quelle: Screenshot
Platz 4: Exxon Mobil Quelle: Reuters
Platz 6: Sabic Quelle: dpa
Platz 6: Shell Quelle: Reuters

In Deutschland ist eine Klage gegen Bayer vor dem Gericht Waldshut-Tiengen (bei Freiburg) anhängig. Außer dem Austausch von Schriftstücken ist allerdings noch nicht viel passiert. Die Klägerin, eine junge Frau, hatte nach Einnahme einer Bayer-Pille eine doppelte Lungenembolie erlitten und war zwanzig Minuten lang klinisch tot. Ihr Leben ist seither stark eingeschränkt, ihren angestrebten Beruf als Tierärztin kann sie nicht ausüben.

Bayer hält die Vorwürfe für unbegründet, hat sich in den USA aber bereits in Tausenden Fällen auf Vergleiche eingelassen. Insgesamt haben die Leverkusener wegen des Verhütungspillen-Risikos Rückstellungen von 700 Millionen Euro gebildet.  

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