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Agco-Chef Richenhagen "Man ist wirklich am Lenkrad"

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Was amerikanische Unternehmen stark macht

Landwirtschafts-Trend Roboter

Die amerikanische Autogewerkschaft UAW, vergleichbar mit der IG Metall in Deutschland, hatte bislang nicht viel Einfluss im Süden der USA, wo auch Sie produzieren. Das ändert sich gerade. Sehen Sie das als Bedrohung für den Standort?

Ich bin grundsätzlich für die Mitbestimmung in den Betrieben. Die UAW allerdings hat durch ihre extremen Lohnforderungen maßgeblichen Anteil am Niedergang der Autoindustrie in Detroit. Ich glaube nicht, dass es ihr gelingt, sich im Süden so breitzumachen und einen ähnlichen Schaden anzurichten. Im eigenen Unternehmen haben wir drei verschiedene Gewerkschaften, allerdings sind da nicht solche Hardliner dabei wie die UAW. Unser Betriebsratsvorsitzender kommt aus einer katholischen Gewerkschaft. Es ist fast immer möglich, mit Gewerkschaften konstruktiv zusammenzuarbeiten. Das ist uns in den USA, in Deutschland mit der IG Metall und sogar in Frankreich gelungen.

Reagieren Wirtschaft und Gewerkschaften in den USA besser auf Krisen?

In Deutschland will man Probleme immer gründlich lösen, man diskutiert, lamentiert und ist deprimiert. Amerikaner suchen lieber pragmatisch nach Lösungen.

Und haben Sie sich als deutscher CEO die Gründlichkeit schon abgewöhnt?

Ich bin gründlich. Mein Schreibtisch ist immer aufgeräumt. So wurde ich erzogen. Die Frage ist allerdings, ob das immer hilfreich ist.

Was macht die US-Unternehmen neben Pragmatismus und Optimismus sonst noch stark?

Die Amerikaner profitieren von ihrem großen, einheitlichen Heimatmarkt, in dem Wachstum viel leichter ist, als wenn man in andere Länder expandieren muss. Sie haben viel leichteren Zugang zu Kapital. Eine Kapitalerhöhung ist in den USA eine leichte Übung, in Deutschland ist das noch etwas Besonderes. Die Amerikaner sind im Marketing besser als die Deutschen. Und sie sind stärker darauf ausgerichtet, Gewinne zu erzielen. Während Deutsche immer mit schicken Maschinen produzieren wollen, lassen Amerikaner alte Anlagen so lange laufen, bis sie auseinanderfallen. Das vermeidet unnötige Investitionen.

In Arbeit
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In Deutschland werden regelmäßige Dividenden-ausschüttungen erwartet, Unternehmen in den USA reinvestieren die Gewinne lieber. Ist das auch ein Grund für die Stärke amerikanischer Unternehmen?

Amerikanischen Aktionären reicht es meistens, wenn sich die Aktie gut entwickelt. Wenn man die Gewinne dann für das Unternehmen verwenden kann, ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Sie haben sich 2008 wochenlang Urlaub genommen, um an der Spitze der deutschen Dressurreiter-Equipe an den Olympischen Spielen in Peking teilzunehmen. So ein langer Urlaub ist sehr unamerikanisch. Wie kam das im Unternehmen an?

Ja, das ist sehr unamerikanisch. Aber ich hatte davor maximal fünf Tage Urlaub pro Jahr. Da war es gerechtfertigt, mal ein bisschen länger wegzubleiben.

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