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AKW-Abschaltung in Japan Die Folgen des radikalsten Atomausstiegs der Welt

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Wirtschaftsminister plant weitere radikale Reformen

„Am liebsten möchte ich unsere Abhängigkeit vom Atomstrom auf null verringern“ - Der 47-jährige Wirtschaftsminister Yukio Edano ist trotzdem der Meinung, dass beim gegenwärtigen Zustand der japanischen Wirtschaft Atomkraft eine „notwendige“ und „wichtige“ Stromquelle sei. Quelle: dpa

Am Kepco-Himmel ziehen aber noch dunklere Wolken auf. Der Bürgermeister von Osaka, Toru Hashimoto, wird auf der Hauptversammlung im Juni die Stilllegung aller Atomkraftwerke beantragen. Erneuerbare Energien sollen den Nuklearstrom ersetzen. Der 42-Jährige ist der einzige Politiker in Japan, der die Schwachstellen der AKW-Betreiber schonungslos offenlegt. Ihm kommt zugute, dass die Stadt Osaka mit neun Prozent größter Kepco-Aktionär ist.

Vor zwei Wochen verlangte Hashimoto bei einem Treffen mit Premierminister Yoshihiko Noda neue Sicherheitsvorschriften und eine bessere Krisenvorsorge. Weder Regierungschef Noda noch die Strombranche gingen auf die Forderungen ein. „Falls die Regierung diese Punkte akzeptiert, könnte kein Atomreaktor reaktiviert werden“, lautet die offizielle Begründung.

Der endgültige Sturz in die Bedeutungslosigkeit stünde den Versorgern jedoch bevor, sollte Wirtschaftsminister Edano seine radikalen Reformpläne verwirklichen. Er will die Produktion und den Transport von Strom voneinander trennen, den Konzernen das Übertragungsnetz abnehmen und sie zum Verkauf von Kraftwerken zwingen. Bei einer solchen Zerschlagung der regionalen Monopole müssten sich die Versorger im echten Wettbewerb mit unabhängigen Stromerzeugern behaupten. Schon jetzt wenden sich viele Großkunden von Tepco &. Co. ab und verhandeln mit der Konkurrenz über neue Lieferverträge.

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Die Macht der Konkurrenten wird ohnehin bald dramatisch wachsen. Von Juli an fördert der Staat die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen nach deutschem Vorbild mit Einspeisetarifen. Die Erzeuger sollen 20 Jahre lang für Solarstrom 40 Eurocent und für Windstrom 22 Eurocent je Kilowattstunde erhalten. Diese Tarife garantieren nach Ansicht des Instituts für erneuerbare Energien eine Rendite von sieben Prozent. Das dürfte die Ökostrombranche boomen lassen. Fast täglich wird der Bau eines neuen Kraftwerks angekündigt.

Einen schnellen Ausgleich für die stillliegenden Meiler wird das aber nicht bringen. Bisher machen erneuerbare Energien ohne Wasserkraft gerade mal ein Prozent der japanischen Stromproduktion aus.

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