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AKW-Abschaltung in Japan Die Folgen des radikalsten Atomausstiegs der Welt

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Wirtschaft hat Verständnis für die Sorgen

Demonstranten gingen am Tag der Abschaltung in Tokio auf die Straße. Quelle: dpa

An der Oberfläche ist von den Verwerfungen wenig zu sehen, scheinbar gelassen stellen sich die Unternehmen auf die Krise ein. Die Energieversorger etwa unterdrücken ihr Klagegeheul, so gut es geht, weil sie als Mitverantwortliche für das Atomdesaster nicht mit Mitleid rechnen können. Zwar nannte Makoto Yagi, Präsident des zweitgrößten Versorgers Kansai Electric Power Company (Kepco), 2012 das „schlimmste Jahr in unserer Geschichte“. Doch die sonst eher atomfreundliche Finanzzeitung „Nikkei“ wies den Jammerer zurecht, er solle erst mal seine Kosten kürzen. Dank regionaler Monopole und abgesprochener Preise gehörte das Wort „sparen“ bis zum Atomunfall nämlich nicht zum Standardvokabular der Strommanager.

In der übrigen Wirtschaft herrscht überraschend großes Verständnis für die Bedenken der Bevölkerung gegen die schnelle Wiederinbetriebnahme der Atomkraftwerke. Nach einer Umfrage von Mitte April befürchten zwar zwei Drittel dieser Firmen, dass der Ausfall der Atommeiler ihr Geschäft beeinträchtigt. Ebenso verlangen aber zwei Drittel der Führungskräfte, ohne Sicherheitsgarantien dürften die Meiler nicht wieder ans Netz gehen.

Mit dem gleichen Sinn für Pragmatismus reagieren die Manager auf den absehbaren Versorgungsengpass. Sie kombinieren freiwilliges Energiesparen mit dem Ausbau der unternehmenseigenen Stromerzeugung und freuen sich über den Nebeneffekt sinkender Fertigungskosten. Japan geht zwar generell recht sparsam mit Energie um. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur verbraucht das Land im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung mindestens ein Drittel weniger Energie als Deutschland, Südkorea oder die USA.

Ein Drittel weniger Energieverbrauch als Deutschland

Doch der verbleibende Energiekonsum kommt die Unternehmen seit Fukushima immer teurer zu stehen. Für Strom müssen etwa die gewerblichen Kunden von Tepco seit Anfang April im Schnitt 17 Prozent mehr bezahlen. Weitere zwölf Prozent wurden im Laufe der vergangenen 14 Monate als Ausgleich für höhere Brennstoffkosten auf den Strompreis aufgeschlagen. Energiesparen ist daher für viele Firmen zum unerlässlichen Muss geworden.

Komatsu etwa, der weltgrößte Baumaschinenhersteller nach dem US-Konzern Caterpillar, investiert über die nächsten drei Jahre hinweg 140 Millionen Euro, um den Stromverbrauch in einem Dutzend seiner Fabriken in Japan durch neue Maschinen und verkleinerte Flächen teilweise zu halbieren. In der Komatsu-Fabrik für Hydraulikbagger in Osaka werden bis Juli Generatoren installiert, die mit Flüssiggas arbeiten und es auf eine Leistung von drei Megawatt Strom bringen. Denn hier in der zweitgrößten Metropolenregion Kansai mit den Städten Osaka, Kobe und Kyoto im Westen Japans droht im feuchtheißen Juli und August die bisher größte Versorgungslücke von mehr als 16 Prozent der bisher produzierten Strommenge. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr mussten Unternehmen im Ballungsraum Tokio bereits wegen einer Lücke von rund zehn Prozent ihren Stromverbrauch um 15 Prozent drosseln.

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