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Aktivistische Investoren Nach Hiesingers Abgang: Welchen Manager erwischt es als nächtes?

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Nestlé publikumswirksam unter Druck gesetzt

Auch der US-Investor Daniel Loeb weiß, wie man Unternehmen und deren Chefs publikumswirksam unter Druck setzt. Der Gründer des amerikanischen Hedge-Fonds Third Point hält eine Beteiligung von knapp 1,3 Prozent an Nestlé, ist damit aber der achtgrößte Einzelaktionär des weltgrößten Lebensmittelherstellers. Seit mehr als einem Jahr nervt er den Konzern und dessen deutschen Chef Mark Schneider mit seinen Vorwürfen und Vorschlägen. Erst vor wenigen Tagen hatte Loeb in einem online veröffentlichen Report und in einem vierseitigen Brief sowie einer Präsentation über 34 Seiten an Schneider, Verwaltungsrat Paul Bulcke und den Aufsichtsrat mehr Tempo und mehr Mut beim Umbau des Lebensmittelkonzerns gefordert und ihm einen „konfusen strategischen Kurs“ vorgehalten. 

Nestlé tue zu wenig, um aus der jahrelangen Wachstumsflaute herauszukommen, schrieb Loeb; die Firma müsse sich von Ladenhütern mit niedrigen Margen trennen und vermehrt neue, dynamische Produkte ins Sortiment aufnehmen. Außerdem sei der Konzern in drei Divisionen aufzuteilen und zwar in die Sparten Getränke, medizinische Ernährung und Lebensmittel. Nur so könne die Organisation verschlankt werden und nur so werde es möglich sein, das anvisierte Ziel eines mittleren einstelligen Wachstums bis 2020 zu erreichen. 

Der Investor bekräftigte auch die Forderung, dass Nestlé den Anteil von rund 23 Prozent am französischen Kosmetikkonzern L'Oréal verkaufen soll. Dessen CEO Jean-Paul Agon hat im Februar durchblicken lassen, dass das Unternehmen die Mittel für den Rückkauf des Nestlé-Anteils hätte, sofern er in Betracht käme. Bisher machte Nestlé jedoch keinerlei Anstalten, sich von L'Oréal zu verabschieden. „Nestlé ist mit dem Engagement bei L'Oréal über mehr als vierzig Jahre ausgesprochen gut gefahren“, sagte Schneider im vergangenen Juli. 

In einer Pressemitteilung, die zu Loebs Forderungen indirekt Stellung nahm, verwies Nestlé darauf, dass man sich längst an die Arbeit zum Umbau des Portfolios gemacht habe; man verfolge dabei allerdings eine „langfristige Wertschöpfungsstrategie“ - ein Zeithorizont, der mit jenem eines aktivistischen Investors wohl nicht unbedingt übereinstimmt. In der Mitteilung zieht Nestlé-Chef Schneider eine Bilanz seiner bisher in Angriff genommenen Maßnahmen. Es sind jedoch allesamt keine großen Würfe, wie Loeb sie fordert, sondern eher kleinere und mittlere Einschnitte. Kein Wunder also, das Loeb die eingeleiteten Schritte wie das Aktienrückkaufprogramm, die Marketing-Vereinbarung mit Starbucks oder der Zukauf von schnell wachsenden Unternehmen wie Blue Bottle Coffee als „ungenügend“ disqualifiziert. 

Gefährdete Manager, Gruppe 2: Unter Beobachtung

Bei anderen Unternehmen halten sich aktivistische Investoren noch etwas zurück. Die Strategie und der Chef werden offenbar nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Aber die Ruhe ist oft trügerisch. Mitunter stehen das Top-Management nur dauerhaft unter Beobachtung. 

Daimler ist so ein Fall. Konzernchef Dieter Zetsche steht derzeit mächtig unter Druck: Jahrelang hatte er beteuert, dass das Unternehmen keine Autos mit manipulierter Software hergestellt habe, um die Abgasreinigung auszutricksen. Doch inzwischen hat selbst das Kraftfahrt-Bundesamt Zweifel angemeldet. Daimler ruft knapp 800.000 Autos zurück. Die Aktionäre werden nervös. 

Noch halten die Investoren zu Zetsche. „Zetsche hat viel für Daimler erreicht – aber seine Erfolge werden zunehmend vom nicht enden wollenden Dieselskandal überschattet“, sagte Bert Flossbach vom Vermögensverwalter Flossbach von Storch kürzlich der WirtschaftsWoche. Flossbach gilt zwar nicht als aggressiver Investor, der im Stile von Elliott und Co das Management unter Druck setzt. Aber auch er meldet sich oft zu Wort, um Strategie und Personal in Frage zu stellen. Flossbach hält derzeit 1,5 Prozent der Daimleraktien und gehört damit zu den größten Aktionären. Zur Personalie  Zetsche sagt er: „Unser Wohlwollen leidet darunter.“ 

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