Airbus A380 Emirates verschafft dem Superjumbo eine Galgenfrist

Emirates kauft neue A380-Maschinen. Quelle: imago

Der angekündigte Großauftrag von Emirates rettet den A380 – aber nur vorübergehend. Ohne weitere und vor allem feste Bestellungen droht dem Vorzeigeprodukt noch immer das Ende.

Wenn Airbus-Chefverkäufer John Leahy zum Abschluss seiner rund 30 Jahre im Amt noch einen Wunsch offen hatte, dann ging der wohl am Donnerstagmorgen in Erfüllung. Die Fluglinie Emirates aus Dubai will 36 Exemplare des Airbus-Flaggschiffs A380 kaufen.

Damit beschließt Super-Verkäufer Leahy nicht nur seine Karriere mit einem Auftrag im Wert von 16 Milliarden Dollar Listenpreis. Der Deal sichert auch den Bau des Riesenvogels, dem ohne den Abschluss ab 2023 mehr oder weniger die Aufträge ausgegangen wären. „Wenn wir keine Aufträge von Emirates bekommen, haben wir wohl keine andere Wahl, als das Programm einzustellen", hatte Leahy Anfang der Woche noch einmal die harte Wahrheit wiederholt, die Finanzvorstand Harald Wilhelm bereits 2014 formuliert hatte.

Doch allzu groß dürfte die Feierstimmung im Airbus-Hauptquartier am Flughafen Toulouse nicht sein. Denn so ausgelassen wie die Pressemitteilung auch Lob verteilt: Die Ankündigung versteckt drei unangenehme Wahrheiten und eine noch vage Hoffnung.

1. Es ist kein Vertrag, sondern eine Machtprobe

Die Emirates-Order ist keine Verpflichtung, sondern kaum mehr als eine eher weiche Kaufabsicht. Ein echter Vertrag muss erst noch formuliert werden. „Und wer Emirates kennt, weiß: die Schlussverhandlungen sind nicht gerade der leichteste Teil der Angelegenheit und sie können auch durchaus noch zu einem ganz anderen Ergebnis führen oder gar platzen“, warnt ein Konzerninsider.

Deutlichste Mahnung: bei der Luftfahrtmesse in Dubai im vergangenen November streuten Airbus-Manager bereits zuversichtlich, dass Emirates den rettenden Großauftrag geben würde. Und tatsächlich lud das Führungsteam der arabischen Airline die Spitzen des Flugzeugherstellers zu einer Veranstaltung. Doch statt des scheinbar ausverhandelten Vertrags über den 550-Sitzer der Europäer unterzeichnete Verwaltungsratschef Scheich Ahmed bin Saeed Al Maktoum demonstrativ einen Großauftrag bei deren Erzrivalen Boeing. Das war demütigend und machte der ganzen Branche klar, wie abhängig Airbus von Emirates ist.

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Das gilt auch heute noch. Zwar nahm Airbus die Absage zunächst sportlich und bemühte sich um andere Aufträge. So streuten Konzernmitarbeiter zum Jahreswechsel, es gebe bald eine Großbestellung für den A380 aus China. Anlässlich eines Besuchs von Frankreichs Staatspräsiden Emmanuel Macron, so das Gerücht, werde die staatliche Luftfahrtbehörde des Riesenreichs nicht nur ein paar Dutzend Maschinen kaufen. Auch ein Teil der prestigeträchtigen Endfertigung solle bald in China stattfinden. Doch auch daraus wurde nichts.

Also blieb Leahy und seinem Verkaufsteam am Ende doch nur Emirates. Nur nach längerem Drängen wollte sich die Fluglinie zu einem Vorvertrag bekennen. „Und natürlich gab es da auch eine Gegenleistung“, so ein Insider. Worin die besteht, ist noch unklar – wahrscheinlich ein spürbares Entgegenkommen beim Kaufpreis.

2. Die Bestellung ist zu klein für eine Rettung

So groß der Auftrag mit 36 Jets und 16 Milliarden Dollar Volumen auf den ersten Blick auch wirkt, bei genauerem Hinsehen schrumpft er deutlich. Das liegt nicht nur daran, dass Emirates am Ende wohl bestenfalls sieben Milliarden Dollar und damit nicht mal die Hälfte zahlt. Derzeit will Emirates nur 20 Maschinen auch wirklich haben. Die restlichen 16 Jets sind lediglich Kaufoptionen. Auch wenn Emirates bislang noch alle solche Optionen umgewandelt hat: Am Ende ist die Zahl der Aufträge für den A380 zu gering, um die Produktion des Supervogels lange zu sichern.

Wenn Emirates den Vertrag am Ende wirklich so unterschreibt, klettert der Auftragsbestand zwar auf rund 130 Exemplare. Doch von denen werden höchstwahrscheinlich nicht alle gebaut. So geben selbst Airbus-Vorstände im vertraulichen Gespräch zu, dass von den Aufträgen mindestens 47 wackelig sind und die Airlines sie absagen dürften. Dazu haben selbst lange Zeit sichere Großabnehmer wie Air France zuletzt immer wieder ein paar Aufträge abgesagt oder auf andere Modelle übertragen.

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