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Aktivistische Investoren Nach Hiesingers Abgang: Welchen Manager erwischt es als nächtes?

Thyssen-Chef Hiesinger hat das Handtuch geworfen. Ihm könnten weitere Manager folgen

Die aggressiven Aktionäre Elliot und Cevian haben Thyssenkrupp-Chef Hiesinger aus dem Amt gedrängt. Ihr Vorgehen bietet nur einen Vorgeschmack darauf, wie sich aktivistische Fonds weiter einmischen werden.

Am Ende kam der Rücktritt sogar überraschend. Am Dienstag gab Heinrich Hiesinger dem Magazin „Der Spiegel“ noch ein Interview, so als würde alles weiterlaufen wie bisher. Wie Hiesinger denn auf den Druck der beiden Fonds Cevian und Elliot reagiere, die eine Zerschlagung des Stahlkonzerns forderten, wollte das Magazin wissen. „Man muss die innere Unabhängigkeit haben, wohlüberlegt und reflektiert das zu tun, was man für richtig erachtet“, sagte Hiesinger. Man dürfe bei Thyssenkrupp „keine Angst haben“. 

Von einem Rücktritt war da noch keine Rede. Doch nun schmeißt Hiesinger doch hin. Seine Strategie, Thyssenkrupp als Ganzes zu erhalten, findet offenbar keine breite Unterstützung mehr. Zwar hat Hiesinger das Stahlgeschäft gerade mit dem indischen-britischen Stahlgigant Tata zusammen gelegt. Doch weitere Sparten wie das Geschäft mit den Aufzügen und der Autotechnik wollte Hiesinger behalten. Cevian und Elliot drängten auf eine Trennung. 

Der Fall Hiesinger ist beispiellos in Deutschland. Noch nie hat ein Dax-Chef auf Druck von aktivistischen Investoren das Handtuch geworfen. Doch bald schon könnten dem Fall aus Essen weitere folgen. Denn Großaktionäre machen derzeit in zahlreichen Dax-Konzernen und größeren Unternehmen Druck  – und fordern das Management heraus. 

Die Strategie der aktivistischen Investoren ist fast immer gleich: Oft steigen sie bei aus ihrer Sicht unterbewerteten Firmen ein, erhöhen dann den Druck auf das Management und Aufsichtsrat, um dann mit erheblichem Kursgewinnen wieder auszusteigen. Die bekanntesten Adressen sind die US-Investoren Elliot, Guy Wyser Pratte, Carl Icahn  und Third Point und Cevian aus Schweden. 

Erfolge gibt es reichlich: Wyser-Pratte erhöhte den Aktienkurs des Satellitenherstellers OHB in Bremen im vergangenen Jahr durch öffentlichen Druck um 50 Prozent. Beim deutschen Pharmahersteller Stada etwa übernahm der Investor AOC 2016 schrittweise einen Anteil von fünf Prozent. Damit begann eine Schlacht um die richtige Strategie, am Ende nahmen Aufsichtsrat und Vorstand den Hut. 

Das Drehbuch der subtilen Entmachtung könnte bald auch andere Manager treffen. Im Kern lassen sich die Fälle in drei Gruppen einteilen: 

Gefährdete Manager, Gruppe 1: Chef-Stühle wackeln

Thyssenkrupp ist nicht das erste Unternehmen, bei dem aktivistische Investoren den Vorstandsvorsitzenden zu Fall brachten. Die Blaupause liefert der Anlagenbauer Gea, der vor allem  Maschinen für die Nahrungs- und Getränkeindustrie baut. Der US-Hedgefonds Elliot hält inzwischen mehr als fünf Prozent der Anteile und erhöht kontinuierlich den Druck auf Aufsichtsrat und Vorstand. Dabei haben Vorstandschef Jürgen Oleas und Finanzvorstand Helmut Schmale bereits einen Teil der geforderten personellen Veränderungen erfüllt und bereits ihren Rückzug angekündigt. Oleas will nach der Hauptversammlung 2019 gehen, Schmale wird seinen bis 2021 laufenden Vertrag sogar vorzeitig auflösen

Doch das reicht Elliot nicht. Der Hedgefonds moniert inzwischen sogar öffentlich, dass der Aufsichtsrat immer noch kein Nachfolger für Oleas präsentieren konnte. Dabei sind Headhunter seit März auf der Suche. Der Hedgefonds nimmt das zum Anlass, auch den Aufsichtsrat in seiner jetzigen Besetzung in Frage zu stellen. Die US-Amerikaner fordern eine Stärkung des Aufsichtsrats „einschließlich einer Neubesetzung des derzeit von Dr. Helmut Perlet gehaltenen Aufsichtsratsvorsitzes“, heißt es bei Elliot. Denn nur dann könne eine strategische Neubewertung vorgenommen werden, die wirklich alle Optionen zur Steigerung des Unternehmenswertes umfassend prüft. Mehrere Gewinnwarnungen und verfehlte Prognosen hatten die Gea-Aktie auf zuletzt 27 Euro abstürzen lassen. Allein in diesem Jahr hat der Anlagenbauer 30 Prozent seines Börsenwertes verloren. 

Auch beim Schweizer Energietechnikkonzern ABB macht ein Investor Druck. In diesem Fall ist es Cevian. Geht es nach dem aktivistischen Investor, der 5,3 Prozent der ABB-Anteile hält, soll sich Vorstandschef Ulrich Spiesshofer stärker auf das konzentrieren, was in den Augen des Investors zum Kerngeschäft zählt. Dazu soll sich ABB, das im vergangenen Jahr rund 34 Milliarden Dollar umsetzte, von seiner Stromnetzsparte trennen, einem von vier Geschäftsfeldern. 

ABB-Chef Spiesshofer blockt den Vorstoß allerdings bislang ab. „Natürlich sind wir immer offen für den konstruktiven Dialog mit Aktionären“, sagte Spiesshofer zuletzt. Doch in die Strategie will er sich vom Investor offenbar nicht hineinfunken lassen: „Der Entscheid, die Sparte im Konzern zu halten, ist aber gefallen und wir werden diesen Bereich weiterentwickeln.“ 

Ob damit das letzte Wort schon gesprochen ist, ist fraglich. Denn nicht nur aus Sicht von Cevian wäre die Trennung von der Sparte sinnvoll – aus einem simplen Grund: „Solch große Konglomerate wie ABB sind wegen ihrer Komplexität für einen CEO eigentlich nicht mehr zu führen“, sagt Thomas Della Casa, Leiter Vermögensverwaltung der Helvetischen Bank. 

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