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Airbus in Hamburg Wie der A321 dem Flugzeugbau im Norden zum Durchbruch verhalf

Der Testflug eines A321-Prototyps war vor 25 Jahren der Auftakt einer norddeutschen Erfolgsgeschichte. Heute hängen Zehntausende Jobs davon ab.

An der Herstellung und dem Zusammenbau von Airbus-Flugzeugen sind rund um den Standort Finkenwerder unzählige Mitarbeiter beteiligt. Quelle: dpa

Hannover/HamburgAm 11. März 1993 schlug eine Sternstunde der deutschen Luftfahrt. Bei klarem Hamburger Frühlingshimmel schob Testpilot Karl-Heinz Nagel die Schubhebel des A321-Prototypen MSN 364 auf Startleistung. Mit neun Tonnen Messinstrumenten an Bord hob er zu einem rund viereinhalbstündigen Jungfernflug über die Deutsche Bucht, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ab. Es war nicht nur der erste A321, der sich erfolgreich in die Lüfte schwang – sondern auch der Auftakt einer wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte.

„Ohne den Airbus A321, mit dem Endmontage und Auslieferung von Airbus-Flugzeugtypen in Hamburg begann, wäre die Entwicklung Norddeutschlands zu einem der größten Luftfahrtstandorte der Welt nicht möglich gewesen“, sagte Lukas Kirchner von der Hamburg Aviation, dem Dachverband der Wirtschaftsförderung der Hansestadt.

Denn der traditionsreiche Standort Finkenwerder wurde damit im Airbus-Verbund endgültig als damals zweiter Endmontage-Standort nach Toulouse zum Zentrum der Kurz- und Mittelstreckenjets. Heute sichert er Zehntausende direkte und indirekte Arbeitsplätze weit über Norddeutschland hinaus. Ungemacht droht allerdings in Bremen, wo Airbus nach einem Bericht des französischen Magazins „Challenges“ wegen Produktionskürzungen auch Jobs streichen könnte.

„25 Jahre nach dem Erstflug ist aus dieser mutigen und visionären Entscheidung eine wahre Erfolgsgeschichte geworden: 3718 A321 sind bestellt, mehr als 1600 bereits ausgeliefert“, sagt Volker Thum, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie in Berlin.

Die Entscheidung für Hamburg sei damals richtungsweisend gewesen, meint er. „Die Tatsache, dass mittlerweile jedes sechste weltweit hergestellt Verkehrsflugzeug aus Deutschland kommt und Hamburg zur dritten Metropolregion im weltweiten Flugzeugbau aufgestiegen ist, basiert auf dieser Entscheidung.“ Bauteile aus ganz Europa werden in Hamburg zu kompletten Flugzeugen zusammengebaut. Als wichtiges Standbein des Flugzeugbaus gehört die Stadt mit Toulouse und Seattle zu den drei größten Luftfahrtstandorten weltweit.

Auch wenn neue Airbus-Endmontagestätten in Tianjin (China) und Mobile (USA) entstanden: An der Elbe ist die Programmleitung für die gesamte A320-Familie angesiedelt, bei der sich das Unternehmen vor Aufträgen kaum retten kann. Die noch in den Auftragsbüchern stehenden 6000 Flugzeuge dieses Typs garantieren Beschäftigung für viele Jahre.

Waren in den 1990er-Jahren noch vor allem die kleineren Varianten gefragt, so geht der Trend jetzt eindeutig hin zur Größe. Die für extreme Reichweite ausgelegte jüngste Version A321LR stieß mit ihrem Erstflug gerade erst die Tür auf in ein weiteres Marktsegment im Langstreckenbereich – Transatlantikflüge sind damit problemlos möglich.

Hamburg und die Region wurden damals zu einer wichtigen Schnittstelle im weltweiten Airbus-Verbund. Mehr als die Hälfte der fertigen Flugzeuge, die einen Mittelgang haben, wird von Finkenwerder aus ausgeliefert. „Heute ist es egal, wo man auf der Welt in ein Flugzeug steigt: Die Chance ist groß, dass es in Norddeutschland gebaut und ausgeliefert wurde“, sagt Kirchner.

Allein aus der A320-Familie verlassen über 50 Flugzeuge monatlich die Werkshallen, mehr als die Hälfte in Finkenwerder. Aus dem nahegelegenen Niedersachsen-Städtchen Stade kommen vor allem Leitwerke in Faserverbundwerkstoffen (CFK) – der Standort hat sich als europäische CFK-Schmiede spezialisiert.

Hamburg, Bremen und Niedersachsen stellen heute die weltweit drittgrößte zivile Luftfahrtregion nach Seattle und Toulouse dar – wobei Niedersachsen nach Bayern und Hamburg Deutschlands drittgrößter Luftfahrtstandort ist. „Die Bedeutung der Branche für Niedersachsen ist groß“, bestätigt Henrik Brokmeier von der Landesinitiative Niedersachsen Aviation, „rund 30.000 Beschäftigte sind in mehr als 250 Unternehmen an über 350 Standorten in der Luft- und Raumfahrtindustrie und den zugehörigen Wertschöpfungsketten tätig.“

Und der Premierenflieger, mit dem einst alles begann? Die erste in Hamburg ausgelieferte A321 mit der Seriennummer MSN458 ging an den Erstkunden Lufthansa. Dort fliegt sie auch heute noch. „Das am 27. Januar 1994 ausgelieferte Flugzeug ist weiterhin in unserer Flotte und in München stationiert“, erklärte ein Sprecher der Airline.

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